Die Ablösung der Vereinigung der Fußballer (VdF) vom ÖGB nimmt weiter ihren Lauf. Wie berichtet wirft die VdF der zuständigen Teilgewerkschaft younion vor, dass sie in ihrer Unabhängigkeit beschnitten wird. Büroräumlichkeiten, Dienstreisen und Personal wären ohne ersichtlichen Grund reduziert worden, kritisieren die Fußballer. Sie möchten deshalb einen unabhängigen Verein gründen, ihre Mitglieder und die von ihnen bezahlten Beiträge mitüberführen. Übernächste Woche kommt es zur womöglich letzten Sitzung zwischen den Konfliktparteien. Die Verhandlungsposition der VdF ist gut, weil es ihr gelungen ist, die allermeisten ihrer aktiven Mitglieder von einem Wechsel in einen unabhängigen Verein zu überzeugen. Einen großen Anteil daran haben die Spielervertreter, mit deren Hilfe die Fußballergewerkschaft in jeder Mannschaft der ersten beiden Ligen verankert ist. Sie sind für den kontinuierlichen Austausch zwischen Gewerkschaft und Profis zuständig.

VdF hilft im Konkursfall

Christopher Dibon ist so ein Spielervertreter. "Das erste Mal begriffen, wie wichtig die Gewerkschaft ist, habe ich bei der Admira", sagt er. "Da ist der Verein in Konkurs gegangen, und es gab jemanden, der sich um uns umgeschaut hat." Das war 2008, damals war Dibon 17 Jahre alt. Heute ist er Kapitän des SK Rapid. Von 2015 bis 2021 war er zudem im Spielerpräsidium der Fußballergewerkschaft, einem sechsköpfigen Gremium, mit dem Profis direkt in die Gewerkschaftsarbeit miteinbezogen werden sollen. Ungefähr 60 Prozent seiner Mannschaft seien Mitglied bei der VdF, schätzt Dibon. Schon im Frühjahr hat er von Spannungen zwischen Gewerkschaft und VdF gehört. Dass diese eskalieren würden, sei ihm erst Ende Oktober, kurz bevor die Öffentlichkeit davon erfuhr, zugetragen worden. Vom Schritt hinaus aus dem ÖGB ist er überzeugt.

"Ich habe gehört, dass mich jemand von der younion anrufen und mich vom Verbleib überzeugen will", sagt er. "Aber das Engagement kommt ein bisschen zu spät. Ich habe bei unseren Sitzungen noch nie jemanden von der younion gesehen."

Ähnlich schätzt Christopher Cvetko die Lage ein. Er ist zwar nicht Kapitän seiner Mannschaft, der Klagenfurter Austria, aber dennoch Spielervertreter. Gewählt wird man in diese Funktion nicht, sagt Cvetko, die Gewerkschaft trage sie einem an. Schon bei seinem letzten Verein, dem FC Juniors Oberösterreich, habe er sie ausgefüllt. "Als ich dann nach Klagenfurt gekommen bin, hat mich die VdF gefragt, ob ich das bleiben möchte."

Auch Cvetko wurde im Frühjahr über das schwierige Verhältnis zum ÖGB informiert. Schon im Sommer hat er die Vollmacht unterschrieben, mit deren Hilfe die VdF Cvetkos Mitgliedschaft in einen neuen Verein überführen kann. "Mir ist zugesichert worden, dass der Service gleich bleibt", sagt er. "Dann spricht nichts gegen die Trennung."

Wie Cvetko war auch Michael Brandner, Kapitän und Spielervertreter von Blau-Weiß Linz, nie persönlich auf die Gewerkschaft angewiesen. Die Zahlungsmoral seiner bisherigen Arbeitgeber wäre gut gewesen, einen Konkurs hat er noch nicht miterlebt. Aber er zahlt seinen Mitgliedsbeitrag in der Höhe von 19 Euro monatlich gerne. "Es geht nicht nur um mich", sagt Brandner. "Wir müssen froh sein, dass wir eine aktive Vertretung haben." Auch er hat die Vollmacht schon unterzeichnet, würde den Weg aus dem ÖGB also ebenfalls mitgehen.

Streitfrage Kollektivvertrag

Für Brandner, der in der zweiten Liga spielt, hat der Fortbestand des Kollektivvertrags, den die VdF seit 2008 mit der Bundesliga verhandelt, besondere Bedeutung. Darin festgeschrieben ist unter anderem der Mindestlohn, der sich aktuell auf 1.650 Euro brutto beläuft. "Er sorgt dafür, dass auch die Jungprofis vom Fußballspielen leben können."

Es ist nicht vorgesehen, dass Vereine, die nicht im ÖGB organisiert sind, auf Arbeitnehmerseite einen Kollektivvertrag verhandeln. Wenn aber das Bundeseinigungsamt des Sozialministeriums urteilt, dass eine unabhängige Körperschaft genug Arbeitnehmer vertritt, kann es Ausnahmegenehmigungen erteilen. Die VdF ist optimistisch, dass das bis 2027 gelingt. Bis dann läuft der aktuelle Kollektivvertrag.