Europacupstarter gegen Regionalligist, Millionenmannschaft gegen Amateurtruppe, David gegen Goliath: Der ÖFB-Cup lebt von Partien wie jener zwischen dem Wiener Sport-Club und der Austria, die heute Abend (20.30 Uhr, ORF-Sport+) im Flutlicht von Hernals den Schlusspunkt der Achtelfinalphase setzt. Die Begegnung lebt weniger von der Rivalität als vielmehr von der langen Historie. "Ein Wiener Derby ist immer etwas Besonderes", sagt Austria-Trainer Manfred Schmid.

Erstmals trafen sich die Mannschaften im Oktober 1911, die Austria hieß noch Amateur-Sportverein, gespielt wurde auf dem WAC-Platz im Prater - das Match endete 2:2. 1921 kam es zum ersten Aufeinandertreffen im Cup, und das gleich im Finale des Bewerbs. Vor 15.000 Zuschauern auf der Hohen Warte gewannen die Amateure 2:1. "Nun haben wir doch zu guter Letzt ein richtiggehendes Cup-Spiel zu schauen bekommen: Schön war’s nicht, jedoch ungeheuer aufregend, nervenpeitschend bis zur letzten Sekunde", berichtete das "Sport-Tagblatt". Im Jahr darauf gewann der Sport-Club die Meisterschaft, 1924 erstmals den Cup. Doch das Match auf der Hohen Warte steht stellvertretend für viele Partien zwischen den beiden Klubs. Auch ein Blick in die stolze Geschichte des Sport-Clubs spendet dem Außenseiter für die heutige Partie nur einen Funken Hoffnung.

Pokalerfolg mit Welzl

Elf weitere Male sind die Mannschaften seit 1921 im Cup aufeinandergetroffen, aber nur eine einzige Partie davon gewann der Sport-Club. Es war das Viertelfinalrückspiel 1973. Das Hinspiel am Sport-Club-Platz endete remis, der 17-jährige Stürmer Kurt Welzl glich die Partie zehn Minuten vor Schluss nach einem Sololauf aus.

Gerade einmal 2.500 Zuschauer kamen vier Tage später zum Entscheidungsspiel ins Praterstadion. Die Sport-Club-Anhänger unter ihnen hatten wahrscheinlich noch nicht einmal ihren Platz gefunden, als sie der deutsche Legionär Lothar Ulsaß mit einem Kopfballtor zum Jubeln brachte. Die Austria drängte in der Folge auf den Ausgleich, Alberto Martinez belohnte die Bemühungen schließlich mit dem 1:1. "Aber damit hatten die Violetten ihr Pulver verschossen", hieß es in der Meldung der Apa. "Sie führten ‚Barock-Fußball‘ mit vielen Schnörkeln und Verzierungen vor, die den Endzweck - nämlich das Toreschießen - nur noch entfernt erahnen ließen." Nach einer guten Stunde spielte Ulsaß schließlich Welzl frei, der zum 2:1 traf. Im Halbfinale scheiterte der Sport-Club aber mit einem Gesamt-Score von 5:10 am SK Rapid, den Pokal gewann die Spielgemeinschaft Swarovski Wacker Innsbruck.

1974 wechselte Welzl dorthin, er wurde zum "Gurkerlkönig", technisch überragend und torgefährlich. 1975 debütierte er im Nationalteam, 1978 schloss er sich dem AZ Alkmaar an, 1981 dem FC Valencia. Der Stern des Vereins, bei dem Welzl das Fußballspielen gelernt hatte, verglühte aber. Im Jahr, als der junge Stürmer nach Tirol ging, stieg der Sport-Club ab. Der Grund war kein sportlicher: Die neue Bundesliga sollte aus nur zehn Mannschaften bestehen, nicht mehr als zwei davon aus Wien. Die Großklubs Austria und Rapid hielten die Klasse, neben dem Sport-Club mussten auch die Vienna und Simmering den Gang in die zweite Liga antreten. Auch wenn die regionale Reglementierung nicht lange Bestand hatte und die Dornbacher 1977 ins Oberhaus zurückkehrten, schlossen sie nie mehr an alte Erfolge an. Durch Konkurse gebeutelt, fand sich der Klub phasenweise nur mehr in der Stadtliga wieder. Immer wieder drohte der finale Bankrott.

Mittlerweile hat sich der Klub in der Regionalliga etabliert. Im Vorjahr wurde er hinter Aufsteiger Vienna und Emporkömmling Stripfing Dritter, in die heurige Saison war er mit Ambitionen gestartet. Nach gutem Beginn setzte es zuletzt aber wechselhafte Ergebnisse. Aktuell rangiert die Mannschaft von Trainer Robert Weinstabl auf dem fünften Platz. Ein Ausrufezeichen gelang den Dornbachern aber im Cup. Nach dem Auftaktsieg gegen SAK Klagenfurt, besiegten sie in der zweiten Runde die Lustenauer Austria 2:0. Mittelfeldspieler Ivan Andrejevic erzielte beide Tore. "Die Spieler haben von der ersten Minute an gefightet, waren immer präsent", sagte Weinstabl nach der Partie Ende August.

Austria mit nötigem Respekt

Wenn dem Sport-Club das auch heute Abend gelingt, könnte die Mannschaft der Austria das Leben schwermachen. Auf die Unterstützung des Publikums kann sie sich jedenfalls verlassen: Das Stadion in Hernals ist ausverkauft, auch die "blaue Tribüne", auf der die Fans der Gäste stehen, ist voll. Es werden wohl mehr Leute zuschauen als beim Sieg im Viertelfinale 1973.

Kaum vorstellbar, dass das den Bundesliga-Fünften aus Favoriten aus dem Konzept bringen wird. "Mit dem nötigen Respekt und der nötigen Ernsthaftigkeit" soll seine Mannschaft ins Spiel gehen, sagt Austria-Coach Schmid. Im Normalfall sollte das reichen, aber ganz normal läuft eine Cup-Partie ja selten ab.