Den Titel "Gurkerlkönige" der Champions League haben sich die Salzburger jetzt schon redlich verdient. Das ist freilich nicht despektierlich gemeint, sondern vielmehr eine Auszeichnung für höchste Präzision vor und beim Torabschluss. Denn schon wieder gelang der Bullen-Truppe ein Treffer, bei dem ein gegnerischer Verteidiger den Ball durch die Beine gespielt bekam - diesmal war es am Dienstagabend in Zagreb Nicolas Seiwald, dem ein perfektes Gurkerl (oder auch: Wurzen - aber niemals: Beinschuss!) gelang. Wie der ÖFB-Mittelfeldmotor später im Sky-Interview bekannte, dies sogar in voller Absicht, weshalb der Flachschuss in Minute 12 für Dinamo-Goalie Dominik Livakovic schlecht sichtbar und daher nicht zu halten war. Schon gegen Milan und Chelsea (jeweils 1:1) scorte Noah Okafor per Gurkerl-Schuss - gegen Milan sogar gleich doppelt: zuerst den Verteidiger, dann den Torhüter derart düpiert. Die Höchststrafe.

Ob diese kuriose Serie in dieser Königsklasse-Spielzeit eine Fortsetzung findet, wird sich in den beiden abschließenden Matches gegen Chelsea und Milan erst weisen. Gelingt den Salzburgern am Ende Platz drei (Umstieg in die Europa League) oder mindestens Platz zwei (Achtelfinalaufstieg) ist das Ganze jedenfalls mehr als bloß eine Fußnote in den Fußball-Annalen. Die Tür für den nächsten Salzburger Europacup-Coup steht nach dem dritten 1:1-Remis in Gruppe E jedenfalls sperrangelweit offen.

Der kroatische Serienmeister, der ebenfalls beide Top-Klubs noch zu bespielen hat, benötigt mindestens einen Sieg, um noch an Salzburg vorbeizuziehen - falls die noch ungeschlagene Bullen-Elf ohne Punkte bleiben sollte. Doch insgeheim schielt man in der Mozartstadt natürlich wieder Richtung Champions-League-K.o.-Runde: Dafür braucht es aber jedenfalls weitere Punkte - Betonung auf Mehrzahl. Zwei Remis beim Heimduell gegen Chelsea (25. Oktober) respektive in Mailand (2. November) könnten dafür schon reichen. Ein Sieg über die Londoner und eine Pleite am letzten Spieltag gegen den italienischen Meister (also drei Zähler) könnten aber sogar zu wenig sein - so ausgeglichen und spannend ist diese Gruppe.

Wiewohl das Remis im Maksimir-Stadion summa summarum leistungsgerecht war, hätte Salzburg die Partie in den letzten 30 Minuten durchaus entscheiden können: Nach einer fehleranfälligen ersten Halbzeit, in der den Kroaten durch Robert Ljubicic der verdiente Ausgleich gelang (40.), kamen die Salzburger immer mehr auf - und auch zu den klar besseren Chancen. Doch den Schüssen von Luka Sucic (74./Latte), Maurits Kjaergaard und Seiwald fehlte die nötige Präzision; am Ende mussten die Salzburger froh sein, dass ein Freistoß von Petar Bockaj ebenfalls an die Latten-Oberkante klatschte (91.) und so der Punkt mitgenommen werden konnte.

"Noch zwei absolute Kracher"

"Die ersten 45, 60 Minuten sind wir nicht in unserem Spiel gewesen, wir sind nicht ins Pressing gekommen, haben nicht viele Balleroberungen gehabt", bilanzierte Seiwald, der nicht nur wegen seines Tores Extralob von Trainer Matthias Jaissle bekam: "Er hat eine Topleistung gezeigt, macht das richtig gut."

Mit einem Durchschnittsalter von 22 Jahren und 180 Tagen unterboten die Salzburger neuerlich ihre jüngste Königsklassen-Elf - trotz des bald 37-jährigen Kapitäns Andreas Ulmer. "Es ist sensationell, was wir in dieser Saison in der Champions League wieder machen. Wir rauschen da durch mit der jüngsten Truppe - und sind noch ungeschlagen", meinte der Deutsche. Jetzt gilt es, die Früchte des Erfolges in den Winter mitzunehmen - und damit sind keine (sauren) Gurkerln gemeint. "Wir haben jetzt noch zwei absolute Kracher vor der Brust. Wofür es am Ende reicht, werden wir dann sehen", so Jaissle.