Drei Spiele und 24 Minuten lief es für Philipp Riederer sehr gut. Der 31-Jährige wurde Mitte September Trainer beim SV Horn. Die Mannschaft gewann gegen Vorwärts Steyr, die Admira, die Amateure des SK Rapid - und übernahm damit die Tabellenführung der 2. Liga. Nicht schlecht für einen Verein, der in den Vorjahren die Ränge 13, 16 und 13 belegte. Dann kam am Dienstag die SV Ried im Cup zu Besuch ins Waldviertel: Nach nicht einmal 20 Minuten führte Horn 2:0, das Viertelfinale war in greifbarer Nähe. In der 24. Minute aber beging Innenverteidiger Niklas Hoffmann als letzter Mann ein Foul und sah Rot, der "Bruch im Spiel", wie Riederer es nach der Partie nannte.

Die Oberösterreicher erhöhten den Druck, aus der Cup-Überraschung wurde nichts. In der Nachspielzeit der zweiten Hälfte machte Oliver Kragl per Nachschuss den 3:2-Siegtreffer für den Bundesligisten. "Ich denke, ohne den Ausschluss wäre die Partie zu unseren Gunsten ausgegangen", meinte der Horn-Coach. "Aber so ist das im Fußball. Es geht alles sehr schnell."

Zuletzt ist es auch für Riederer sehr schnell gegangen. Bis Mitte September trainierte er die Amateurmannschaft des SV Horn in der niederösterreichischen 1. Klasse (7. Leistungsstufe), die Gegner dort heißen nicht Ried, Steyr und St. Pölten, sondern Spitz, Hollenburg und Ruppersthal. Nebenher war er als Videoanalyst für die Profis tätig. Dann aber geriet Chefcoach Rolf Landerl mit Geschäftsführer Andreas Zinkel aneinander. Am Ende des Konflikts stand die einvernehmliche Trennung, auch Landerls Betreuerstab verließ den Verein. Riederer übernahm den Posten gemeinsam mit Michael Hennebichler, der davor Leiter des Nachwuchsleistungszentrums der Waldviertler war. "Wir haben eine sehr gute Mannschaft übernommen", sagt er. "Deswegen haben wir die Spielanlage auch belassen." Wurde das Duo zunächst nur interimistisch bestellt, darf es nun mindestens bis zur Winterpause bleiben.

Dennoch ist Riederer bis auf weiteres noch immer Trainer der Amateure. Er komme aber nur mehr zu Spielen, das Training findet gemeinsam mit der U18 statt. Der sportliche Höhenflug des Tabellenführers der 2. Liga ist nicht nur wegen der Personalie Riederer bemerkenswert. Denn in den vergangenen Jahren machte der Klub eher mit internen Querelen Schlagzeilen, Landerls Abschied war dafür nur das jüngste Beispiel. Im Oktober 2020 trennte sich der Verein nach nur sechs Tagen von Trainer Davor Mladina, wenig später kündigte man die Zusammenarbeit mit dem nordmazedonischen Sponsor UFA Media, der Mladina vermittelt hatte. Das Unternehmen, das Fernsehrechte vermarktet, war nicht der erste ausländische Investor: Im Juni 2015 stieg ein japanisches Konsortium um den ehemaligen Milan-Star Keisuke Honda bei den Waldviertlern ein. Honda wollte mit Horn gar in die Champions League. 2018 endete die Zusammenarbeit - da spielte Horn wieder in der Regionalliga. Das wirtschaftliche Überleben des Klubs sichert letztlich der Ehrenpräsident, Immobilienunternehmer Thomas Kronsteiner, der seit den frühen 1990er Jahren als Gönner agiert.

Die Nummer 1 von NÖ

Neo-Coach Riederer, seit 2019 beim Verein, kümmert sich lieber darum, was auf dem Spielfeld passiert. Da bekommt es sein Team am Samstag im NÖ-Derby mit dem SKN St. Pölten zu tun. Die Mannschaft aus der Landeshauptstadt ist mit sechs Punkten Rückstand auf Horn Sechster. Nach dem Admira-Abstieg ist Horn derzeit sogar die Nummer eins im größten Bundesland. An das verlorene Spiel gegen Ried will der Trainer nun nicht mehr denken - er und die Mannschaft hätten es schon am Mittwoch abgehakt, sagt er. Inspiration für das Spiel gegen die St. Pöltner soll stattdessen eine andere Cuppartie liefern. In der zweiten Runde besiegten die Waldviertler den SKN mit 3:1. "Wir haben da gezeigt, wie gut wir sie bespielen können", sagt Riederer. "Genau da wollen wir anknüpfen."