Wer am Montagabend die norwegische Frauenfußball-Nationalmannschaft gegen eine überlegende englische Auswahl untergehen sah, dem kamen wohl innerlich düstere Erinnerungen hoch. An das desaströse 1:7 von Gastgeber Brasilien gegen Deutschland bei der WM 2014 etwa, oder das unrühmliche 0:9 des ÖFB-Herrenteams in der EM-Qualifikation 1999 gegen Spanien. In solchen Situationen bleibt einem dann oft nur Galgenhumor, so wie ihn damals Nationalspieler Anton Pfeffer zum Ausdruck brachte, als er nach einem 0:5-Pausenstand in die ORF-Kamera sagte: "Hoch wer ma’s nimma gwinnen."

Ganz ähnlich dürfte wohl auch den Norwegerinnen bei der EM nach 45 Minuten, als es bereits 6:0 für England stand, zumute gewesen sein. Nicht nur wird das 0:8 von Brighton als höchste Niederlage des Damen-Nationalteams in die norwegische Sportgeschichte eingehen, auch wurde damit die Chance vertan, sich eine bessere Ausgangssituation für das "Endspiel" um den Viertelfinalaufstieg am Freitag gegen Österreich zu schaffen. Nun müssen die Norwegerinnen unbedingt gewinnen, während dem ÖFB-Team bereits ein Remis genügt. Leicht wird das für die Skandinavierinnen nicht, vor allem nicht mental. Ein Rückstand könnte Ada Hegerberg und Co. erneut aus dem Konzept bringen. Solche Defizite legt man nicht über Nacht ab.

Für die Österreicherinnen wiederum könnte die Ausgangssituation nicht besser sein. Dass man gegen England zum Auftakt "nur" 0:1 verloren hat, fühlt sich angesichts der Vernichtung des norwegischen Teams rückblickend fast wie ein Erfolg an. Noch wichtiger war aber der 2:0-Sieg über Nordirland. Dieser Pflichtsieg wurde am Montag unter starkem Druck eingefahren, auch weil bekannt war, dass die Nordirinnen im Gegensatz zu ihren norwegischen Kolleginnen zu verteidigen wissen. Für die Amateure von der Insel ist die EM damit gelaufen, allerdings ist davon auszugehen, dass sie sich auch gegen ihre britischen Landsleute teuer verkaufen werden.

Tatsächlich haben die Nordirinnen nicht nur gut gespielt, sie erwiesen sich zudem auch als faire Verliererinnen. "Man muss sehen, wo wir stehen und wo Österreich, welches Niveau sie im Frauenfußball erreicht haben", meinte etwa Teamchef Kenny Shiels. "Sie waren Halbfinalist bei der EM 2017, die meisten Spielerinnen spielen wichtige Rollen in der deutschen Bundesliga oder wie Torfrau Manuela Zinsberger bei Arsenal." Lobend äußerte sich auch Abwehrspielerin Sarah McFadden: "Österreich hat zwei oder drei Superstars, die in europäischen Top-Ligen spielen. Wenn es schwieriger wird, können sie an den Schrauben drehen."

Matchwinnerin Schiechtl

Teamchefin Irene Fuhrmann hört solche Komplimente freilich gern. Dennoch gilt es, das Lob vor dem schwierigen Duell mit den punktegleichen Norwegerinnen auszublenden. "Es war kein Feuerwerk, aber drei Punkte, die uns ins Endspiel bringen, das wir uns erhofft haben", sagte Fuhrmann mit kritischem Blick auf das Nordirlandspiel. Das unterstrich auch Mittelfelderin Sarah Zadrazil: "Ich bin froh, dass wir den Sieg haben, wie ist im Prinzip egal." Dass die Österreicherinnen aus eigener Kraft den Viertelfinalaufstieg schaffen können, liegt vor allem an einer Spielerin: Katharina Schiechtl, die anstelle der Corona-bedingt fehlenden Laura Wienroither einsprang und zur Matchwinnerin avancierte. Ihr früher Treffer zum 1:0 gegen Nordirland legte den Grundstein für den Sieg. "Wir haben unser großes Ziel geschafft. Das ist mega, jeder hat ein Strahlen im Gesicht. Das gibt viel Energie für Freitag", verlautete die Rechtsverteidigerin.(rel/apa)