Den Flow, den gibt es nicht nur bei Österreichs Ski-Team, sondern auch bei der Frauen-Nationalelf. Und wenn man ihn erst einmal hat, dann gilt es ihn mitzunehmen, auszukosten, auf ihn zu setzen - wie auch immer. "Wir sind durch die zwei Siege ein bisschen in einen Flow gekommen. Die Art und Weise der Siege spricht für uns", sprach etwa Sarah Zadrazil vor dem ultimativen Spiel des Jahres für Fußball-Österreich. Möglicherweise sogar auch für den Herren-Bereich. Denn den Rekord-Europameister, zweifachen Weltmeister und Lieblingsnachbarn Deutschland in einem EM-Viertelfinale zu fordern - das kommt nicht einmal alle heiligen Zeiten vor. Am Donnerstag (21 Uhr/ORF 1) ist es in Brentford so weit.

Auch wenn die Papierform klar gegen die ÖFB-Frauen spricht - der größte Trumpf, um über die deutschen Fußball-Tugenden zu triumphieren, ist eben besagter Flow. Der sich in der Vorrunde nicht nur auf dem, sondern nach den beiden Siegen über Nordirland und Norwegen auch abseits des Platzes mit ausgelassenem Jubel, ungespielter Herzlichkeit und ausgiebiger Fröhlichkeit bemerkbar machte. Ob der rot-weiß-rote Schmäh dann auch am Platz in den nötigen Spielwitz umgesetzt werden und damit wie 2017 das EM-Halbfinale erreicht werden kann, wird sich aber erst weisen.

Der Weg zum Sieg führt freilich auch über ein starkes Kollektiv, insbesondere im Defensivbereich. Hält der Abwehrriegel auch gegen die Deutschen, die mit drei Siegen und neun erzielten Toren durch die Vorrunde spaziert sind, ist alles möglich. "England und Deutschland sind die beiden Teams, die ein absolutes Ausrufezeichen gesetzt haben. Dass da eine Mammutaufgabe auf uns wartet, ist klar. Sie sind klarer Favorit", sagte ÖFB-Teamchefin Irene Fuhrmann. Der achtmalige Kontinentalchampion - der bisher letzte Titel ist allerdings neun Jahre her - verfüge über "richtig viel Qualität, einen unheimlich tollen Mix an Spielerinnen und sehr viel Wucht im Zweikampf". Wie gegen Norwegen setzt Fuhrmann - der Hitze auf der Insel zum Trotz -auuf starkes Pressing und Aggressivität, was auch international Beachtung fand. Die spanische "AS" bezeichnete die ÖFB-Truppe als die "Entdeckung des Turniers". Gegen Spanien hatte Österreich 2017 in einem Elfmeterkrimi den Aufstieg unter die besten Vier fixiert. Fünf Jahre später spielen Kapitänin Viktoria Schnaderbeck und Co. einen viel mutigeren und ansehnlicheren Fußball. Mit 344 Kilometern sind die Österreicherinnen zudem jenes Team, das bei der EM am meisten gelaufen ist. "Deshalb ist es auch so wichtig, dass wir physisch und geistig fit sind, um möglichst viel kontrollieren zu können", sagte Fuhrmann. Ex-Bayern-Abwehrstütze Carina Wenninger rechnet jedenfalls mit einem K.o.-Fight: "Wir müssen laufen und kämpfen bis zum Umfallen", forderte der AS-Roma-Sommer-Zugang.

In die Karten spielt ihrem Team da der eine Tag mehr Pause im Vergleich zum Gegner. So besteht auch die kleine Chance, dass sich die mit Knieproblemen kämpfende Abwehrspielerin Schnaderbeck noch fit meldet. Auch die Ausgangslage gefällt allen im ÖFB-Lager. "Wir haben nichts zu verlieren. Es geht in einem K.o.-Spiel auch um die Nerven, da sind sie mehr gefordert, weil sie gewinnen müssen", betonte Fuhrmann. Darauf setzt auch Zadrazil - Stichwort Flow: "Wir können befreit aufspielen, alles was kommt, ist ein Bonus."

Erstes Pflichtspiel-Duell

Bei den Frauen ist das Duell Deutschland gegen Österreich übrigens das erste seiner Art auf Pflichtspielebene. In aller Freundschaft gab es bisher zwei klare Niederlagen für Rot-Weiß-Rot. Einer wird übrigens gebannt von Jesolo aus zusehen - Hans Krankl. "Ich bin zuversichtlich, dass Brentford unser zweites Córdoba wird. Ich glaube an unsere Damen."(may)