Österreichische Fußballer oder Trainer in einem Europacup-Endspiel - das ist normalerweise eine höchst seltene Angelegenheit. Wenn am Mittwochabend in Sevilla (21 Uhr/ Servus-TV) die Frankfurter Eintracht mit dem rot-weiß-roten Trainerexport Oliver Glasner (aber ohne den verletzten Abwehrchef Martin Hinteregger) im Europa-League-Finale die Glasgow Rangers fordert, dann ist dies nicht nur der Auftakt eines ganz besonderen Finalreigens für heimische Akteure, sondern weckt ganz besondere Erinnerungen an zwei Fußball-Legenden. Denn auch Gernot Trauner (mit Feyenoord am 25. Mai gegen Roma im Conference-League-Finale) und David Alaba (am 28. Mai mit Real gegen Liverpool im Endspiel der Champions League) können heuer einen der begehrten Europa-Pokale in die Höhe stemmen - wie dereinst Ernst Happel als Trainer und Bruno Pezzey als Spieler.

Besonders Pezzey wird dieser Tage in Frankfurt häufig zitiert - gelang doch mit dem 84-fachen ÖFB-Teamspieler als Abwehrchef anno 1980 genau jener Erfolg, den es am Mittwoch zu wiederholen gilt. Im Vorgängerbewerb der Europa League, dem Uefa-Cup, schafften die Schwarz-Weißen vor 42 Jahren ihren bis dato einzigen internationalen Erfolg. Im innerdeutschen Duell gegen die Fohlen aus Mönchengladbach entschied die Auswärtstorregel über den Champion - denn nach einer 2:3-Niederlage auf dem Bökelberg reichte den Hessen ein 1:0-Erfolg im heimischen Waldstadion zum Triumph. Goldtorschütze war in Minute 81 Fred Schaub, der Vater von ÖFB-Teamspieler Louis Schaub. Die Offensivbemühungen der Fohlen - mit dem blutjungen Lothar Matthäus - prallten allesamt an der von Pezzey mustergültig organisierten Abwehr ab.

Für den heute 100.000 Mitglieder zählenden Kultklub vom Main absolvierte der Vorarlberger insgesamt 141 Partien - darunter auch das DFB-Pokalfinale 1981, das gegen Kaiserslautern gewonnen wurde - der einzige nationale Titel für Pezzey in Deutschland. Denn nach seinem Wechsel zu Werder Bremen schrammte der Verteidiger zwei Mal nur knapp an der deutschen Meisterschaft vorbei. Seine große Karriere ließ der 1994 viel zu früh verstorbene Pezzey dann beim FC Swarovski Tirol ausklingen - in der legendären Elf mit Hansi Müller, Nestor Gorosito, Vaclav Danek und Peter Pacult. Trainer des Starensembles: Ernst Happel.

Womit wir beim "Wödmasta" wären, der als bis dato letzter österreichischer Trainer-Legionär ein Europapokal-Endspiel bestreiten durfte - und das überaus erfolgreich. 1983 führte der Wiener den HSV mit dem Gewinn des Meistercups (heute: Champions League) per 1:0-Sieg über Juventus zum größten Triumph der Vereinsgeschichte - und es war dies vielleicht auch der größte Erfolg in Happels Trainerkarriere. Mit den Niederlanden hatte er 1978 unter dubiosen Umständen das WM-Finale gegen Argentinien verloren, acht Jahre davor aber mit Feyenoord nicht nur den Meistercup, sondern auch den Weltpokal (heute: Klub-WM) stemmen dürfen. Womit das "Wödmasta"-Attribut nicht von ungefähr kommt (wiewohl Happel auch als Spieler Teil der bronzenen WM-Mannschaft 1954 in der Schweiz war).

Dass Happel - 1992 als ÖFB-Teamchef verstorben - so erfolgreich war, weil er mit seinem Spielstil neue Wege ging, steht mittlerweile in jedem Fußball-Lehrbuch. Und er hat heutzutage noch viele, viele Epigonen, die ganz ähnliche Akzente setzen - unter anderem auch Oliver Glasner. Denn das Ried-Urgestein wurde in seinen ersten Trainer-Jahren bei Red Bull Salzburg vor allem vom damaligen Sportdirektor Ralf Rangnick und als Co. von Roger Schmidt geprägt - Stichwort Red-Bull-Pressing-Stil. Dies wurde angesichts der Teamchefbestellung von Rangnick jüngst wieder in Erinnerung gerufen - verbunden mit harscher Kritik: "Da kommt mir das Kotzen, wenn ich das Wort RB-Stil höre. Denn jeder vergisst Ernst Happel, der schon damals in den 70ern und 80ern diesen Spielstil geprägt hat - Forechecking, frühes Anpressen am gegnerischen Sechzehner. Das ist ja nix Neues", sagte etwa Klagenfurt-Coach Peter Pacult.

120.000 reisten nach Sevilla

Schließt sich in der "Nacht von Sevilla" also der Kreis? Der 47-jährige könnte schon in jungen Trainerjahren im selben Atemzug mit spärlich vorhandenen Ikonen des rot-weiß-roten Fußballs genannt werden - Pezzey, Happel, Glasner. Der Gegner, der sich vor den Frankfurtern im Finale aufbaut, ist zwar kein absolutes Kaliber, aber könnte dennoch eine harte Nuss werden. Denn die Rangers, die vor einem Jahrzehnt Pleite waren und in die Viertklassigkeit verbannt wurden, haben sich wie der Phönix aus der Asche erhoben und mit dem BVB (Zwischenrunde) und RB Leipzig (Halbfinale) bereits zwei Bundesligisten eliminiert. Demgegenüber steht der stolze Erfolgslauf der Mannen mit dem Adler auf der Brust, der mit Siegen über Betis Sevilla, FC Barcelona und West Ham noch nicht zu Ende sein soll.

"Es geht darum, unseren Spirit auf den Platz zu bekommen, mit aller Begeisterung und Leidenschaft. Ich möchte Eintracht-Frankfurt-Fußball sehen, so wie gegen West Ham United und Barcelona", beschwor Glasner. "Wenn uns das gelingt, bin ich zuversichtlich, dass es einen positiven Ausgang geben wird."

Für die Schlachtenbummler beider Traditionsvereine wird das Endspiel jedenfalls ein ganz besonderes Abenteuer - denn 120.000 (70.000 Rangers-Fans) von ihnen sind nach Andalusien gereist, obwohl es nur je 10.000 Karten gibt. Es ist eben das "Spiel des Jahrhunderts", wie Eintracht-Ikone Alexander Meier meinte.