Bei der Frauenfußball-EM in England ist schon vor den letzten Gruppenspielen ein Zuschauerrekord aufgestellt worden. Die bisherige Bestmarke von 240.055 Fans bei der EM 2017 in den Niederlanden wurde übertroffen, teilte die Uefa nach den Begegnungen am Donnerstagabend mit. Dabei stehen noch 13 Partien - das "Finale" der ÖFB-Elf gegen Norwegen in Gruppe A war zu Redaktionsschluss noch nicht beendet - an, weswegen auch die Uefa mit deutlich mehr als einer halben Million Besuchern bei dieser EM rechnet. Die Zuschauerkapazität liegt bei 725.000, allein das Eröffnungsspiel zwischen England und der ÖFB-Auswahl am 6. Juli in Old Trafford in Manchester sahen 68.671 Personen live. So viele Fans waren zuvor noch nie zu einem EM-Spiel gekommen. Das Endspiel am 31. Juli im Wembley-Stadion von London ist mit rund 90.000 Zuschauern ausverkauft.

"Das Turnier ist noch einmal um einiges größer als 2017 in den Niederlanden. Es ist eine ganz andere Kulisse, als Sportlerin ist es schön zu sehen, dass sich so viel tut, Anerkennung und Wertschätzung da ist. Wir genießen es", erklärte ÖFB-Teamspielerin Virginia Kirchberger, die nach einer längeren Verletzungspause doch noch den Sprung ins EM-Aufgebot geschafft hatte. Von mancher Seite kam die Kritik, dass manche Partien in kleinen Arenen ausgetragen werden. Dazu zählt das Manchester City Academy Stadium mit gerade einmal 4.400 Plätzen. Zudem sind wie in den vergangenen Jahren auch bei großen Männer-Turnieren bei ausverkauften Spielen leere Plätze in den Stadien zu sehen, weil die erworbenen Tickets nicht genutzt werden.

Frauenpower in Bundesliga

Die Erfolge des ÖFB-Frauenteams und die steigenden Zuschauerzahlen führen immerhin dazu, dass der Frauenfußball auch in Österreich zunehmend an Interesse gewinnt. So sind etwa mit Vizemeister Sturm Graz, der Wiener Austria und dem SCR Altach, der in einer Spielgemeinschaft mit dem FFC Vorderland tätig ist, bereits drei Männer-Bundesliga-Vereine auch im Frauenbereich im Oberhaus vertreten. In Zukunft soll die Zahl steigen, die Liga dadurch weiter aufgewertet werden. Viel erhofft man sich von Großklubs wie Rapid. Die Hütteldorfer wollen "spätestens im Sommer 2024" im Frauenfußball um Punkte spielen. Noch nichts Konkretes gibt es bei Salzburg.

Schon vor Jahren war davon die Rede gewesen, dass der Einstieg von Männer-Topklubs wie Serienmeister Red Bull Salzburg oder Rapid große Strahlkraft hätten. Am Rande der Frauen-EM in England war Ähnliches wieder zu vernehmen. Nun kommt zumindest bei den Hütteldorfern Bewegung in die Sache. "Wir werden uns sowohl mit einer möglichen Kooperation mit einem bereits im Frauenfußball engagierten Verein als auch mit einer klubinternen Lösung beschäftigen", sagte Rapid-Präsident Martin Bruckner.

Bis zur ordentlichen Hauptversammlung Ende November soll eine Entscheidung fallen. "Spätestens im Sommer 2024 sollen dann erstmals Mädchen und Frauen im Rapid-Dress um Punkte spielen", betonte der 57-Jährige. Wann man "Frauen-Bullen" im Trikot sehen wird, ist noch nicht abzusehen. "Wir beschäftigen uns schon längere Zeit intensiv mit dieser Thematik und evaluieren noch, wie wir uns diesem Bereich sinnvoll aufstellen beziehungsweise einbringen können", verlauteten die Salzburger auf APA-Anfrage.

Auch der WAC, WSG Tirol, Ried und Klagenfurt stehen noch ohne Frauenmannschaft da. Druck von der Bundesliga spüren die Vereine nicht. Auf die Frage, warum eine Frauensektion nicht als Kriterium in die Lizenzvergabe aufgenommen werde, antwortete Liga-Vorstand Christian Ebenbauer bis dato ablehnend. "Ich halte diesen Weg nicht für sinnvoll. Wir wollen es über Förderung und nicht Forderung schaffen, dass die Vereine dazukommen." Gegenüber 2017 sei man aber mit einer "Verdreifachung" ganz gut unterwegs, sagte Ebendorfer. Fehlen dann nur noch die Fans. Aber das ist wohl nur eine Frage der Zeit.