Ein Positives hatte dieser Fußballabend im Stade de France im Pariser Vorort Saint-Denis für Marko Arnautovic: Mit 103 ÖFB-Länderspielen hat der 29-Jährige wie erwartet den ewigen Rekord von Andreas Herzog eingestellt. 

Ansonsten hatten "Arnie" & Co. kaum Grund zur Freude in diesem Nations-League-Länderspiel gegen Frankreich. Sie gingen mit 0:2 unter. Und die Niederlage hätte noch viel höher ausfallen können, wenn der amtierende Weltmeister vor dem österreichischen Tor mehr aus seiner Dominanz auf dem Spielfeld gemacht hätte.

Die Gastgeber begannen extrem stark, die Österreicher ließen der Équipe Tricolore zunächst viel Raum, die Franzosen waren zu sicher im Ballbesitz und bei den Pässen, als dass sich eine Chance für die ÖFB-Auswahl ergeben hätte. Frankreich machte Druck und zeigte Kombinationsfußball vom Feinsten. Mehrmals hatte die rot-weiß-rote Verteidigung alle Hände voll zu tun, vor allem mit Kylian Mbappé - der bereits in der 2. Minute ins Tor traf, dabei allerdings im Abseits stand -und Antoine Griezmann. Die Österreicher waren ihrerseits zu gut gedeckt, um überhaupt Aktionen aufzubauen, und wussten sich mitunter nur mit Fouls zu behelfen. Ein Powerplay, das in der ersten Minute begann und bis zum Pausenpfiff anhielt.

Tormann Pentz verhinderte Schlimmeres

Zahlreichen nicht ausgenutzten Torchancen der Franzosen standen einige wenige Gegenangriffe der Österreicher gegenüber, die eher zufällig entstanden. Die meisten Akzente vor der Pause setzte Marcel Sabitzer, der in der 23. Minute einem Tor noch am nächsten kam, als er den Ball übers Tor hob, aber in der Regel versandeten die wenigen Angriffe in der gut stehenden französischen Verteidigung. Erst ab der 30. Minute zeigten die Österreicher ein bisschen mehr Offensivkraft, bis zum Tor kamen sie allerdings auch jetzt kaum.

Der Mann der ersten Hälfte auf österreichischer Seite war Torhüter Patrick Pentz. Der 25-Jährige, der sonst bei Stade de Reims in der französischen Ligue 1 im Einsatz ist, bestätigte nicht nur mit einer Doppelparade in der 35. Minute, warum die Nummer 12 aktuell die Nummer 1 im Tor ist. Dass es zur Pause 0:0 stand, grenzte fast an ein Wunder.   

Und das, obwohl Trainer Didier Dechamps gar nicht sämtliche Spitzenkräfte im französischen Kader aufbieten konnte. Die 70.188 Fans auf den Rängen waren jedenfalls auch beim Stand von 0:0 in der ersten Hälfte höchst zufrieden mit der Vorstellung ihrer Landsleute. In ihren Gesängen gaben sie sich siegesgewiss - und sie sollten recht behalten.

Schneller und ballsicherer

Die zweite Hälfte begann ebenso schwierig für die Österreicher, die in der Pause von 4-4-2 auf 4-1-4-1 umstellten. Sie kamen allerdings zu etwas mehr Chancen. So bekam Xaver in der 51. Minute vor dem französischen Tor den Ball an den Fuß, konnte dann aber doch nichts Sinnvolles damit anfangen. Im Gegenzug zeigte Mbappé seine Geschwindigkeit, vergab allerdings eine weitere Torchance.

Und dann war es tatsächlich Mbappé, der in der 56. Minute das reguläre 1:0 für Frankreich besorgte. Sabitzer hatte bei einem Angriff den Ball verloren, der Konter führte über den teuersten Spieler der Welt, der die gesamte österreichische Abwehr überlief und eiskalt einnetzte. Und in dieser Tonart ging es auch danach munter weiter. Auf der Gegenseite holte Arnautovic in der 59. Minute eine Chance heraus, verstolperte sie aber.

In der 65. Minute schlug dann Olivier Giroud zu: Er verwandelte eine Hereingabe per Kopf und ließ Torhüter Pentz keine Chance. Das Stadion tobte. Vergessen die jüngsten Dispute zwischen Giroud und Mbappé, die an diesem Abend bisher bestens zusammenspielen. So wie die gesamte französische Elf, die viel schneller lieft, genauer passte und sicherer mit dem Ball umging als die Österreicher. Nur die Chancenauswertung hätte viel besser und der Sieg viel höher sein können. 

ÖFB-Trainer Ralf Rangnick reagierte und holte Schlüsselkräfte vom Feld, offenbar um sie für die Partie gegen Kroatien am kommenden Sonntag zu schonen. Mit den eingewechselten Michael Gregoritsch, Christoph Baumgartner und Romano Schmid ging es im Grunde nur noch um Schadensbegrenzung. Und so übergab David Alaba in der 69. Minute die Kapitänsschleife an Gregoritsch. Er wurde ebenso ausgewechselt wie Sabitzer. Das Spiel in Saint-Denis kannte derweil nur eine Richtung - und die zeigt nicht zum Tor der Franzosen. Die blicken nun mit geschwellter Brust in Richtung WM in Katar.

Kroatien führt jetzt Nations-League-Gruppe an

Die Nations-League-Tabelle spiegelt diese Dominanz allerdings nicht wider. Dort hatten "Les Bleus" die Titelverteidigung schon vor der Partie abschreiben müssen. Den Klassenerhalt haben sie nun aber wieder in der eigenen Hand. Frankreich hat Österreich mit dem ersten Sieg in Gruppe A auf den letzten Platz verdrängt, und liegt mit fünf Punkten einen Zähler vor dem ÖFB-Team. An der Tabellenspitze lösten die Kroaten mit einem 2:1-Sieg gegen die Dänen diese ab und halten nun bei zehn Punkten, vor Dänemark mit neun Zählern. Die Entscheidung um den Gruppensieg in der Österreich-Gruppe 1 der Liga A fällt damit erst am letzten Spieltag, wenn Österreich auf Kroatien und Frankreich auf Dänemark trifft.