Bestens gelaunt war das österreichische Frauen-Nationalteam nach England geflogen und hatte das vergangene Wochenende zur Vorbereitung für das EM-Eröffnungsspiel gegen die Gastgeber am Mittwochabend in Manchester genutzt. Und nun das: Mittelfeldspielerin Maria Plattner zog sich am Sonntag im Training einen Bruch des rechten Schlüsselbeins zu und fällt für das Turnier aus. Zudem fehlt nun definitiv auch die Corona-positive Lisa Kolb. Aber auch wenn Coach Irene Fuhrmann mit Virginia Kirchberger und Annabel Schasching bereits für adäquaten Ersatz gesorgt hat, so ist der Verlust doch ein Schlag. Vor allem, wenn man die Konkurrenz besieht, mit der es die Damen im Falle eines Aufstiegs zu tun bekommen könnten. Hier die EM-Stars im Überblick:

Alexia Putellas (Sp): Die Stürmerin des FC Barcelona war die herausragende Spielerin der Saison 2020/21. Putellas gewann mit den Katalanen die Champions League, wurde zur Weltfußballerin und zu Europas Fußballerin des Jahres gewählt und erhielt den Ballon d’Or von France Football. In der abgelaufenen Saison hatte sie als Torschützenkönigin der Champions League (11 Tore in 10 Spielen) maßgeblichen Anteil am neuerlichen Finaleinzug von Barca. Die laufstarke Putellas ist die Schlüsselspielerin der Spanierinnen, die auf ihre erste Medaille bei einem Großereignis hoffen.

Wendie Renard (Fra): Die aus Martinique stammende Innenverteidigerin ist aufgrund ihrer Körpergröße (1,87 Meter) in beiden Strafräumen eine dominante Erscheinung. Renard ist Kapitänin von Olympique Lyon und des Nationalteams. Für die Equipe Tricolore hat sie in 131 Länderspielen 33 Tore erzielt, war bei allen 15 Meistertiteln (seit 2007) und allen acht Champions-League-Triumphen von Lyon dabei und ist hier mit 102 Matches Rekordspielerin. Renard wurde 2015 in die erste Weltauswahl berufen. Nun soll sie Frankreich zum ersten Titel bei einem Großturnier führen.

Pernille Harder (Dän): Seit ihrem Nationalteam-Debüt, das sie mit 16 Jahren und einem Hattrick feierte, gilt die Dänin als eine der besten Offensivspielerinnen. Sie hat als einzige die Auszeichnung zu Europas Fußballerin des Jahres zweimal (2018 und 2020) gewonnen und hält nach 134 Länderspielen bei 68 Treffern und dem Vize-Europameistertitel 2017. Harder ist siebenfache Serien-Meisterin und war 2018/19 Champion-League-Torschützenkönigin.

Ada Hegerberg (Nor): Hegerberg gewann bereits im Alter von nur 20 Jahren in der Saison 2015/16 mit Olympique Lyon die Meisterschaft, den Cup und die Champions League. Sie wurde Torschützenkönigin in Frankreich und anschließend zu Europas Fußballerin des Jahres und sowie als zweite Frau zu Norwegens Fußballer des Jahres gewählt. Außerdem gewann sie 2018 den Ballon d’Or. Hegerberg ist mit 59 Toren in 60 Spielen Rekordtorschützin in der Champions League. Im Sommer 2017 beendete Hegerberg nach heftigen Differenzen mit dem norwegischen Verband wegen ungleicher Behandlung und Bezahlung zwischen Männern und Frauen ihre Teamkarriere, gab aber im vergangenen März mit drei Toren gegen Kosovo ihr Comeback.

Vivianne Miedema (Nl): Erst 25, aber schon 94 Länderspieltore - Miedema ist Europas beste Torjägerin der Gegenwart und bereits Europameisterin (2017) und Vize-Weltmeisterin (2019). Die Mittelstürmerin war bei der Heim-EM 2017 eine der niederländischen Heldinnen, als die 22-jährige Regentschaft von Deutschland beendet wurde. Sie traf in jedem K.o.-Spiel und beim 4:2 im Finale gegen Dänemark doppelt. Bei den Olympischen Spielen 2021 stellte sie mit zehn Toren einen Rekord auf. Miedema kickt seit 2017 bei Arsenal und ist Teamkollegin der Österreicherinnen Manuela Zinsberger und Laura Wienroither.

Lucy Bronze (Eng): Die Verteidigerin wechselte 2017 als dreifache englische Meisterin mit Liverpool (2x) und Manchester City zu Olympique Lyon, wo sie ihre größten Erfolge feierte. Neben drei Champions-League-Siegen erhielt sie einige Auszeichnungen: Sie wurde zu Europas Fußballerin des Jahres 2019, zur zweitbesten Spielerin der WM 2019 und als Höhepunkt zur Weltfußballerin 2020 gewählt. 2020 kehrte sie auf die Insel zu Manchester City zurück.

Carolina Seger (Sd): Die 37-Jährige hat Schweden 2016 und 2021 als Kapitänin zu Olympia-Silber geführt und auch zwei WM-Bronzemedaillen gewonnen. England wird ihre fünfte EM-Teilnahme, viermal spielte sie bei Olympia, viermal bei WM-Endrunden. Seger ist Europas Rekordspielerin und hat mit 230 mehr Ländermatches bestritten als das ÖFB-Frauenteam in seiner Geschichte.

Amandine Henry (Fra): Als defensive Mittelfeldspielerin ist Henry Dreh- und Angelpunkt im Spiel von Olympique Lyon und im französischen Team. Balleroberungen und rasches Umschaltspiel brachten ihr eine Einberufung in die Weltauswahl 2015, die Wahl zur zweitbesten Spielerin bei der WM 2015, zweimal MVP-Ehren im Champions-League-Finale (2018 und 2022) und vier Stockerl-Plätze (2015, 2016, 2018, 2019) bei den Wahlen zu Europas Fußballerin des Jahres ein. Henry war bei sieben der acht Triumphen von Lyon in der Champions League und 13 von 15 Meistertiteln dabei und sammelte auch Erfahrung im US-amerikanischen Frauenfußball in Portland.