Zwei Hürden muss das englische Frauen-Fußballteam noch nehmen, um die EM zum Sommermärchen werden zu lassen. Und so soll es mit einem Erfolg im Halbfinalspiel gegen Schweden am Dienstagabend (21 Uhr/ORF1) in Sheffield für die bisher beeindruckenden Lionesses bei ihrer Heim-Europameisterschaft ins Endspiel am Sonntag in Wembley gehen. Ziel ist der Titel. Nach den bisherigen Leistungen zu urteilen ist ihnen das auch zuzutrauen. In vier ausverkauften Spielen mit gesamt rund 157.500 Zuschauern überzeugten die Engländerinnen bisher mit 14:0-Toren in der Gruppenphase und einem 2:1 nach Verlängerung gegen Spanien im Viertelfinale. "Es ist eine Riesenchance", erklärte Verteidigerin Lucy Bronze.

Herausragend war bisher Beth Mead, die mit fünf Toren, darunter der Treffer beim 1:0 in der Eröffnungspartie gegen Österreich, die Torschützenliste anführt. Die 27-Jährige bleibt dennoch vorsichtig. "Schweden ist eine athletische Mannschaft mit vielen sehr guten Spielern. Sie waren vielleicht bisher noch nicht so in Hochform, aber jedes Mal, wenn wir gegen sie spielen, spielen sie gut", sagte sie. Das zeigt auch die Statistik: Schweden hat von sieben Duellen gegen England nur eines verloren - vor 38 Jahren. Zuletzt durften die Skandinavierinnen über Bronze bei der WM 2019 und Silber bei Olympia 2021 jubeln.

Mit entsprechender Zuversicht gehen daher auch die Schwedinnen ins Spiel. "Unsere Spielerinnen haben enorme Stärken", rief Nationalcoach Peter Gerhardsson in Erinnerung. "Es wird eine fantastische Erfahrung, in England im Halbfinale gegen England zu spielen. Wow", sagte er. Gerhardsson hat im Vorfeld aber Personalsorgen. Im Team gab es mehrere positive Corona-Tests, die Flankenspielerinnen Hannah Glas und Jonna Andersson verpassten deshalb das Viertelfinale gegen Belgien (1:0). Kosovare Asllani ließ das Training am Sonntag aus.

Schweden ist mit dem EM-Titel 1984, Olympia-Silber 2016 und 2021, WM-Silber 2003 und mehreren Bronzemedaillen eine der erfolgreichsten Frauen-Teams Europas. England hat lediglich zwei verlorene EM-Endspiele (1984 gegen Schweden im Elfmeterschießen und 2009 gegen Deutschland) vorzuweisen. Bei der WM war zuletzt zweimal (2015, 2019) im Halbfinale Endstation. Die niederländische Teamchefin Sarina Wiegman soll nun bewerkstelligen, was ihr vor fünf Jahren schon mit der niederländischen Nationalelf gelungen ist: den Sieg bei der Heim-EM.

Premiere für Frankreich

Bevor es aber so weit ist, müssen die Lionesses neben den Schwedinnen noch den Sieger des zweiten Halbfinales zwischen Österreich-Bezwinger Deutschland und Frankreich am Mittwoch (21 Uhr/ ORF1) in Milton Keynes bezwingen. Trotz der kürzeren Vorbereitungszeit gehen Frankreichs Fußballerinnen zuversichtlich in die Partie gegen Deutschland. "Wenn du gewinnst, erholst du dich immer schneller", sagte Coach Corinne Diacre nach dem 1:0-Viertefinal-Sieg ihres Teams nach Verlängerung gegen Titelverteidiger Niederlande am Samstagabend in Rotherham. "Wir werden wie gewohnt vorgehen. Wir werden uns anpassen." Das DFB-Team war bereits am Donnerstag mit dem 2:0 gegen Österreich ins Halbfinale eingezogen.

Bei den Französinnen war es Eve Perisset, die in der 102. Minute per Foulelfmeter gegen die Niederlande getroffen hatte. Frankreich steht damit zum ersten Mal in seiner EM-Historie unter den besten Vier. "Dieser Elfmeter, das ist kein Glücksfall, den haben wir rausgeholt. Dann brauchte es die Erfahrung, die Weisheit von Wendie Renard, um den Elfmeter Eve zu überlassen", betonte Diacre in "L’Équipe". Eigentlich war Kapitänin Renard als Schützin vorgesehen. Bei den Niederlanden war der Frust nach dem Ausscheiden groß. Das Oranje-Team hatte lange Glück, dass der Gegner zahlreiche Chancen liegenließ. "Der Traum der Oranje-Löwinnen auf die Titelverteidigung ist in Scherben gefallen", schrieb "De Telegraaf".