Dass für den alten, neuen Bundesliga-Meister in dieser Saison schon alles entschieden wäre und derzeit das Hauptaugenmerk darauf läge, noch ein paar Topstars in spe millionenschwer zu veräußern, ist wohl nicht mehr als ein (böses) Gerücht. Wie sagte doch gleich Salzburg-Sportdirektor Christoph Freund anlässlich der Verkündigung des Transfer-Coups von Karim Adeyemi? "Wir wissen, wie schön es ist, dort zu gewinnen. Die schönsten Siege sind fast immer in Wien." Also nix mit Schonung und Sommerurlaub-Gedanken - beim Rivalen aus der Bundeshauptstadt muss im sonntägigen Bundesliga-Schlager (17 Uhr/Sky) der nächste Sieg her.

Rapid fallen 11 Spieler aus

Es wäre der siebente Streich für die Salzburger - nach sechs Liga-Erfolgen en suite. Und aus Sicht der Hütteldorfer womöglich die bitterste Pleite von allen. Denn just im Saisonfinish scheint der Truppe von Ferdinand Feldhofer ordentlich die Luft, respektive (scheinen) die Spieler auszugehen. Denn die bessere B-Elf wird am Sonntag nicht Salzburg, sondern Rapid stellen (müssen). Und sie soll das Kunststück des ersten Punktgewinns seit November 2020 zuwege bringen. Andernfalls droht Grün-Weiß am Ende der Absturz auf Platz fünf, der dem derzeitigen Tabellendritten statt der fixen Europacup-Gruppenphase ein Liga-internes Europacup-Play-off-Duell samt ungeliebter Saisonverlängerung bescheren würde.

Für gleich elf Rapidler heißt es beim Austro-Clasico aber zusehen: Jüngster Verletzter ist Dejan Petrovic, der wegen eines im Training erlittenen Kreuzbandrisses monatelang nicht zur Verfügung stehen wird. Niklas Hedl, Maximilian Hofmann und Bernhard Zimmermann fehlen aufgrund von Sperren. "Die Vorzeichen sind nicht gut", gestand der Rapid-Coach, "aber mit unseren Fans im Rücken wollen wir ein super Spiel machen und Punkte sammeln." Doch ist es nicht bloß Zweckoptimismus? "Die Favoritenrolle ist noch mehr bei Salzburg als sonst, doch der Favorit gewinnt nicht immer", kontert Feldhofer.

Sollte Rapid wieder nicht punkten und der zwei Zähler zurückliegende Stadtrivale das Austria-Derby in Klagenfurt gewinnen, ist der dritte Platz verloren; dann darf es in der letzten Runde beim WAC, der seinerseits noch Chancen auf Platz drei hat, keinesfalls eine Pleite setzen, sonst wäre das grün-weiße Desaster perfekt.

Sieg-Rekord im Visier

Salzburg-Coach Matthias Jaissle möchte einen Punkteverlust unbedingt vermeiden. "An unseren Zielen hat sich nichts geändert: Wir wollen die letzten Partien gewinnen und diese außergewöhnliche Saison so abrunden. Das ist unsere Motivation. Die Rekorde wären ein schönes Nebenprodukt." Sollte die Bullen-Truppe die beiden letzten Matches für sich entscheiden, hätten sie mit 26 Erfolgen den Siegrekord der Wiener Austria aus der Saison 1985/86 eingestellt. Damals wurden allerdings 36 Runden (und damit vier mehr als jetzt) ausgetragen. Grün-Weiß werde den Salzburgern jedoch das Leben schwer machen, vermutet Jaissle. "Für Rapid geht es um sehr viel - entsprechend werden sie auch auftreten. Da werden wir von der ersten Minute an gefordert sein", warnte der Deutsche.(may)