Im Iran ist nach übereinstimmenden Medienberichten der ehemalige Fußball-Nationalspieler Hossein Mahini im Zusammenhang mit den Protesten nach dem Tod einer jungen Frau im Polizeigewahrsam festgenommen worden. Der 36-Jährige sei am Donnerstagabend auf Anordnung der Justizbehörden wegen seiner Unterstützung für die anhaltenden Proteste verhaftet worden, schrieb unter anderem das Sportportal "khabarvarzeshi".

Am Freitag gab es in den sozialen Medien Solidaritätskundgebungen mit dem früheren Kapitän des 14-maligen iranischen Meisters Persepolis FC. Auch mehrere Spieler der aktuellen iranischen Nationalmannschaft wie Sardar Azmoun vom Bundesligisten Bayer Leverkusen haben sich mit den andauernden Protesten im Land solidarisiert.

Auch Hossein Mahini (r.) hatte die Proteste unterstützt. 
- © afp / Nezar Balout

Auch Hossein Mahini (r.) hatte die Proteste unterstützt.

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Die 22-jährige Iranerin Mahsa Amini war von der Sittenpolizei wegen eines Verstoßes gegen die strenge islamische Kleiderordnung festgenommen worden und am 16. September unter ungeklärten Umständen gestorben. Seitdem kommt es im Land und auch weiteren Städten weltweit zu Protesten. Die Demonstranten im Iran sprechen von Polizeigewalt, die Behörden weisen dies zurück.

Nach Angaben von Amnesty International sind mehr als 50 Menschen von Sicherheitskräften getötet worden. Hunderte weitere Demonstrantinnen und Demonstranten wurden demnach verletzt. Iranische Staatsmedien hatten zuvor mehr als 40 Todesopfer gemeldet, Beobachter gehen aber von einer deutlich höheren Opferzahl aus.

Die Regierung hatte auch von Toten aufseiten der Sicherheitskräfte gesprochen. "Amnesty International liegen die Namen von 52 Frauen, Männern und Kindern vor, die von den staatlichen Sicherheitskräften getötet wurden", teilte die Organisation mit.

Bewusste Strategie

Amnesty liege zudem die Kopie eines geleakten Dokuments vor, aus dem hervorgehe, dass das Generalhauptquartier der Streitkräfte schon am 21. September die Kommandeure in allen Provinzen angewiesen habe, mit aller Härte gegen Demonstrierende vorzugehen. Diese seien darin als "Unruhestifter und Revolutionsgegner" bezeichnet worden. Der Befehl belege, dass die Eskalation der Gewalt und der Einsatz scharfer Munition System habe und eine bewusste Strategie der iranischen Führung sei, so die Menschenrechtsorganisation, die die Internationale Gemeinschaft aufforderte, "unverzüglich und in aller Entschlossenheit (zu) handeln, um zu verhindern, dass noch mehr Menschen getötet und verletzt werden, nur weil sie für ihre Freiheit, ihre Würde und ihre Menschenrechte auf die Straße gehen."

Von der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) hieß es am Freitag in einer Aussendung, dass jede Frau das Recht habe, über ihren Körper selbst zu verfügen. "Die Entscheidung für oder gegen das Tragen eines Kopftuchs ist eine höchstpersönliche, jeder diesbezügliche Zwang ist entschieden abzulehnen", schrieb IGGÖ-Präsident Ümit Vural. "Die Frauen im Iran, die nun ihr Leben riskieren, um diese Selbstbestimmung einzufordern, haben unsere Solidarität und Unterstützung verdient."

Forderungen nach Grundrechte und Menschenwürde

Die iranische Frauenrechtsbewegung "Open Stadiums" hat nun auch den Fußball-Weltverband aufgefordert, den Iran von der im November beginnenden Fußball-WM in Katar auszuschließen. "Warum sollte die FIFA dem iranischen Staat und seinen Vertretern eine weltweite Bühne geben?", heißt es in einem der dpa vorliegenden Brief, den die Organisation an den FIFA-Präsidenten Gianni Infantino persönlich gerichtet hat.

Irans Nationalteam soll nicht an der WM in Katar teilnehmen dürfen. 
- © reuters/Wana News Agency

Irans Nationalteam soll nicht an der WM in Katar teilnehmen dürfen.

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"Open Stadiums" fordert seit Jahren den freien und ungehinderten Zugang von Frauen zu Fußballstadien im Iran. "Dieser Staat lehnt es nicht nur ab, Grundrechte und Menschenwürde zu respektieren. Er foltert und tötet sein eigenes Volk", heißt es in dem Schreiben der Frauenrechtsbewegung weiter: "Wo sind die Grundsätze der FIFA-Statuten in dieser Hinsicht? Wir fordern die FIFA auf, den Iran unverzüglich von der WM 2022 in Katar auszuschließen." Der Iran trifft in der Vorrundengruppe B auf die USA, England und Wales. Das erste Spiel ist am 21. November die Begegnung gegen England. (apa/dpa)