Als Viktoria Schnaderbeck mit den Worten "Es ist kein leichter, ein sehr emotionaler Tag" die Pressekonferenz des ÖFB-Frauen-Nationalteams anlässlich der Kaderbekanntgabe vor dem Schlagerspiel gegen England eröffnete, war klar, dass diese kein normaler Medientermin werden würde. Die langjährige Kapitänin des Teams gab am Mittwoch offiziell ihr Karriereende bekannt.

Die Entscheidung dazu sei bereits in den vergangenen Monaten gereift, den endgültigen Entschluss fasste die 31-Jährige dann vor Saisonende. Wichtig war der Verteidigerin, das Ende ihrer Karriere selbst zu bestimmen. "Mein Gefühl hat mir einfach gesagt, dass es der richtige Zeitpunkt ist", erklärte sie, immer wieder mit den Tränen kämpfend.

Schnaderbeck war seit 2007 in der österreichischen Nationalmannschaft aktiv, seit 2013 führte sie das Team als Kapitänin aufs Feld. In insgesamt 83 Partien erzielte sie auch zwei Tore. Auf Klubebene wechselte sie mit 16 Jahren von LUV Graz zum FC Bayern, für den sie elf Jahre lang auflief. Nach zwei Meistertiteln mit den Münchnern führte ihr Weg sie 2018 nach England. Mit Arsenal entschied sie bereits in ihrer ersten Saison die englische Meisterschaft für sich. Im vergangenen Frühjahr spielte die Steirerin, die einen Master-Abschluss in Wirtschaftspsychologie aufweisen kann und außerdem als Keynote-Speakerin tätig ist, für Tottenham Hotspur.

Von schweren Verletzungen geplagt

Schnaderbecks Karriere war allerdings auch von schweren Verletzungen geprägt. Bereits mit 17 Jahren, bei ihrem Pflichtspieldebüt für den FC Bayern, zog sie sich nach wenigen Minuten einen Kreuzbandriss zu. Immer wieder machten ihr danach Knieprobleme zu schaffen, mittlerweile hält sie bei acht Knie-Operationen. Auch ihre Teilnahme an der diesjährigen Europameisterschaft in England war ein Wettlauf gegen die Zeit. "Körperlich bin ich oft über meine Grenzen gegangen, auch zuletzt bei der EM. Ich hätte mir aber keinen schöneren Abschluss vorstellen können als mit dem Nationalteam auf der höchsten Bühne bei der Europameisterschaft", resümierte sie am Mittwoch.

Auch Stürmerin Lisa Makas verkündete am Mittwoch ihr Karriereende. 
- © apa / Georg Hochmuth

Auch Stürmerin Lisa Makas verkündete am Mittwoch ihr Karriereende.

- © apa / Georg Hochmuth

Gemeinsam mit der langjährigen Kapitänin gab eine ebenso verletzungsgeplagte Athletin ihren Rückzug vom aktiven Profifußball bekannt. Stürmerin Lisa Makas folgt Schnaderbeck in die Fußball-Pension. Die 30-Jährige bestritt seit 2010 74 Länderspiele für den ÖFB, mit 19 Treffern ist sie die vierterfolgreichste ÖFB-Torschützin aller Zeiten. "Es war eine sehr besondere Zeit, 25 Jahre habe ich aktiv im Fußball verbringen dürfen. Es bedeutet mir viel, dass ich trotz aller Verletzungen meinen Rücktritt selbst, als fitte Spielerin, verkünden kann", fasste sie zusammen.

Gemeinsam waren die beiden für die Sternstunden des Nationalteams mitverantwortlich. Sowohl bei der EM 2017, als die Österreicherinnen sensationell ins Semifinale einzogen, als auch in diesem Jahr, als sie bei der EM in England das Viertelfinale erreichten, waren Makas und Schnaderbeck Teil der Mannschaft.

Verkündeten nach vielen geteilten Erfolgen auch ihren Rücktritt gemeinsam: Viktoria Schnaderbeck (l.) und Lisa Makas. 
- © apa / Helmut Fohringer

Verkündeten nach vielen geteilten Erfolgen auch ihren Rücktritt gemeinsam: Viktoria Schnaderbeck (l.) und Lisa Makas.

- © apa / Helmut Fohringer

Anerkennung auch von Verbandsspitze

"Es war für mich ein absolutes Privileg, ein Stück des Weges mit zwei solchen Persönlichkeiten gehen zu dürfen. Viki und Lisa waren zwei Säulen unseres Erfolgs der letzten Jahre", sagte Teamchefin Irene Fuhrmann mit Verweis auf die Lücke, die die beiden Athletinnen hinterlassen werden. Auch Verbandspräsident Gerhard Milletich würdigte ihre Verdienste: "Ihr beide habt sehr viel für den Frauenfußball geleistet, dazu kann ich nur gratulieren. Ihr seid Vorbilder, habt viele Verletzungen überwunden und wart stets bereit, alles zu geben. Mentalität und Willensstärke haben euch immer ausgezeichnet."