Ein klarer Sieg mit wenig Aussagekraft: Das 4:0 von Österreichs Frauen-Fußball-Nationalteam im EM-Test gegen Montenegro am Mittwoch in der Südstadt muss größtenteils in die Kategorie Bewegungstherapie eingeordnet werden. Die Nummer 87 der Welt kam kaum aus der eigenen Hälfte heraus. "Es waren wieder positive Dinge dabei, es ist aber schwierig, große Teile rauszunehmen im Hinblick auf die EM, da dafür der Gegner zu schwach war", resümierte Mittelfeldspielerin Sarah Zadrazil.

Montenegro war für Schottland eingesprungen, ein größeres Kaliber war im Rahmen einer langwierigen Gegnersuche nicht zu finden gewesen. "Klar hätten wir uns gewünscht, dass wir mehr gefordert werden vor allem im physischen Bereich, aber ich glaube, es war ein sehr solider Test", fasste ÖFB-Teamchefin Irene Fuhrmann zusammen. Bei dem kamen 22 Frauen des (vorläufigen) 28er-Kaders zum Einsatz. Zu den sechs Nicht-Eingesetzten zählte neben der wegen Knieproblemen Geschonten Viktoria Schnaderbeck auch Virginia Kirchberger. Die Innenverteidigerin ist aber nach überstandenem Schien- und Wadenbeinbruch wieder ins ÖFB-Teamtraining eingestiegen, wie auch Ersatztorfrau Jasmin Pal. "Sie haben große Schritte nach vorne gemacht", betonte Fuhrmann. Spielpraxis bekam die Deutschland-Legionärin noch nicht, "da wir denken, dass ihr jeder Tag noch guttut", erläuterte die 41-Jährige. Die ÖFB-Generalprobe steigt am Sonntag in Lier gegen Belgien, ehe am 6. Juli im EM-Eröffnungsspiel England als Gegner im ausverkauften Old Trafford Stadium wartet.

"Mögen Ihre Träume in Erfüllung gehen"

Das Duell mit Belgien ist die letzte Möglichkeit, sich im Kampf um die 23 EM-Tickets Bonuspunkte zu verschaffen. "Es war wichtig, dass jede Spielerin Gas gegeben hat. Ich finde, dass gerade die jungen Spielerinnen und jene, die von Verletzungen zurückgekommen sind, es sehr ordentlich gemacht haben. Dadurch wird die Kaderentscheidung für mich nicht unbedingt leichter", so Fuhrmann. Manko gegen Montenegro war gewiss die Chancenverwertung: "Ich habe mir die Tore für England aufgehoben", scherzte etwa Zadrazil. Die Treffer besorgten vor 760 Zuschauern Katharina Schiechtl (14.), Maria Plattner (19.), Nicole Billa (31.) und Annabel Schasching (88.).

Der Abflug auf die Insel zur Endrunde erfolgt zwar erst nach der Belgien-Partie, die offizielle Verabschiedung in der Hofburg durch den Bundespräsidenten gab es allerdings schon am Donnerstag - mit standesgemäßer Anreise im roten Doppeldecker-Bus. "Wir drücken alle die Daumen, dass Sie weit kommen. Alles ist möglich, aber Sport ist Sport", meinte Alexander Van der Bellen, der natürlich an die Sensation von 2017 mit dem Einzug ins Semifinale erinnerte: "Damals hat ganz Österreich richtig mitgefiebert", so das Staatsoberhaupt.

Sportminister Werner Kogler blickte bereits gespannt dem Eröffnungsspiel im mit 75.000 Zuschauern ausverkauften "Theater of Dreams" entgegen. "Mögen Ihre Träume in Erfüllung gehen", gab der Ex-Sturm-Kicker den Spielerinnen mit auf den Weg. "Das ist etwas, für das Sie viele beneiden werden, allein um dieses Highlight."(apa/red)