Während Österreichs Fußball-Nationalteam noch mit dem Abstieg aus der Liga A der Nations League hadert, haben sich die Dinge am letzten Spieltag des Länderturniers überraschend noch einmal überschlagen. So hat sich der Ex-Welt- und Europameister Spanien am Dienstagabend das letzte Ticket für das Final-Four-Turnier gesichert. Die Truppe von Trainer Luis Enrique holte sich dank eines 1:0-Last-Minute-Triumphs gegen Portugal in Braga noch den Gruppe-2-Sieg der Liga A. Durch einen Treffer von Alvaro Morata (88. Minute) wurde der Gewinner der Premierenauflage des Bewerbes noch um einen Punkt überholt. Kroatien, Italien und die Niederlande hatten in den Tagen zuvor den Aufstieg fixiert. Das Finalturnier findet Mitte Mai 2023 statt.

Dabei hätte den Portugiesen vor eigenem Publikum schon ein Punktgewinn für den ersten Tabellenrang gereicht. Tatsächlich waren sie vor 28.196 Zuschauern bemüht, auf Sieg zu spielen, und hatten vor der Pause auch die gefährlicheren Momente. So fehlte bei einem Weitschuss von Bruno Fernandes nicht viel (37.). Gleich nach Wiederbeginn hatte wiederum Superstar Cristiano Ronaldo die Führung am Fuß, fand aber in Spanien-Tormann Unai Simon seinen Meister (47.). Die Spanier kamen erst mit Fortdauer der zweiten Hälfte besser rein und erhöhten die Offensivbemühungen. Für die Gastgeber sollte sich das Versuchen des Verwaltens des Resultates am Ende bitter rächen.

Die Folge ist nicht nur das Verpassen des Halbfinales, sondern auch eine heftige Personaldebatte. Im Mittelpunkt steht die ineffiziente Leistung von Ronaldo, der mehrere gute Chancen gegen die Spanier liegen ließ und nun Trainer Fernando Santos vor die Frage stellt, ob er bei der WM in Katar auf Ronaldo in der Startelf setzen soll. Dazu passt, dass der gefrustete Stürmer nach der Partie schnell in den Katakomben verschwand. Stand der Superstar bisher meist wegen seiner spielerischen Glanzlichter im Fokus, geht es nun seit einiger Zeit mehr um die Rolle, die der 37-Jährige spielen kann oder sollte - sowohl bei seinem Klub Manchester United, als auch in der Seleção. Bei letzterer muss nun Santos abwägen, ob er nicht Talenten wie Milans Rafael Leão das Vertrauen schenkt.

Schweizer Nati darf jubeln

Vertrauen gewonnen hat wiederum die Schweizer Nati. Das Team sicherte sich mit einem 2:1-Sieg über Tschechien, das nun in die zweithöchste Spielklasse absteigt, den Verbleib in der höchsten Nations-League-Liga. Den Aufstieg in die A-Liga fixierte hingegen Serbien mit einem 2:0-Sieg über Norwegen. Dusan Vlahovic (42.) und Aleksandar Mitrovic (54.) sorgten in Oslo für die Entscheidung. Norwegens Superstar Erling Haaland ging leer aus und kann sich damit auch in der kommenden Nations-League-Auflage nicht mit den besten Nationen messen. Im Parallelspiel trennten sich Schweden und Slowenien mit 1:1, wobei Salzburg-Stürmer Benjamin Sesko im zweiten Länderspiel in Folge traf. Nach oben arbeitete sich auch Schottland. Eine Nullnummer im polnischen Krakau gegen die Ukraine war genug, um den ersten Platz erfolgreich zu verteidigen.

Katerstimmung herrscht hingegen nach wie vor bei Deutschland und England, die sich im finalen Nations-League-Spiel nach einem wilden 3:3 getrennt hatten - und nun die letzten beiden Plätze in der dritten Gruppe der Liga A belegen. "Es ist eine komische Phase, weil viele Teams mit ihrer Vorbereitung ein bisschen in der Luft hängen", sagte Englands Teamchef Gareth Southgate. "Der Ärger überwiegt", betonte auch DFB-Direktor Oliver Bierhoff.

Für Österreich ist das Kapitel Nations League vorerst abgehakt. Weiter geht es ab 14. November mit einem Trainingscamp in Marbella samt einem Test am 16. November gegen Andorra. Zum Abschluss des Lehrgangs wartet am 20. November als Testgegner Europameister Italien in Wien.