Es sind wahrlich schwindelerregende Zahlen, von denen man nie geglaubt hätte, ein österreichischer Fußballklub könnte sie je schreiben. Als Salzburg-Sportdirektor Christoph Freund im Dezember 2020 als "Sport Manager des Jahres" ausgezeichnet wurde, beeindruckte die Jury vor allem eine Zahl: In seinen damals sechs Saisonen beim Red-Klub-Klub konnte ein Transferüberschuss von 206,26 Millionen Euro erwirtschaftet werden. Eineinhalb Jahre und einige Transfers später ist diese Summe längst überholt - mit dem am Dienstag verkündeten Wechsel des deutschen Teamspielers Karim Adeyemi (20) um rund 40 Millionen Euro nach Dortmund dürfte vielmehr die 300-Millionen-Schwelle schon überschritten sein. Ob das selbst Neo-ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick, der ab 2012 bei der Salzburger-Bullen-Truppe für die Neuausrichtung gesorgt hat, je erwartet hätte, darf bezweifelt werden. Schließlich verbrannte der Nachfolgeklub der violetten Austria Salzburg in den Anfängen der Dosen-Ära nur so die Euro-Scheinchen.

In den Geschäftsberichten der "FC Red Bull Salzburg GmbH" schlug sich das freilich nie nieder: Durch die satten Zuschüsse des Getränkeriesen wurde im ersten Jahrzehnt seit dem Einstieg 2005 immer ein Gewinn von exakt einer Million Euro ausgewiesen. Aufgrund der Uefa-Financial-Fair-Play-Regeln musste erst 2015/16 mit dieser Tradition gebrochen werden - und es folgte anfangs sogar ein Verlust von 1,7 Millionen Euro. Doch für den Serienmeister sollte sich das Blatt - dank der millionenschweren Spielerverkäufe - rasch drehen. Corona zum Trotz folgte in der Spielzeit 2019/20 das finanziell erfolgreichste Jahr in der Geschichte, mit einem ausgewiesenen Gewinn von 40,36 Millionen Euro. Und in der abgelaufenen Periode machte der Liga-Krösus bei Einnahmen von 112 Millionen einen Gewinn von knapp 5 Millionen Euro. Die üppigen Champions-League-Einnahmen sind da noch gar nicht gutgeschrieben - diese werden erst im Herbst in der heurigen Bilanz aufscheinen; ebenso wie die Adeyemi-Millionen und jene, die im Gefolge des neuen Dortmund-Stars in den kommenden Wochen durch weitere Transfers noch erlöst werden. Dass insgesamt vier bis fünf Akteure der heuer jüngsten Champions-League-Elf aller Zeiten Salzburg verlassen werden, ist längst kein Geheimnis mehr. Top-Kandidaten sind Rasmus Kristensen, Mohamed Camara, Nicolas Seiwald und Maximilian Wöber. Deutschland, England, Spanien - in den europäischen Top-Ligen weiß man längst, was man an den in Salzburg veredelten Spielern hat. Zudem rentieren sich die zweistelligen Millionenbeträge bei einem Weiterverkauf doppelt und dreifach: Siehe Erling Haaland (BVB, demnächst Manchester City), siehe Sadio Mane (Southampton/Liverpool), siehe Naby Keita (Leipzig/Liverpool). Die zwölf Top-Transfers aus der österreichischen Bundesliga betrafen allesamt Salzburger, wobei Adeyemi nunmehr die Spitzenposition hält. Recht lange wird das nicht so bleiben, da braucht man kein Fußball-Prophet zu sein. "Jetzt mit Karim haben wir den Königstransfer getätigt. Ich hätte nichts dagegen, wenn wir in Zukunft noch einige Male solche Erfolgsgeschichten hätten", sagte Freund am Mittwoch.

Adeyemi war 16-jährig um stolze drei Millionen Euro aus Unterhaching geholt worden - das Risiko hat sich ausgezahlt. "Natürlich haben wir nur bei ganz jungen Spielern die Chance, die besten Talente zu bekommen", erklärte Freund, der den Weg aber unbeirrt weitergehen will. Sprich: Das Geld aus dem Adeyemi-Transfer wird bald in die nächsten Talente re-investiert.