Vor einer EM-Rekordkulisse mutig aufgetreten, beherzt gekämpft, schließlich aber verdient verloren: Das österreichische Frauenfußball-Nationalteam steht nach der Eröffnungspartie der Endrunde in England nach einem knappen 0:1 gegen die Gastgeberinnen wie befürchtet ohne Punkt da. Für den weiteren Turnierverlauf ist das aber kein Beinbruch, zumal Zählbares im Old Trafford Stadium von Manchester ohnehin nicht wirklich eingeplant war. Eine Situation, die am Montag gegen Nordirland ganz anders sein wird, ja sein muss.

So sehen das auch die ÖFB-Damen. "Es ist ärgerlich, weil man nicht Fußball spielt, um zu verlieren. Wir haben von der ersten Minute an unser Herz auf dem Platz gelassen und den Titelfavoriten echt gefordert. Wir können insgesamt positiv auf das Spiel blicken", resümierte etwa Mittelfeldspielerin Sarah Zadrazil. Das sah auch Torfrau Manuela Zinsberger, die ausgerechnet von ihrer Arsenal-Kollegin Beth Mead in der 16. Minute per "Wembley-Tor", das allerdings vom Video-Referee korrekt gegeben wurde, bezwungen wurde, so: "Ich bin enttäuscht über das Ergebnis, weil ich jedes Match gewinnen möchte. Auf der anderen Seite bin ich stolz auf das Team und darauf, wie wir unser Land repräsentiert haben."

Allein die ÖFB-Truppe ließ sich vom frühen Gegentor nicht aus dem Konzept bringen, hatte aber auch Glück, dass es zur Pause nur 0:1 stand. Danach waren die Engländerinnen nicht mehr so gefährlich, auf ÖFB-Seite kam allerdings auch nur Barbara Dunst mit einem schönen Schuss (78.) in die Nähe des Ausgleichs. "Wir haben in der zweiten Hälfte gute Reaktion gezeigt, offensiv mehr Mut bewiesen, insgesamt hat aber England das Spiel doch verdient gewonnen", meinte Teamchefin Irene Fuhrmann.

Sie hatte zum Auftakt der zweiten ÖFB-EM-Teilnahme auf Routine gesetzt, mit den zuletzt angeschlagen gewesenen Laura Feiersinger, Carina Wenninger und Kapitänin Viktoria Schnaderbeck in der Startelf. Mit Laura Wienroither war nur eine Akteurin dabei, die bei der EM 2017 noch nicht im Kader stand. "Wir haben gesehen, dass Souveränität und Reife Bonuspunkte unserer langjährigen Teamspielerinnen sind, sie sich auf diesem Niveau weiterentwickelt haben", ergänzte Fuhrmann.

Lob für die Österreicherinnen gab es auch von englischer Seite. "Österreich war super, hat uns überall herausgefordert, es waren Momente dabei, wo wir hart arbeiten mussten", resümierte Stürmerin Georgia Stanway. Und auch Lionesses-Coach Wiegman fand anerkennende Worte: "Österreich hat körperlich gespielt, war sehr kompakt und gut organisiert und hatte in der zweiten Hälfte, in einer Phase, in der wir zu schlampig waren, auch Chancen."

638.000 via ORF live dabei

Die Rekordkulisse von 68.871 Zuschauern im "Theatre of Dreams" wird den Damen in jedem Fall positiv in Erinnerung bleiben. Die Welle ging mehrmals durchs Stadion, auch sonst war der Lärmpegel oftmals sehr hoch. "Die Atmosphäre war fantastisch, wir haben uns davon aber nicht beeindrucken lassen", meinte Fuhrmann. "Es war einfach ein unglaubliches Erlebnis", fügte Zadrazil hinzu. In Österreich waren 638.000 Zuseher via ORF-Übertragung live dabei. Das entspricht einem Marktanteil von 30 Prozent.(apa/rel)