Wenige Tage vor seinem Trainerdebüt im Profifußball schiebt Miroslav Klose besonders lange Extraschichten. "In den Zeiten, in denen ich von zuhause weggehe und wieder zurückkomme, sehe ich keinen Menschen auf der Straße", sagt der neue Coach des Bundesligisten SCR Altach über die ersten drei Wochen in seiner neuen Heimat Vorarlberg. Zu wichtig ist dem Weltmeister 2014 und WM-Rekordtorschützen aus Deutschland ein guter Start in seine zweite Karriere.

Vor genau acht Jahren feierte Klose im Maracanã in Rio de Janeiro mit dem WM-Titel den größten Erfolg als Fußballer, am Samstag (18 Uhr) startet der 44-Jährige auf dem Rax-Platz im zehnten Wiener Gemeindebezirk in seine Laufbahn als Trainer. Dort wartet der Regionalligist TWL Elektra in der ersten Runde des ÖFB-Cups. "Ich bin sehr gut aufgenommen worden und bin rundum zufrieden", sagt Klose vor seinem ersten Pflichtspiel an der Seitenlinie. Dem Hype um seine Person geht er mit langen Arbeitstagen am Fußballplatz aus dem Weg, auch die Medien lässt der deutsche Rekordtorjäger nur spärlich an sich heran. In den ersten beiden Wochen seit seiner Vorstellung in Altach seien täglich 20 Anfragen gekommen, die meisten aus Deutschland, sagt Altachs Pressesprecher Manuel Willam. Auf Kloses Wunsch habe er alle Anfragen blockiert. Bei der Saisonauftakt-Pressekonferenz in Wien brach Klose aber sein Schweigen. Für welche Spielphilosophie der frühere Profi von Bayern München, Werder Bremen, Kaiserslautern oder Lazio Rom steht? "Ballbesitzfußball", kündigte Klose an. "Ich möchte lange und viel den Ball haben, das Spiel bestimmen." Er sei ja selbst Stürmer gewesen, "also möchte ich offensiv spielen, sehr dominant, das ist meine Idee von Fußball".

"Bodenständigkeit ist meins"

In der abgelaufenen Saison waren die Altacher dem Abstieg mit einem Sieg am letzten Spieltag entflohen, in den ersten drei Wochen habe Klose "schon an einigen Sachen" gearbeitet. "Die Mannschaft ist echt gut", betonte er. Auch die kleinen sprachlichen Barrieren in Vorarlberg hat der Deutsche nahezu überwunden. "Ich verstehe sie fast zu 72 Prozent", scherzte Klose, der mittlerweile in Dornbirn wohnt. Klose gilt als akribischer Arbeiter, der jeden seiner Schritte wohl bedacht tätigt und seine Worte sorgfältig wählt. In Altach will er ein Fundament für eine lange Trainerkarriere bauen. "Die Werte, für die der Verein steht, diese Bodenständigkeit und dieses gemeinschaftlich Sachen umsetzen, das ist genau meins. Deswegen freue ich mich so auf die Aufgabe."

Als Fußballer habe er sich "sehr viele Sachen erarbeitet, um erfolgreich zu sein", wie er sagt, "das ist auch mein Ziel als Trainer". Dementsprechend müsse auch "das Fundament groß sein". Irgendwann soll es dann auch wieder zurück auf die ganz große Bühne gehen, aber "alles step by step", wie Klose erklärt: "Natürlich ist mein Ziel, irgendwann einmal in der Bundesliga zu trainieren. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich das total langsam und in Ruhe angehen werde. Jeder Schritt muss erarbeitet werden, mal schauen, wo mich die nächsten Jahre hinbringen."

Vor sechs Jahren hatte Klose, der insgesamt 71 Tore in 137 Länderspielen erzielte, seine aktive Karriere beendet. Danach sammelte er als Assistenztrainer der DFB-Elf erste Erfahrungen, ehe er im Anschluss zwei Saisonen lang die U17 des FC Bayern betreute. "Ich wollte die Jugendspieler kennenlernen, wie sie über Fußball denken. Das ist eine ganz andere Generation", sagt er. In der Saison 2020/21 arbeitete Klose als Stürmertrainer bei den Münchnern mit Spielern wie Robert Lewandowski zusammen und lernte als Assistent vom jetzigen deutschen Bundestrainer Hansi Flick. "Man lernt jeden Tag, wie er mit Spielern umgeht. Für mich hat der mit das größte Paket, was man als Trainer haben kann", schwärmt Klose. Diese Erfahrungen sollen ihm nun in Altach helfen. Öffentliche Ziele für die kommende Saison will er sich jedenfalls keine stecken. "Man muss sich täglich alles erarbeiten, und da sind wir dabei. Dann schauen wir mal, wie weit wir kommen", sagt er. Das Niveau der Liga befindet er für gut. "Wir können uns hier in Österreich nicht beschweren, es wird da schon ein ordentlicher Ball gespielt." Und an Österreich hat Klose sowieso gute Erinnerungen. Mit der deutschen Nationalmannschaft spielte er sechs Mal gegen die ÖFB-Elf und erzielte sechs Tore. "Ab und zu bin ich da auch angeschossen worden gegen Österreich."(apa)