Ihren späteren Ehemann kennengelernt und nach einer sensationellen Halbfinal-Teilnahme Österreichs auch noch im EM-Team des Turniers: Die Endrunde 2017 in den Niederlanden wird Verena Hanshaw, die damals noch Aschauer hieß, ewig in Erinnerung bleiben. Fünf Jahre später will die Linksverteidigerin neuerlich sportliche Schlagzeilen schreiben. Schon die Auftakthürde am Mittwoch (21.00 Uhr/live ORF 1) könnte mit Gastgeber England aber fast nicht größer sein.

"Man kann die zwei Sachen nicht miteinander vergleichen. Es war als Underdog eine coole Sache zu überraschen, und jetzt das Turnier ist genauso besonders, nur anders", sagte die 28-Jährige. Was die Spielidee betrifft, habe sich die ÖFB-Auswahl deutlich weiterentwickelt. "Wir haben daran Gefallen gefunden, im Ballbesitz zu sein und die Gegner zu ärgern. Das ist eine spannende Aufgabe", betonte die Wienerin. Ob das auch im ausverkauften Old Trafford Stadium gelingen wird, wird sich erst weisen.

"Einzigartiger Moment"

"Ich werde schon aufgeregt, wenn ich daran denke, freue mich total drauf. Es wird ein einzigartiger Moment, bei dem man einfach jede Sekunde genießen soll", verlautete die Eintracht-Frankfurt-Spielerin. Ihr Ziel ist klar: "Wir wollen die vielen Zuschauer begeistern, das ist das, was wir uns vornehmen." Wichtig sei es auf jeden Fall, ein gutes Gefühl für den weiteren Turnierverlauf mitzunehmen. "Wir sind positiv gestimmt und glauben an uns", gab Hanshaw preis.

Daran konnte auch der vor dem Abflug am Donnerstag bekanntgewordene positive Coronatest von Offensivspielerin Lisa Kolb nichts ändern. "Wir sind wie eine Familie, der Zusammenhalt ist großartig. Die Stimmung ist wie immer gut, daran hapert es nie."

Hanshaw ist für die Auftaktpartie in der Abwehrreihe gesetzt. Offen ist allerdings, wer mit ihr die Innenverteidigung bilden wird. Kapitänin Viktoria Schnaderbeck plagten zuletzt wieder einmal Knieprobleme, Carina Wenninger stieg erst am Samstag nach einer Viruserkrankung ins Teamtraining ein. Daher ist es zumindest nicht ausgeschlossen, dass ausgerechnet beim mit Spannung erwarteten EM-Eröffnungsspiel mit Marina Georgieva (13) und Celina Degen (5) zwei in Länderspielen wenig erfahrene Akteurinnen das Abwehrzentrum bilden. Bei der Generalprobe in Belgien samt 1:0-Sieg hatten die beiden jedenfalls Eigenwerbung betrieben.

"Das Zusammenspiel ist auf jeden Fall anders. Wenn man mit wem länger zusammenspielt, sind die Abläufe vertrauter, weiß man wie die andere tickt. Aber in Belgien haben die zwei Mädels auch einen sehr guten Job gemacht, da habe ich mich auch mit ihnen gut gefühlt", gab Hanshaw Einblick. Auch die Eindrücke ihrer Kolleginnen bei den Einheiten am Platz stimmen sie zuversichtlich: "Sie beweisen im Training regelmäßig, was sie draufhaben."

Flexibel bleiben

Das lässt auch Teamchefin Irene Fuhrmann ruhiger schlafen. 2017 wäre es noch fast unmöglich gewesen Topstützen ziemlich gleichwertig zu ersetzen. "Man muss bedenken, dass die Verena ja eigentlich jahrelang mit Virginia Kirchberger neben sich gespielt hat, und das auch im Verein, und plötzlich wechseln die Nebenspielerinnen öfters. Das macht etwas mit einem. Aber wir haben gesehen, dass wir das sehr gut im Griff haben, wir bleiben flexibel", sagte die 41-jährige Wienerin.

Flexibilität war auch eines der Erfolgsrezepte der ÖFB-Frauen 2017. Hanshaw denkt immer wieder gerne an das Turnier zurück. "Sportlich gesehen war es ein überragendes Erlebnis, hätte besser für mich nicht laufen können. Aber auch als Mensch hat es mir sehr viel gegeben, weil ich dort meinen Ehemann kennengelernt habe. Die Zeit war sehr prägend", erläuterte Hanshaw. Seit der Hochzeit im Juli 2021 trägt sie auch den Nachnamen ihres Gatten. Der wird ihr auch in England als Daumendrücker und moralische Unterstützung zur Seite stehen. (apa)