Würde man allgemein die Assoziationen zur Frauen-Champions-League abfragen, so wäre wohl ein Name zwangsläufig noch nicht drunter: der des SKN St. Pölten. Das könnte sich aber am Mittwoch, wenn der niederösterreichische Klub zu Hause auf den finnischen Pokalsieger Kuopion PS trifft (19.15 Uhr/ORF Sport+), ändern. Denn sollten die Damen nach dem 1:0-Sieg im Hinspiel in der Seenplatte von Savo auch vor eigenem Publikum reüssieren, würde das eintreten, was in der Sportgeschichte des Landes noch keinem Frauenteam gelungen ist: die Qualifikation für die neue Gruppenphase der Frauen-Champions-League.

Über Nacht würde der Klubname St. Pölten, der wohl noch nicht allen Frauenfußballfans im Ohr klingen dürfte, auf dem gesamten Kontinent zum Allgemeingut werden. Und die Damen aus der Stadt an der Traisen befänden sich damit in bester Gesellschaft, ist es doch eine Eigenart der Frauen-Königsklasse, auch Klubs zu beherbergen, die im Männer-Pendant keine Rolle (mehr) spielen. Während die Seriensiegerin Olympique Lyon noch ein Begriff ist, war und ist das bei Schytlobud Charkiw, BK Häcken, Breidablik Kópavogur oder HB Koge - sie alle waren in der vergangenen Saison in der Gruppenphase der höchsten Frauenfußball-Klasse dabei - weniger der Fall. Mit St. Pölten würde also der Pool exotischer Klubs in der Königsklasse um einen Namen erweitert werden.

"Chancen bei 50:50"

Bevor es aber soweit ist, muss im Champions-League-Play-off noch Kuopio ausgeschaltet werden. Obwohl St. Pölten sämtliche Trümpfe in der Hand hat, stapelt Trainerin Liese Brancao eher tief. "Ich sehe die Chancen aber noch immer bei 50:50", erklärte sie am Dienstag. Zwar seien die Bedingungen dank einem schönen Treffer von Mateja Zver (42. Minute) gut. "Wenn man aber das Spiel gesehen hat, weiß man, wie schwer es am Mittwoch sein wird. Sie sind richtig stark am Ball", sagte Brancao. Tatsächlich kam der Sieg in der Fremde schmeichelhaft zustande. "So ein Spiel muss man aber auch erst einmal gewinnen", fügte die 41-Jährige hinzu.

In der ersten Hälfte sei man zu weit weg vom Gegner gewesen, habe zudem so gar nicht mit dem Ball gespielt. "Zweite Hälfte waren wir dann stabiler, so wollen wir auch am Mittwoch anfangen, aber mit viel mehr Ballbesitz. So können wir den Gegner kontrollieren", sagte Brancao und forderte einen energischen Auftritt ihrer Kickerinnen im Spiel gegen den Ball. Immerhin ist davon auszugehen, dass die Finninnen aufgrund des Rückstands die Initiative übernehmen werden. Taktische Überraschungen erwartet die Brasilianerin aber nicht. "Sie werden sicher wieder ihr gewohntes Spiel durchsetzen wollen."

Sie selbst kann die Partie gelassener angehen, zumal ein Remis zum Aufstieg in den illustren Kreis der besten 16 Teams Europas reicht. "Wir spielen aber wie jedes Spiel auf Sieg. Bei ein paar Punkten müssen wir schon nachdenken, ob wir so riskant wie gewohnt agieren, aber auf jeden Fall werden wir nicht auf ein 0:0 spielen", sagte Brancao. Die Motivation freilich ist groß, würden doch im Herbst sechs Duelle mit Topgegnern warten. Zuletzt schoss sich St. Pölten mit einem 6:0 gegen Bergheim für den Kampf um die Königsklasse warm. "Die Spiele kann man nicht vergleichen, weil Bergheim sehr destruktiv gespielt hat. Aber wenn man viele Tore schießt, gibt das Selbstvertrauen. Wir nehmen ein gutes Gefühl mit", so Brancao.(rel/apa)