Als die Frauenfußball-Nationalteams in den USA und in Spanien zuletzt die Entscheidung erstritten, künftig die gleichen Gehalts- und Bonuszahlungen wie ihre männlichen Kollegen zu erhalten, wurde dies als historisches Ereignis gefeiert. Die Damen würden, meldeten Verbände und Gewerkschaften, nicht nur in gleicher Höhe bezahlt, sondern auch mit Blick auf die Bonuszahlungen, TV-Prämien oder Arbeitsbedingungen - einschließlich der üblichen Regelungen für Reisen, Verpflegung und Unterkunft - die gleichen Rechte genießen.

So weit so gut. Aber so groß die Freude bei den Kickerinnen auch ist, so darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass dies (noch) die Ausnahme ist und es im strukturellen Bereich noch viel Luft nach oben gibt. Man nehme die jüngste EM als Beispiel. 331 Millionen Euro verteilte die Uefa allein anlässlich der Fußball-EM der Männer im vergangenen Jahr. Für das Turnier der Frauen in England wurden nur 16 Millionen Euro an Prämien ausgelobt. Das ist immerhin das Doppelte dessen, was die Kickerinnen 2019 erhielten, aber im Vergleich immer noch wenig.

Im Sponsoring-Bereich verhält es sich nicht viel anders, wie eine Studie kürzlich nachgewiesen hat. Demnach geben Unternehmen im Durchschnitt jährlich rund 30,9 Milliarden Dollar für Sportsponsoring aus, überwiegend an Ligen und Teams aus dem Männersport. Nur sieben Prozent der Gelder gehen in den Frauensport. Im Hinblick auf die Gleichberechtigung von Männern und Frauen ein niederschmetterndes Ergebnis. Auch zwischen den Sportarten gibt es ein massives Ungleichgewicht.

Das liegt unter anderem daran, dass nationale und internationale Wettbewerbe von Männern dominiert werden, was ihre Teams wiederum attraktiver und vorteilhafter für Sponsoren macht. Das gilt auch für die Athleten, wobei hier laut "FAZ" zu den Hauptabkassierern Roger Federer (86 Millionen Dollar), Lionel Messi (55), LeBron James (53) und Cristiano Ronaldo (44) zählen. Als einzige Frau unter die Top-15 geschafft hat es nur Tennis-Star Serena Williams (mit 25 Millionen Dollar Sponsorgage). Das monatliche Gehalt, das bei Lionel Messi etwa bei 57 Millionen Dollar im Jahr liegt, ist bei diesen Zahlen freilich noch nicht einberechnet. Vor diesem Hintergrund wirken die Gagen der bestbezahlten Fußballerinnen wie Peanuts. Samatha Kerr vom FC Chelsea etwa kassiert britischen Zeitungen zufolge als Spitzenverdienerin lediglich 480.000 Euro pro Jahr. Bei ÖFB-Torfrau Manuela Zinsberger, die bei Arsenal kickt, dürften es maximal 50.000 Euro sein.

Frauensport im "Teufelskreis"

Um die Situation für die Kickerinnen zu verbessern, nutzt es nicht, nur die Gehälter anzuheben, auch bedarf es - und darauf wurde von den Spielerinnen bereits oft hingewiesen - flächendeckend guter Strukturen sowie Trainingsbedingungen, um generell eine höhere Leistungsdichte zu erreichen. Bessere Vermarktung und eine höhere mediale Präsenz gehören ebenfalls dazu. Letztlich lebt und stirbt der Frauenfußball (wie der Frauensport allgemein) von medialer Aufmerksamkeit, allerdings befindet sich dieser nach Meinung der Forscher in einem "Teufelskreis".

Da das Interesse von Fans und Medien am Männersport um ein Vielfaches größer ist, ist entsprechend mehr Geld im Umlauf. Es handelt sich schlichtweg um wirtschaftlich ganz andere Dimensionen. Die Corona-Pandemie hat die Situation zusätzlich verstärkt, sie ist aber gewiss nicht die Wurzel des Übels, wie etwa die deutsche Abwehrspielerin Alexandra Popp kürzlich meinte. Um den Frauenfußball voranzubringen, brauche es eine gute Vermarktung. "Macht genauso viel Werbung für Frauenspiele wie für Männer. In England gibt es schon wieder einen neuen TV-Vertrag. Dort zeigt ein großer Partner wie Sky sämtliche Spiele. Das sollte auch uns Vorbild sein", erklärte sie.

Dass der ORF die meisten Spiele der Frauen-EM im Hauptabendprogramm zeigt (und zuletzt Marktanteile von bis zu 41 Prozent generierte), wird allseits gelobt, ist aber für viele nur ein erster Schritt. Gefordert sind auch die Bundesliga-Klubs, die angekündigten Frauen-Sektionen zu verwirklichen. Rapid etwa will ein entsprechendes Projekt spät, aber doch bei seiner Hauptversammlung im November auf den Weg bringen. "Spätestens im Sommer 2024 sollen dann Mädchen und Frauen im Rapid-Dress um Punkte spielen", sagte Rapid-Präsident Martin Bruckner in der Vorwoche. Von gleicher Bezahlung ist keine Rede. Bei Bundesliga-Serienmeister St. Pölten verdienen Kickerinnen pro Jahr zwischen 14.000 und 20.000 Euro. Die Herren erhalten ein Vielfaches.