Sturm Graz steuert in der Europa League auf ein veritables Herzschlagfinale zu. Mit dem spektakulären 2:2 im hektischen Schlagabtausch mit Lazio in Rom hielten sich die Grazer alle Aufstiegsoptionen in der engen Gruppe F offen. Die Elf von Christian Ilzer blickte bereits mit Revanchegelüsten zum in zwei Wochen anstehenden Rückspiel gegen Feyenoord in Graz. Der überraschende Punktgewinn in Italien wurde mit gemischten Gefühlen eingeordnet, da in Überzahl mehr drinnen gewesen wäre; überschwänglich gefeiert wurde indes Doppelpacker William Böving.

"Ich bin ein bisschen hin- und hergerissen, man muss hier zufrieden sein, aber ich bin auch ein bisschen enttäuscht", befand Goalie Jörg Siebenhandl. Er und seine Kollegen hatten sich zunächst nur widerwillig von den 1.500 mitgereisten Sturm-Fans feiern lassen. Im Vorfeld illusorisch, nun aber wahr: Die kleine Enttäuschung, dass in den Duellen mit Lazio eine dickere Ausbeute als zwei Punkte möglich war, klatschte bei der Verabschiedung mit.

Weil auch Feyenoord und Midtjylland neuerlich remisierten (2:2), halten alle vier Teams nach vier von sechs Spielen bei fünf Punkten. "Dass die Gruppe so offen ist, hätte ich nicht erwartet. Wir haben alle Trümpfe in der eigenen Hand", befand Siebenhandl, dessen Truppe zum Abschluss in Dänemark gastiert. Die ersten beiden Teams steigen auf, der Dritte steigt in die K.o.-Phase der Conference League um. "In der Gruppe ist alles offen, wir haben zwei Finalspiele für uns und brennen schon auf das Spiel gegen Feyenoord", meinte Ilzer, nicht ohne die reife Leistung seiner Mannschaft gegen Lazio zu würdigen.

Insbesondere die zweite Hälfte, als Sturm nach Gelb-Rot für Heißsporn Manuel Lazzari in Überzahl agierte, wertete Ilzer als "beeindruckend". "Ärgerlich ist für mich aber, dass wir dann das Gegentor hinnehmen müssen, in einer Phase, wo wir richtig am Drücker waren." Der Treffer von Pedro, bei dem letztlich auch Siebenhandl nicht gut aussah, sei Passivität geschuldet. "Lazio hat auch die individuelle Klasse mit einem Mann weniger für Gefahr zu sorgen."

Mit etwas Schiedsrichter-Glück hätte es Sturm im zweiten Durchgang nur noch mit neun Laziali zu tun gehabt. Der aufreizend auftretende Stürmer-Star Ciro Immobile sorgte mit einem Foulelfmeter für das 1:0, tänzelte ansonsten mit Schubsern gegen Jon Gorenc-Stankovic, Gregory Wüthrich und Siebenhandl sehr knapp am Platzverweis. "Er war außer unsympathisch nur unsympathisch. Ich bin froh, dass ich ihn nicht mehr sehen muss", befand Siebenhandl. Hauptverantwortlich für den Punktgewinn war Böving - der 19-jährige Däne betrieb damit auch enorme Eigenwerbung. "Sturm Graz glänzt mit Böving: Er schafft einen Doppelpack mit der Kaltblütigkeit und dem Talent eines Starstürmers", schrieb die "Gazzetta dello Sport" während "Tuttosport" lobte: "Seine Schüsse sind tödlich, sein Doppelpack ist Gold wert."

Nun wartet auf den Vizemeister und Tabellenzweiten aber wieder der Liga-Alltag - am Sonntag kommt der Sechste WAC nach Graz zum Pack-Derby. Ilzer hofft, dass bis dahin die Kräfte zurückkehren: "Es ist in allen Bereichen eine große Müdigkeit da."

Neuerlich ein Kaliber wartet indes auf die Wiener Austria: Nach dem Gastspiel von Champions-League-Halbfinalist (2022) und Europa-League-Sieger (2021) Villarreal in der Generali-Arena gastiert am Sonntag Serienmeister Salzburg in Favoriten. Nach der unglücklichen 0:1-Niederlage in der Conference League gegen die Spanier hoffen die Violetten auf mehr Fortune. "Ich kann der Mannschaft nur ein Kompliment aussprechen", lobte Coach Manfred Schmid. "Wir haben einen Weltklasse-Verein dazu gebracht, dass er sich richtig schwertut, sich Chancen herauszuspielen. Jeder hat genau das gemacht, was wir uns vorgenommen haben. Taktisch eine Riesenleistung von uns", konstatierte auch Kapitän Manfred Fischer.

Dass am Ende dennoch nichts Zählbares heraussprang, lag an der Cleverness der Spanier, die kurz vor Schluss einen Fehler in der Defensive eiskalt ausnutzten. Damit erlitten die Aufstiegsambitionen der Austrianer einen herben Dämpfer - für Rang zwei in Gruppe C braucht es in zwei Wochen nun einen Heimsieg über Lech Posen, um sich damit für den letzten Spieltag ein Finale in Israel (Be’er Sheva) zu erarbeiten.(may/apa)