Mit breiter Brust nimmt Salzburg in der Champions League heute Abend (21 Uhr/Sky, Dazn) das Rückspiel in Zagreb ins Visier. Die Bullen-Elf könnte mit einem neuerlichen Sieg über Dinamo die Vorentscheidung im Kampf um Platz drei schaffen - und sich in eine hervorragende Ausgangsposition für den Achtelfinalaufstieg bringen. In der Bundesliga konnte sich Salzburg am Wochenende schonen, doch auch die Kroaten gehen ausgeruht ins Schlüsselspiel: Sie verschoben ihre Ligapartie gegen Istra kurzerhand. Coach Matthias Jaissle erwartete jedenfalls "einen heißen Tanz" im Maksimir-Stadion.

"Dinamo wird zuhause mit den Fans im Rücken richtig Gas geben", prophezeite Jaissle. "Da müssen wir von der ersten Sekunde an hellwach sein und dagegenhalten." Es werde wie schon bei Salzburgs 1:0-Heimsieg am vergangenen Mittwoch ein Spiel auf Augenhöhe. "Vor eigenem Publikum ist Zagreb eine Macht. Wenn wir nur auf 99 statt 100 Prozent kommen, wird es schwer. Es wird sicher noch ekliger als im Hinspiel." Am Samstag rotierte Jaissle beim 3:2-Arbeitssieg im Altacher Starkregen an neun Positionen - Amar Dedic, Strahinja Pavlovic, Oumar Solet, Nicolas Seiwald, Noah Okafor, Andreas Ulmer und Nicolas Capaldo hatten die Reise ins Ländle erst gar nicht angetreten. "Wir gehen davon aus, dass morgen die Frische wieder zurück ist", so Jaissle im Hinblick auf die Matchfitness.

Mit an Bord waren am Montag auch Kapitän Ulmer und Capaldo, die zuletzt mit Problemen am Oberschenkel beziehungsweise Knie zu kämpfen hatten. "Es schaut gut aus bei den beiden, sie haben grünes Licht gegeben", sagte Jaissle. Nicht dabei ist allerdings Sekou Koita: Der Stürmer aus Mali, Torschütze in Altach, blieb wegen seiner Oberschenkel-Probleme in Salzburg.

Klar ist, dass Dinamo vor eigenem Publikum offensiver agieren muss als noch in Salzburg. Denn bei einer neuerlichen Niederlage wäre das Schlusslicht von Gruppe E bereits fünf Punkte hinter der Bullen-Elf und müsste damit beide ausstehenden Partien gegen Milan und bei Chelsea in jedem Fall gewinnen. Die Kroaten fanden im Hinspiel durchaus Möglichkeiten vor, das spielbestimmende Team war aber über weite Strecken Salzburg. Noah Okafor belohnte die "reife Leistung" (Jaissle) vom Elfmeterpunkt mit dem dritten Tor im dritten Königsklassen-Spiel heuer.

"Europäischer Frühling"

Der zweite Dreier in dieser Champions-League-Spielzeit würde zumindest die Tür zu Platz drei und damit den Umstieg in die Europa League weit aufstoßen: "Wenn uns das in Zagreb gelingen sollte, machen wir einen großen Schritt in Richtung europäischen Frühling." Dass man aufgrund der vergangenen Wochen selbstbewusst nach Zagreb fliege, sei klar. Jaissles Truppe reist nach dem Sieg gegen Dinamo sowie den 1:1-Unentschieden gegen Milan und Chelsea mit der Tabellenführung, je einen Punkt vor Milan und Chelsea sowie zwei vor Zagreb, im Gepäck an. Gelingt heute Abend tatsächlich ein Sieg, dürfte man vor den abschließenden Spielen gegen die Londoner (heim) und die Italiener (auswärts), sogar vom neuerlichen Achtelfinalaufstieg - so wie im vergangenen Jahr - träumen. "Ich denke, dass sie daheim das Spiel aktiver gestalten und nicht so passiv hinten drin stehen werden wie bei uns in der ersten Halbzeit", meinte Mittelfeldmann Seiwald. Für Ex-Rapidler Robert Ljubicic, den Dinamo-Außenverteidiger, besteht kein Zweifel. "Wir müssen auf Sieg spielen", erklärte der 23-Jährige gegenüber "Jutarnji List". "Wir müssen aber auch vorsichtig sein, weil sie beim Umschalten stark sind. Es ist klar, dass wir etwas riskieren müssen, aber dieses Risiko muss kontrolliert sein."

Zagreb hofft wohl auf einen ähnlichen Coup wie in der ersten Runde, als Chelsea in der kroatischen Hauptstadt mit 0:1 unterlag. "Wir fühlen uns zuhause sehr gut und haben dort schon einige große Teams geschlagen. Ich hoffe, das gelingt uns erneut", gab Innenverteidiger Dino Peric an. Das heute ausverkaufte Maksimir ist jedenfalls für alle Gegner ein harter Boden: Von den jüngsten 19 Europacup-Spielen verlor Dinamo dort nur 2.

Real will Aufstieg fixieren

In Gruppe F kann Real Madrid nach drei Siegen in drei Spielen schon heute den Achtelfinaleinzug fixieren. Holen ÖFB-Star David Alaba und Co. in Warschau gegen Schachtar Donezk drei Punkte, sind sie eine Runde weiter. Die Partie genießt allerdings beim Titelverteidiger in dieser Woche nicht die größte Bedeutung, wartet doch in der Liga am Sonntag vor Heimpublikum El Clasico gegen den punktgleichen Tabellenführer FC Barcelona -daher kündigte Coach Carlo Ancelotti mehr Rotation als üblich an.