Es bräuchte gar nicht die Uhr auf der Vereinshomepage, die die verbleibenden Stunden und Minuten herunterzählt. Viele der knapp 24.000 Einwohner in der im westlichsten Eck Österreichs liegenden Stadt Lustenau fiebern der Rückkehr ihrer Mannschaft nach 20 Jahren in das Fußballoberhaus entgegen. Am Sonntag ist es für Austria Lustenau ab 17 Uhr im Heimspiel gegen WSG Tirol aus Wattens mit der Rückkehr in die österreichische Bundesliga so weit. Die Sitzplätze im Reichshofstadion direkt am Rheinufer, das heuer sein 70-Jahr-Jubiläum feiert, sind längst ausverkauft - auch, wenn nur maximal 4.600 Fans Platz finden.

Das kleine Vorarlberg hat mit der 1914 gegründeten Lustenauer Austria und dem nur wenige Kilometer entfernten Altach nunmehr gleich zwei Vereine in der obersten Liga. Genau so viele wie die Bundeshauptstadt, die in Nachkriegszeiten den Fußball dominiert hat. Die bekannten Grün-Weißen von Rapid aus Hütteldorf im Westen Wiens bekommen damit, zumindest was die Vereinsfarben betrifft, Konkurrenz aus dem Ländle. Was die Zuschauerkulisse betrifft, so freut sich so mancher Lustenauer Spieler hingegen auf das Auswärtsspiel gegen den Traditionsverein im Allianz-Stadion in Hütteldorf vor möglichst vielen Zuschauern.

In einem hat der Lokal-Konkurrent Altach aus Vorarlberg gegenüber dem Meister der 2. Liga aus der vergangenen Saison im Sommer trotz aller Euphorie um den Aufstieg klar die Nase vorn gehabt: Mit dem Trainer und ehemaligen deutschen WM-Rekordtorschützen Miroslav Klose hat Altach, das erst in der letzten Runde dem Abstieg entgangen ist, sogar international für ein Rauschen im Blätterwald und in den sozialen Medien gesorgt.

Der 54-jährige Markus Mader indes hat als Coach Lustenau gleich in seiner ersten Saison in die Bundesliga geführt - und wurde in der 2. Liga auch als Trainer der Saison ausgezeichnet. Ein Mann, der von unten kommt, als geerdet gilt, was ihm als ein großer Vorzug angerechnet wird, der aber eben nicht europaweit für Schlagzeilen wie der ehemalige deutsche Topteamstürmer sorgte.

Leicht wird es für den Aufsteiger nicht, das erklärte Saisonziel, den Klassenerhalt, zu schaffen und das bessere der beiden Vorarlberger Teams zu sein.

Torjäger noch gesucht

Drei Spielzeiten und 108 Matches hat es ab der Saison 1997 unter dem Lustenauer Trainer-Denkmal Edi Stöhr und mit Spielern wie dem flinken Sammy Koejoe vor fast einem Vierteljahrhundert für die Bundesliga gereicht. Zweifel gibt es jetzt auch deswegen, weil Austria Lustenau mit Haris Tabakovic den besten Torschützen der 2. Liga zur Wiener Austria ziehen lassen musste. Inzwischen wurden zwar als Ersatz Anthony Schmid vom Floridsdorfer AC und für die Offensive Stefano Surdanovic, der bei Bundesliga-Absteiger Admira Wacker und Zweitligist Blau-Weiß Linz einiges an Erfahrung sammeln konnte, verpflichtet. Wenig überraschend ist daher, dass zu den "punktuellen Verstärkungen", die während der Transferzeit noch geplant sind, auch noch ein Angreifer, der zur Mannschaft passt, zählt.

Für die meiste Furore hat Austria Lustenau in Österreich allerdings gesorgt, weil bereits zweimal als Zweiligist der Einzug in das ÖFB-Cupfinale gelungen ist. Das hat noch kein anderer Fußballverein aus dem Ländle geschafft. 2011 ist man im Endspiel an dem ebenfalls meist starken Cup-Fighter SV Ried gescheitert. Zuletzt musste sich Lustenau 2020 im Endspiel einem übermächtigen Gegner geschlagen geben - Red Bull Salzburg. Am vergangenen Wochenende hat Austria Lustenau zum Aufwärmen für die Bundesliga-Meisterschaft Marchfeld auswärts in Niederösterreich mit 3:2 in der ersten Runde des heurigen ÖFB-Cups ganz gemäß Papierform geschlagen.

Einig sind sich die Fußballexperten, dass sich Lustenau im ersten Jahr nach der Rückkehr gegen den Abstiegsstrudel wehren wird müssen. In der Mannschaft liebäugelt aber etwa Urgestein Pius Grabher ähnlich wie in Liga zwei sogar mit der einen oder anderen noch größeren Überraschung. Grün-Weiß werde auch in der ersten Liga eine "Wundertüte" sein, bei der man nicht genau weiß, was jeweils herauskommt. In dem Fall ist mit der grün-weißen Wundertüte jene im äußersten Westen Österreichs gemeint, nicht jene aus Wien-Hütteldorf, die sich am Donnerstagabend mit dem Heimspiel in der Qualifikation für die Conference League für den Meisterschaftsstart einschoss.

Startschuss mit Schlager

Den Liga-Auftakt darf allerdings bereits am Freitag standesgemäß der Meister bestreiten - und zwar gleich mit einem echten Schlagerspiel. Salzburg empfängt Freitagabend (20.30 Uhr/ORF, Sky) den Vorjahresdritten Austria Wien. Die Favoritner starten übrigens mit drei Minuspunkten in die neue Spielzeit, haben sich aber viel vorgenommen. "Wir erwarten ein richtig gutes Fußball-Spiel. Es sind zwei Mannschaften, die beide attraktiven und guten Fußball spielen wollen", meinte Salzburgs Sportchef Christoph Freund. Die Austria verlor zwar in der Vorsaison alle vier Spiele gegen Salzburg - drei davon aber nur mit einem Treffer Differenz, was Hoffnung gibt. "Zu zwei, drei Chancen werden wir kommen, die müssen wir nützen, sonst wird es nichts zu holen geben", wusste Austria-Coach Manfred Schmid.