Mindestens 125 Tote, mehr als 300 Verletzte: Das ist die Bilanz der Stadionkatastrophe vom Samstag in Indonesien, deren Aufarbeitung wohl noch lange dauern und die Vorbereitungen auf die U20-WM im kommenden Jahr überschatten wird. Am Montag setzte die Regierung ein Expertenteam ein, das klären soll, wie es zu dem Drama in dem Stadion von Malang in Ostjava kommen konnte, in dem die Vereine Arema FC und Persebaya Surabaya aufeinandergetroffen waren.

Nach der 2:3-Niederlage des Heimteams waren Fans auf den Rasen geströmt, danach geriet die Lage außer Kontrolle. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein, woraufhin eine Massenpanik ausbrach, als die Zuschauer zum Ausgang drängten. Die Tragödie ist eine der schlimmsten Stadionkatastrophen in der Geschichte des Fußballs, zuletzt hatte es 1964 in Argentinien eine höhere Opferzahl gegeben.

Nach der Niederlage waren die Fans auf den Rasen gestürmt. - © afp
Nach der Niederlage waren die Fans auf den Rasen gestürmt. - © afp

Das nun ins Leben gerufene "Joint Independent Fact Finding Team" werde aus Regierungsbeamten, Vertretern des Fußballverbandes, Experten, Akademikern und Journalisten bestehen, sagte Sicherheitsminister Mohammad Mahfud am Montag nach einer Krisensitzung. "Es wird erwartet, dass das Team seine Arbeit in zwei oder drei Wochen abgeschlossen hat." Die Regierung habe zudem die Nationalpolizei angewiesen, "in den nächsten Tagen" gegen Personen zu ermitteln, die für die Tragödie verantwortlich sein könnten.

Unmittelbar nach dem Spiel hatte es zwar Beileidsbekundungen, aber auch Schuldzuweisungen gegeben. Die Situation sei "anarchisch" gewesen, sagte Polizeichef Nico Afinta, Fans hätten Polizisten angegriffen und Autos beschädigt. Allerdings sehen sich auch die Organisatoren und die Sicherheitskräfte mit Kritik kontrolliert: Offenbar waren für das Derby in dem an und für sich modernen Stadion mit 42.000 Tickets mehr Karten verkauft worden, als Zuschauer zugelassen sind (38.000); zudem strich die Menschenrechtsorganisation Amnesty International den übertriebenen Einsatz von Gewalt durch den Staat in Indonesien hervor.

"Fußball ist kein Massaker", ist auf Plakaten in den Straßen zu lesen. - © reuters / Antara Foto
"Fußball ist kein Massaker", ist auf Plakaten in den Straßen zu lesen. - © reuters / Antara Foto

Laut Fifa-Regeln dürfen Ordner und Polizisten in Stadien keine Schusswaffen oder Reizgas bei sich tragen oder einsetzen. Die Polizei von Ostjava reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage, ob ihr solche Vorschriften bekannt sind. Als erste Reaktion wurden sämtliche Spiele der obersten Liga vorerst ausgesetzt; Arema darf bis auf Weiteres auch keine Heimspiele mehr austragen. Den Familien der Opfer hat der Verein finanzielle Hilfe zugesichert.(tamsl)