Als die Frauen des FC Wacker Innsbruck 2007 in die Bundesliga aufstiegen, sah die Welt dort ganz anders aus. Keine Rede war von Teams des SKN St. Pölten, der Wiener Austria oder des SK Sturm, die Liga dominierte der SV Neulengbach. Wacker war der einzige Verein, der nicht nur bei den Männern, sondern auch bei den Frauen einen Bundesligisten stellte - zudem den einzigen westlich von Linz. Wacker war ein Vorreiter.

Dank der modernen Trainingsmöglichkeiten, die die Frauen mitbenutzen konnten, etablierte sich Wacker als zweitbestes Team der Liga. Von 2008 bis 2010 wurde die Mannschaft drei Mal Zweiter, 2012 stieß sie ins Cupfinale vor. Erst als mehr Klubs aus dem Männersport Frauensektionen aufbauten, rutschten die Innsbruckerinnen ins Mittelfeld ab.

Pleite im Sommer

Heute ist Wacker die Lachnummer der Liga. Nach sieben Spieltagen hat die Mannschaft noch kein Tor geschossen, am vergangenen Wochenende verlor sie 0:16 gegen Sturm. Die Probleme sind nicht allein sportlicher Natur. Die Auswärtsspiele bei der Vienna und der Austria konnte Wacker erst gar nicht bestreiten. Einmal weil nicht genug Geld für die Reise nach Wien da war, das zweite Mal standen nicht genug Spielerinnen zur Verfügung.

Wovon das Team einst profitierte, Teil eines Profibetriebs zu sein, wurde zum Verhängnis. Nach mehrjährigem Überlebenskampf meldete im Juni die GmbH des FC Wacker Innsbruck Insolvenz an. Diese sollte zwar nur für den Spielbetrieb des Männerteams geradestehen, im Juli berichtete Insolvenzverwalter Herbert Matzunsk: "Gab es freie Mittel im Verein oder in der GmbH, wurden damit die dringlichsten Verbindlichkeiten abgedeckt."

Die Frauen warteten da schon seit April auf ihre Aufwandsentschädigungen, die Auswärtsfahrt zur Vienna am Ende der vergangenen Saison zahlten die Fans, wie Kapitänin Miriam Hochmuth erzählt. Das Verhältnis zum Verein hat sich dadurch verkompliziert. Viele ihrer Kolleginnen hatten im Sommer genug: Eva Maria Dengg, Hochmuths Vorgängerin als Kapitänin, verließ den Verein ebenso wie die Leistungsträgerinnen Jana Mayr, Sara Ito, Nina Haaser und Diana Lemesova. Hochmuth aber blieb, gemeinsam mit anderen entschied sie sich, dem Verein die Treue zu halten, er hätte sonst auch nicht mehr genug Spielerinnen gehabt, um in diese Saison zu starten. "Uns ist versichert worden, dass das Jahr ausfinanziert ist", sagt Hochmuth. Doch schon das erste Auswärtsspiel in Wien konnte die Mannschaft nicht bestreiten. Das Geld für den Bus fehlte.

Keine Lizenz

Gäbe es in der Frauen-Bundesliga ein Lizenzierungsverfahren wie bei den Männern, Wacker hätte wohl die Starterlaubnis nicht bekommen. Aber eine solche Regelung fehlt in den Statuten der Liga. Wer sich sportlich qualifiziert, hat das Recht anzutreten. Und als Achte des Vorjahres war das den Innsbruckerinnen nicht zu nehmen. "Natürlich sind wir über die Situation in Innsbruck nicht glücklich", sagt Isabel Hochstöger, Leiterin der Frauenfußball-Abteilung des ÖFB. "Aber wir arbeiten an einem Konzept für die Lizenzierung. Unser Plan sieht vor, dass wir in der Saison 2024/25 damit beginnen." Eine Möglichkeit, Wacker aus dem Bewerb zu nehmen, hat der Verband allerdings. In seiner Rechtspflegeordnung ist festgeschrieben, dass, wenn eine Mannschaft drei Mal in einer Saison zu einer Partie nicht antreten kann, ein Wettbewerbsausschluss beantragt werden könnte. "Nach den beiden Absagen in Wien hat Wacker schon zwei Strikes", sagt Hochstöger.

Einen dritten wird es nicht geben, versichert Wacker-Teammanager Thomas Mayr, der das Amt im September übernahm. Der Kader sei mittlerweile groß genug, die letzte Auswärtsfahrt vor der Winterpause am Sonntag (16.30 Uhr) nach St. Pölten fixiert. "Und im Frühling werden wir keine Probleme mehr haben. Dann sind wir auch sportlich konkurrenzfähig."

Verhandlungen mit dem Klub

Den Kampf um den Ligaerhalt haben die Innsbruckerinnen noch nicht aufgegeben. Sie fechten parallel dazu aber auch einen zweiten aus. "Wir wollen finanziell unabhängig vom Wacker sein", sagt Kapitänin Hochmuth. "Der Klub ist angeschlagen und schaut, dass die Männer aus der vierten Liga schnell wieder nach oben kommen. Ich verstehe das. Aber wir wollen auf uns schauen können." Es gehe darum, wirtschaftliche Entscheidungen und Sponsorenakquise selbst angehen zu können, ohne auf die Klubverantwortlichen warten zu müssen. Am Nationalfeiertag kam es zu einer ersten Verhandlungsrunde zwischen der Frauensektion und den Klubfunktionären. Hannes Rauch, seit August Präsident des Vereins, hat daran zwar nicht teilgenommen, sei aber im Bilde. Er spricht sich auf Anfrage für einen Verbleib der Frauen unter dem Wacker-Dach aus. "Aber wir wissen natürlich, dass wir als Amateurverein finanziell nicht mehr viel beitragen können."

Für Hochmuth und Mayr, der sich auch für die finanzielle Unabhängigkeit der Frauensektion ausspricht, geht es um mehr als die sportliche Konkurrenzfähigkeit. In Tirol gibt es neben Wacker kein Frauenteam in der Bundesliga. Würde die Mannschaft verschwinden, gäbe es für die Mädchen im Bundesland keine Anlaufstelle mehr. "Jedes Bundesland hat es geschafft, den Frauenfußball nachhaltig nach vorne zu bringen", sagt Hochmuth, die selbst 2012 mit 15 Jahren zu Wacker kam und mit 17 in der Bundesliga debütierte. "Wir müssen in Tirol nachziehen."