In der 93. Minute brachen am Donnerstagabend im Grazer Liebenau-Stadion die Dämme. Der monatelang verletzungsgeplagte Otar Kiteishvili bescherte Sturm Graz mit seinem Treffer in der Nachspielzeit einen 1:0 (0:0)-Sieg gegen Feyenoord Rotterdam, der das Tor zum Aufstieg weit öffnete. "Der Moment, als Otar das Siegestor schießt, ist einer der schönsten meiner Trainerkarriere", sagte Trainer Christian Ilzer und sprach von einem "extrem emotionalen Sieg."

Sein Team stand in der ersten Hälfte schwer unter Druck und kam nur dank starker Paraden von Torhüter Jörg Siebenhandl mit einem schmeichelhaften 0:0 in die Halbzeit. "Es war eine sehr schwierige erste Halbzeit, da war es wichtig, dass wir schadlos davongekommen sind", gestand Ilzer.

Eine laut Abwehrchef Gregory Wüthrich lautstarke Kabinenansprache und die Einwechslungen von Emmanuel Emegha und Kiteishvili ließen das Spiel aber zugunsten der Grazer kippen. "Wir haben in der zweiten Halbzeit ganz anders agiert. Mit hoher Energie und Zuversicht und hatten im Mittelfeld insbesondere nach den Einwechslungen die Kontrolle", erklärte Ilzer, der mit seinen zwei frischen Kräften eine gute Hand bewies.

Ein Stangenköpfler von Emegha (64.) sei für die Mannschaft "ein Signal" gewesen, Kiteishvili war schließlich nach einem Freistoß zur Stelle, nahm sich den Ball ideal mit und traf aus der Drehung. Eine Erlösung auch ganz besonders für den Georgier, der nach einem Syndesmosebandriss im Herbst des Vorjahres mit vielen Rückschlägen zu kämpfen hatte.

"Otars Siegestor nach der langen Leidenszeit macht mir eine besondere Freude", meinte Ilzer daher. "Das letzte Jahr war keine einfache Zeit für ihn. Da muss man stark im Kopf sein, er hat nicht gehadert, war stets fokussiert", erzählte der Coach, der hofft, dass Kiteishvili bald wieder ganz zu alter Stärke zurückfindet.

Nicht nur Kiteishvili, auch die anderen verletzten Spieler haben sich wieder fit gemeldet, lediglich Jon Gorenc-Stankovic fehlte wegen einer Erkrankung. Für Ilzer ergeben sich dadurch in Zeiten vieler englischer Wochen wieder mehr Möglichkeiten. An den Rhythmus, so sagt der 45-Jährige, haben sich seine Spieler aber ohnehin schon gewöhnt. "Wir haben auch schon in Salzburg und in Rom (gegen Lazio) so wie heute in der zweiten Halbzeit nachgesetzt", freute sich Ilzer über die Fitness und Moral seines Teams.

Ohne Niederlage

Das hat Sturm eine beachtliche Serie von mittlerweile neun Pflichtspielen ohne Niederlage eingebracht. Am Donnerstag gelang nun auch die Revanche für das 0:6-Debakel in Rotterdam, die vor allem eine tolle Ausgangsposition für den Aufstieg aus der Europa-League-Gruppe-F brachte.

Die Grazer liegen punktgleich mit Lazio Rom (je 8) auf Rang zwei, je drei Punkte vor Feyenoord und Midtjylland. Schon mit einem Punkt nächsten Donnerstag (18.45 Uhr) in Dänemark gegen Midtjylland ist zumindest Rang zwei und ein Play-off-Duell mit einem Gruppendritten der Champions League sicher. Rang drei würde den Umstieg in das Conference-League-Play-out bedeuten. "Wir haben nun eine gute Ausgangslage, aber es ist nichts finalisiert. Wir sind in einer Woche in Midtjylland gefordert. Am besten nicht rechnen, sondern gewinnen", sagte Ilzer. (apa)