Es sollte eine Art Feel-Good-Besuch werden. Erstmals seit Ausbruch der Corona-Krise kommen die Vertreter der Mitgliedsverbände der europäischen Fußball-Konföderation Uefa am Mittwoch wieder von Angesicht zu Angesicht zum Kongress zusammen, und das in Wien, das sich bei den bisherigen Treffen als guter Gastgeber erwiesen hat. Als Hauptprogrammpunkt steht die Präsentation des Spielplans für die EM 2024 in Deutschland auf der Agenda - ein festlicher Formalakt, bei dem eigentlich nichts schiefgehen kann, wie man meinen sollte. Und dennoch könnte der Wien-Besuch für Uefa--Präsident Aleksander Ceferin zu einer heiklen Mission avancieren.

Denn diskutiert werden auch die Pläne für eine Reform der Europacup-Bewerbe ab der Saison 2024/25. Der Rahmen wurde bereits festgelegt - die Champions League soll von derzeit 32 auf 36 Teams aufgestockt werden, um durch mehr Spiele auch mehr TV-Einnahmen zu lukrieren -, doch der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Denn wie genau das Format aussehen soll und wer die zusätzlichen Startplätze erhält, darüber war zuletzt eine hitzige Debatte entflammt. Medien hatten vor kurzem von einem Ligasystem berichtet, in dem aber nicht jeder gegen jeden spielt. Zudem könnte es ein Final-Four-Turnier mit Halbfinale und Finale an einem Schauplatz geben. Schon 2020 war die finale Phase so ausgetragen worden. In dem, was damals aus der Corona-Not geboren war, sehen die Uefa-Granden - allen voran Ceferin, ein erklärter Fan dieser Idee - Zukunfts- und Wachstumspotenzial. Richtig umgesetzt, könnte dies effizient in Bezug auf die Einnahmen sein, hatte er schon im Vorjahr zur französischen Sportzeitung "L’Equipe" gesagt. Nicht alle Klubs sehen dies freilich so, schließlich würden die Halbfinalisten auf diese Weise um Heimspiele umfallen.

Kampf an mehreren Fronten

In der Frage nach den Startplätzen soll es schon am Dienstag auf der Sitzung des Exekutivkomitees zu einer Kompromisslösung gekommen sein. Demnach sollen zwei der zusätzlichen Tickets an Vertreter der beiden zuletzt erfolgreichsten Nationen gehen. Davor hatte es Bestrebungen gegeben, dass die Plätze an Klubs mit früheren Erfolgen, die sich über die Liga aber nicht für die Königsklasse qualifizieren konnten, vergeben werden sollen. Zufrieden mit der nunmehrigen Lösung werden demnach nicht alle sein.

Dabei kämpft der seit 2016 im Amt befindliche Slowene derzeit ohnehin an mehreren Fronten. Die Uefa ist eine massive Gegnerin einer Verkürzung des WM-Rhythmus von vier auf zwei Jahre, die der Weltfußballverband Fifa zuletzt - wenn auch bisher ergebnislos - vorantreiben wollte.

In einer anderen Causa wiederum brauchte die Uefa die Unterstützung der Fifa - als es nämlich um die von einigen europäischen Topklubs verkündete Einführung einer Super League ging, die in direkte Konkurrenz zum Premiumprodukt Champions League getreten wäre. Aufgrund massiven Widerstands auch aus der Politik liegen die Pläne zwar vorerst auf Eis, einige Klubs wollen aber daran festhalten und den juristischen Weg bestreiten. So oder so gibt es auch am Mittwoch in Wien genug Gesprächsbedarf. Und man muss - Vorabeinigung hin, Kompromiss her - nicht davon ausgehen, dass es ein gemütliches Kaffeekränzchen wird.