Christoph Peschek wird seine Funktion bei Fußball-Bundesligist Rapid Wien zurücklegen. Nach Anfeindungen gegen seine Person sei eine Fortsetzung der Arbeit "nicht zielführend", sagte der Geschäftsführer Wirtschaft am Sonntagvormittag bei einer Pressekonferenz im Allianz Stadion unter Tränen. Der Traditionsclub ist nach dem Europacup-Out gegen Vaduz in heftige Turbulenzen geraten.

"Warum ich für die Niederlage gegen Vaduz (0:1 am Donnerstag; Anm.) verantwortlich sein soll, weiß ich nicht", sagte Peschek, der für den kaufmännischen Bereich zuständig war und die operative Führung der Rapid-Abteilungsleiter innehatte. Er habe in der jüngeren Vergangenheit "viel negative Energie" rund um den Club gespürt. "Ich hoffe, dass mit meinem Schritt wieder mehr Konstruktivität einkehrt." Peschek stehe "selbstverständlich für einen geordneten Übergang zur Verfügung", betonte er.

Am Samstag erklärte bereits Präsident Martin Bruckner, dass er seine Kandidatur zur Wiederwahl in drei Monaten zurückzieht. "Ich übernehme für die derzeitige Situation unseres Vereins die Gesamtverantwortung", sagte Bruckner. "Ich habe sowohl am Tag des Spiels gegen Vaduz als auch danach sehr viele Gespräche geführt, die schlussendlich zu dieser Entscheidung geführt haben."

Auf Fragen nach dem Einfluss der Fanbewegung rund um Ultras Rapid wollte er nicht eingehen.

Peschek stehe "selbstverständlich für einen geordneten Übergang zur Verfügung", betonte er. Es solle keine Chaostage bei seinem Herzensverein geben. Einen Zeitplan gibt es aber noch nicht. "Wir reden hier nicht von Ewigkeiten", betonte der 38-Jährige. Konkrete Schritte würden innerhalb der Gremien besprochen werden, das bald zu wählende neue Präsidium werde auch ein gewichtiges Wort mitzureden haben.

"Ich übernehme für die derzeitige Situation unseres Vereins die Gesamtverantwortung", sagte Bruckner. "Ich habe sowohl am Tag des Spiels gegen Vaduz als auch danach sehr viele Gespräche geführt, die schlussendlich zu dieser Entscheidung geführt haben." 
- © apa , Herbert Pfarrhofer

"Ich übernehme für die derzeitige Situation unseres Vereins die Gesamtverantwortung", sagte Bruckner. "Ich habe sowohl am Tag des Spiels gegen Vaduz als auch danach sehr viele Gespräche geführt, die schlussendlich zu dieser Entscheidung geführt haben."

- © apa , Herbert Pfarrhofer

Bereits am Freitag hatten mehrere Medien über den überraschenden Rückzug des Club-Präsidenten berichtet. Seinem Team liege eine gute Zukunft des Clubs sowie ein geeinter Verein am Herzen, das sei "offenbar in der aktuellen Konstellation nicht mehr möglich", betonte Bruckner. Es sei bedauerlicherweise nie gelungen, die spätestens seit der Wahl vor drei Jahren herrschende "negative Grundstimmung" umzudrehen. Der 57-jährige Wiener bedankte sich bei seinem "Herzensclub" und schloss nicht aus, dass jemand aus seinem Team auch in Zukunft in einem Präsidium mit dabei sein wird.

Noch kein Nachfolger in Sicht

Ein Nachfolger steht noch nicht fest, für die Wahl bei der Ordentlichen Hauptversammlung 2022 Ende November muss noch ein Kandidat gefunden werden. Club-Ikone Steffen Hofmann bestätigte gegenüber dem "Kurier", an einer "Liste" zu basteln. Der Rekordspieler ist aktuell Sportkoordinator bei Grün-Weiß.

"Wir werden unsere Funktionen im Präsidium aber selbstverständlich nicht sofort beenden, sondern diese weiterführen und dann eine ordentliche Übergabe mit dem Nachfolgepräsidium durchführen", erklärte indes Bruckner, der im November 2019 zum Rapid-Präsidenten gewählt worden war. In seinem Team stehen seit Beginn Michaela Dorfmeister, Gerhard Höckner, Monisha Kaltenborn, Nikolaus Rosenauer, Stefan Singer und Gerry Willfurth sowie seit Juni 2022 Michael Hatz.

Außerdem betonte Bruckner, dass Rapid die "wohl wirtschaftlich schwerste Krise seit dem 2. Weltkrieg finanziell stabil" überstanden habe. Laut übereinstimmenden Medienberichten steht auch ein Rücktritt von Wirtschaftsgeschäftsführer Christoph Peschek im Raum. Dieser kündigte für Sonntagvormittag eine persönliche Erklärung an.

Eine Trainerdiskussion hatten die Verantwortlichen am Freitag indes zu verhindern versucht. Sport-Geschäftsführer Zoran Barisic stärkte Coach Ferdinand Feldhofer demonstrativ den Rücken. "Wir wissen, Rapid ist ein sehr emotionaler Club, ein sehr explosives Pflaster. Da ist es schon wichtig, die richtigen Schlüsse zu ziehen, aber auch Ruhe zu bewahren", sagte Barisic. Zuvor war Rapid im Play-off zur Conference League gegen den Schweizer Zweitligisten FC Vaduz gescheitert. (apa)