Das Interesse an den Spielen bei der Frauen-Fußball-EM in England ist so groß wie nie zuvor. Schon fünf Tage vor dem Eröffnungsspiel zwischen den Gastgeberinnen und Österreich am heutigen Mittwoch (21 Uhr/ORF 1) im ausverkauften Old Trafford Stadium wurde die 500.000-Ticket-Marke geknackt, Dienstagmittag waren rund 517.000 Karten weg. Zum Vergleich: 2017 kamen zu allen Partien in den Niederlanden 274.041 Fans. Das war bis dato Rekord.

Diesmal haben sich Interessierte aus 99 Ländern Karten gesichert. "Der Frauenfußball ist mittlerweile in einer anderen Sphäre. 517.000 Tickets, wer hätte das gedacht, das ist ganz einfach fantastisch", sagte Nadine Kessler, Abteilungsleiterin für Frauenfußball bei der Europa-Konföderation Uefa. Und Chris Bryant, Chef für Turnierentwicklung beim englischen Verband, sah das ähnlich: "Mehr als eine halbe Million verkaufte Tickets ist eine unglaubliche Leistung."

Die Uefa-Verantwortliche Nadine Kessler findet die Zahlen aus dem Vorverkauf "fantastisch". - © apa / Georg Hochmuth
Die Uefa-Verantwortliche Nadine Kessler findet die Zahlen aus dem Vorverkauf "fantastisch". - © apa / Georg Hochmuth

80 Prozent der Tickets für die 16 Teams umfassende Endrunde wurden in England verkauft, dahinter folgen die Niederlande, Deutschland, Schweden und Frankreich. Das Interesse aus Österreich hielt sich indessen in Grenzen. Laut ÖFB-Angaben werden rund 1.500 Fans des ÖFB-Teams in der Heimstätte des Männerteams von Manchester United erwartet. Darunter zahlreiche Familienmitglieder und Freunde des ÖFB-Trosses sowie neben einer mehrköpfigen ÖFB-Delegation mit Vizekanzler Werner Kogler und Frauenministerin Susanne Raab auch zwei hochrangige heimische Politiker.

Das ÖFB-Kontingent von 4.000, das es im exklusiven Vorverkauf gegeben hatte, wurde deutlich nicht ausgeschöpft. Last-Minute-Interessierte hatten keine Chance mehr, die Partie zu verfolgen, war das mit Spannung erwartete Auftaktspiel doch schon längere Zeit ausverkauft. Die Preise dafür lagen im Bereich von 15 und 40 Pfund (17,45 Euro und 46,53 Euro). Für die weiteren ÖFB-Auftritte gegen Nordirland in Southampton (11. Juli/18 Uhr) und Norwegen in Brighton (15. Juli/21 Uhr/ORF 1) lag das ÖFB-Vorverkaufs-Kontingent bei 2.000 Karten. 760 beziehungsweise zum Abschluss 770 Anhänger von Kapitänin Viktoria Schnaderbeck und Co. werden in den Stadien erwartet. Für diese Duelle gibt es noch Tickets, Kurzentschlossene haben also die Möglichkeit, vor Ort mitzufiebern. Die Preise dafür liegen zwischen 10 und 20 Pfund.

Überraschend wenig präsent

Im Viertelfinale kosten die Tickets zwischen 10 und 30 Pfund, im Semifinale zwischen 15 und 40 Pfund und im Finale am 31. Juli im Londoner Wembley Stadium zwischen 15 und 50 Pfund. Karten können über die Ticket-Plattform der Uefa erworben werden.

Insgesamt 700.000 Karten sind für die 31 Partien aufgelegt worden. 43 Prozent der Ticketkäufe wurden bisher von Frauen getätigt, 21 Prozent der Karten gingen an Kinder unter 16 Jahren. Nichts bezahlen muss man hingegen, wenn man das Turnier bei einem der Fanfeste in den neun Gastgeberstädten verfolgt. Dabei werden die Partien auf einer Leinwand live übertragen, dazu gibt es zahlreiche kulinarische Angebote sowie Unterhaltung.

Bis zuletzt wurde beim Aufbau Hand angelegt. - © apa / Georg Hochmuth
Bis zuletzt wurde beim Aufbau Hand angelegt. - © apa / Georg Hochmuth

In Manchester wurde dafür im Piccadilly Gardens noch eifrig gearbeitet, einen Tag vor Anpfiff wurde erst damit begonnen, alte Container zu verzieren beziehungsweise die Werbetafeln für die Frauen-EM zu montieren. Auch sonst ist das Turnier in der Innenstadt nur wenig präsent. Nicht allzu große fahnenähnliche Banner sind in der ein oder anderen Straße montiert, auf so manchem Screen wird als Werbeeinschaltung für gewisse Unternehmen auf das Turnier hingewiesen.

ÖFB-Star auf der Fassade

Ganz groß Werbung macht die BBC auf einer Hausfassade in der Nähe des Fanfestes, wo neben Englands Rekord-Torschützin Ellen White auch Österreichs Arsenal-Legionärin Laura Wienroither als eine von vier internationalen Akteurinnen im ÖFB-Dress groß abgebildet ist. Insgesamt wird das aber zu wenig sein, um neue Personengruppen auf den Frauenfußball aufmerksam zu machen. Der ist noch lange nicht so ein Zugpferd wie das männliche Pendant. Am Tag vor dem Auftaktspiel bei einer Männer-EM sind die Städte oft von diversen Fangruppen belagert. In Manchester suchte man am Dienstag Anhänger in Teammontur vergeblich. Kurz vor Turnierbeginn war davon also noch wenig zu spüren. Aber das kann sich ja noch ändern.(apa)