"Eine Nummer sein, aber nicht irgendeine. Erfolg ist nicht alles, aber Verlieren keine Option. Du willst weiter? Der Ball liegt bei dir!" Das erzählt eine männliche Stimme in einer bekannten Sportwettanbieter-Werbung. Die Wirkung ist klar. Der Erfolg scheint nur eine Wette entfernt zu sein. Blickt und hört man sich um - egal ob in Stadien oder im Fernsehen - ist die Werbung von Wettanbietern im Fußballgeschäft mittlerweile allgegenwärtig und stark verankert, mit der Tendenz, aufgrund der wirtschaftlichen Lage nach den Lockdowns in den vergangenen zwei Jahren in der Summe noch einmal gestiegen zu sein. Für viele mag das bloß ein fader Beigeschmack am Spiel mit dem runden Leder sein, für einige andere hat es dennoch verheerende Auswirkungen. Schließlich werden die Gewinne der Sportwettanbieter vor allem durch spielsüchtige Fans erzielt.

Eindruck, dass Sportwetten zum Fußball gehören

Diese Tatsache blieb bei vielen nicht unbemerkt. Die Beziehung zwischen dem modernen Weltfußball und Sportwetten ist daher heftig umstritten und vielerorts stark kritisiert. In Deutschland etwa forderte die größte Vertretung organisierter Fußballfans, "Unsere Kurve", ein striktes Werbeverbot für Sportwetten. "Durch die Art sowie die Platzierung der Werbung wird gegenüber Fußballfans und Zuschauer*innen so getan, als ob Sportwetten wie selbstverständlich zum Fußball und zur Fankultur dazu gehören. Werbepartner wie Sportler, Vereine und sogar die Sportschau oder der "kicker" geben Sportwetten durch ihre Werbeplattform ein seriöses Image und vermitteln die Botschaft, dass diese harmlos seien. Dabei ist insbesondere unter Fußballfans ein problematisches Spielverhalten sehr verbreitet. Und genau dieses wird von Sportwetten-Anbietern gefördert, "weil sie ihre immensen Gewinne im Wesentlichen durch Viel-Spielende erwirtschaften", heißt es auf der Homepage der Fanvertretung. Die finanziellen Schwierigkeiten, in die viele, die mit dem Fußballmarkt zu tun hatten und haben, während der Pandemie geraten sind, befeuerten das Geschäft der Sportwetten und ihrer Werbung noch einmal mehr. Viele fordern daher vor allem strengere Gesetze, um diese stärker zu reglementieren.

Derartige Schritte wurden in Spanien bereits unternommen. Dort dürfen Wettanbieter nicht mehr auf der Vorderseite spanischer Fußballtrikots oder in den Stadien werben. Auch in Italien gibt es eine ähnliche Regelung, wenngleich die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie zu ersten Forderungen nach Lockerungen der Bestimmungen geführt haben. Im englischen Fußball wird laut eines BBC-Berichtes indes darüber diskutiert, Trikotwerbung durch Wettanbieter zu verbieten. Bei einer österreichweiten Studie zum Thema Glücksspielsucht aus dem Jahr 2011 zeigten schon rund 64.000 Personen ein pathologisches Spielverhalten. Sportwetten und Glücksspielautomaten werden dabei überdurchschnittlich oft von Männern, zwischen dem 18. und 35. Lebensjahr, Personen mit Pflichtschulabschluss und Arbeitslosen gespielt.

In Österreich sind Sportwetten kein Glücksspiel

Dennoch herrschen in Österreich gute Bedingungen für Sportwetten, schließlich zählen Sportwetten nicht als Glücksspiel, sondern werden als Geschicklichkeitsspiele geführt. Damit unterliegen sie nicht dem Glücksspielgesetz. Für die Regulierung ist das jeweilige Bundesland zuständig, weshalb sich, bis auf das Mindestalter von 18 Jahren, die Bestimmungen unterscheiden. Auch im Bereich der Livewetten, wo Ereignisse gewettet, nur wenige Sekunden, bevor sie eintreten, gibt es verschiedene Regelungen, die von Bundesland zu Bundesland abweichen. Daher wurde vor allem das Angebot von Sportwettanbietern im Internet unüberschaubar.
Denn während die Wettautomaten eingeschränkt sind, ergeben sich im Internet unbegrenzte Möglichkeiten. Diesen Eindruck bekommt man auch in den verschiedenen Werbespots. Wer am Ende verliert, ist aber dennoch schon vorher klar.