So eine Auslosung ist beinahe schon so etwas wie eine Wissenschaft - und das sowohl in politischer wie geografischer Hinsicht. Um zu vermeiden, dass Länder, die entweder verfeindet sind, zu weit auseinanderliegen oder in klimatisch in derselben Europagegend liegen, in Fußball-Qualifikationsturnieren aufeinandertreffen, ist also Fingerspitzengefühl gefragt. Dass es keine gute Idee ist, Serben und Kosovaren per Los gemeinsam auf einen Rasen zu zwingen, dafür gibt es mittlerweile genügend (negative) Erfahrungswerte; ebenso hierfür, Aserbaidschaner und Isländer, deren Länder rund 5.200 Kilometer auseinanderliegen, einander zuzulosen. Eine Sonderregel gibt es wiederum für die nördlichen Nationen Estland, Färöer, Finnland, Island, Lettland, Litauen, Norwegen und die Ukraine: Weil deren Fußballarenen im Winter nur bedingt bespielbar sind, dürfen maximal zwei Länder des Nordens in eine Gruppe gezogen werden.

So weit, so bekannt. Eine Änderung gibt es bei der am Sonntag (12 Uhr/ORF1) in Frankfurt am Main vorgenommenen Auslosung für die Qualifikation für die kommende Europameisterschaft aber doch. Ein bekannter Staat findet sich nicht mehr in den Töpfen: Russland. Dessen Nationalteam wurde aufgrund des Angriffskriegs gegen die Ukraine von allen Turnieren der Uefa und Fifa ausgeschlossen. Dass Russlands Verbündeter Weißrussland die Qualifikation bestreiten darf, hat für heftige Kritik an der Uefa gesorgt. Die Zuordnung der Teams in die Töpfe 1 bis 6 erfolgte wie zuletzt anhand der Erfolge der einzelnen Teams in der Nations League. In Frankfurt werden sieben Qualifikationsgruppen zu fünf Teams sowie drei Gruppen zu sechs Teams gelost. Österreich ist im zweiten Topf gesetzt.

Unterschiedliche Qualität

Im Lager der österreichischen Nationalmannschaft blickt man am Sonntag mit Spannung nicht etwa auf die Hochrechnung der gleichzeitig hier stattfindenden Bundespräsidentenwahl, sondern in die Mainmetropole Frankfurt, wo die Auslosung der zehn Qualifikationsgruppen für die EM 2024 in Deutschland über die Bühne geht. Im ÖFB-Team hofft man nämlich auf ein machbares Los, zumal die Teilnahme an der Endrunde 2024 im Heimatland von Teamtrainer Ralf Rangnick als das ganz große Ziel ausgerufen wurde. Die Bandbreite, was die Qualität der möglichen Gegner betrifft, ist tatsächlich groß. Aus Topf eins könnte man etwa Spanien, Italien, Portugal und Belgien, aber auch Ungarn oder Polen zugeschanzt bekommen. Frankreich und England bleiben der ÖFB-Mannschaft immerhin erspart, weil sie ebenfalls im zweiten Topf liegen. (Deutschland ist als Gastgeber fix gesetzt.) Im dritten Pott lauern Schweden, Norwegen oder Irland, allerdings sind Duelle mit Armenien oder Albanien ebenfalls möglich.

Rangnick zuversichtlich

Ein glückliches Händchen bei der Losung wäre auch im Zusammenhang mit Topf vier vonnöten, zur Auswahl stehen hier die Türkei und Griechenland, aber auch Luxemburg, Kosovo, Aserbaidschan und die Färöer. Aus Topf fünf wäre wohl die Slowakei der unangenehmste Kontrahent, Kräftemessen mit Gibraltar oder Malta würde man im ÖFB-Team freilich am liebsten sehen. Teamchef Rangnick sieht der Auslosung dennoch relativ gelassen entgegen. "Unabhängig von den Gegnern ist es unser klares Ziel, uns für die EM zu qualifizieren und dann beim Turnier selbst eine gute Rolle zu spielen. Wenn wir an die Leistungen der ersten drei Spiele im Rahmen der Nations League anknüpfen können, bin ich überzeugt, dass wir das schaffen können", erklärte der Deutsche.

Die EM-Qualifikation startet im März 2023 und endet im darauffolgenden November. Jeweils die beiden Erstplatzierten der insgesamt zehn Gruppen sind für die Endrunde fix qualifiziert, die restlichen drei Startplätze werden wie zuletzt in der WM-Qualifikation über die Nations League ausgespielt. Da Österreich in diesem Bewerb zuletzt in der höchsten Liga engagiert war, ist davon auszugehen, dass David Alaba und Co. im Play-off antreten könnten, sollten sie in der Qualifikation scheitern. Allerdings hat das Nationalteam seit der EM-Aufstockung auf 24 Mannschaften im Jahr 2016 stets die Teilnahme über die reguläre Qualifikation fixiert. (rel)