Er ist der jüngste Spieler der deutschen Bundesliga-Geschichte, der jüngste Torschütze derselben, der jüngste Akteur, der je von einem deutschen Klub in der Champions League aufgeboten wurde. Es wäre müßig, weitere Jugend-Rekorde aufzuzählen. Einer sticht aber besonders heraus: Er ist auch der jüngste Spieler in einem deutschen WM-Aufgebot.

Am Donnerstag nominierte Bundestrainer Hansi Flick Youssoufa Moukoko in sein 26-Mann-Aufgebot für die WM in Katar. Wenn Deutschland am 23. November zu seinem Auftaktmatch in Gruppe E gegen Japan antritt, wird Moukoko gerade einmal 18 Jahre und drei Tage alt sein. Es könnte sein erster Einsatz im A-Teamtrikot werden.

Als zweiten Neuling holte Flick für seine erste WM, das erste Großereignis nach der 15 Jahre dauernden Ära Joachim Löw, Werder-Torjäger Niclas Füllkrug ins Team. Ebenso dabei sind der Ex-Salzburger Karim Adeyemi und Mario Götze, der die Deutschen 2014 zum bisher letzten Titel geschossen, seit 2017 aber Sendepause gehabt hat. "Wir alle wissen, welch genialer Fußballer Mario ist. Er ist ein Fußballer, der Genieblitze hat. Seine letzten Spiele waren auf ganz hohem Niveau", sagt der Teamchef, der indessen auf Routinier Mats Hummels und Pechvogel Marco Reus verzichten muss, der den Wettlauf gegen die Zeit zum wiederholten Mal verloren hat.

Auch der Ex-Salzburger Karim Adeyemi kommt zu seinem WM-Debüt. 
- © reuters / Thilo Schmuelgen

Auch der Ex-Salzburger Karim Adeyemi kommt zu seinem WM-Debüt.

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Viele Augen der Fans, aber auch großer Klubs werden aber ohnehin auf Moukoko gerichtet sein. Bei Borussia Dortmund ist er alle Nachwuchsstationen durchlaufen, ehe er seit 2020 dem Profikader angehört. Damals musste die Liga erst ihr Altersreglement ändern, dass er überhaupt mit 16 Jahren (und einem Tag) ein Match in der obersten Spielklasse bestreiten durfte.

"Er hat die Gegenspieler regelmäßig auf einen Horrortrip geschickt."

Der "kicker" im Jahr 2020

Die Gegenspieler in den Juniorenklassen werden es ihr gedankt haben. Schon vor seinem Debüt bei den Profis schrieb das Fachmagazin "kicker", er sei bei Gleichaltrigen "auf geradezu groteske Weise unterfordert" gewesen. "Er hat die Gegner im Nachwuchsbereich regelmäßig auf einen Horrortrip geschickt. Er hat sie vernascht, verladen und bei ihnen Schwindelanfälle ausgelöst."

Eine Garantie für einen schnellen Durchbruch bei den Profis geben solche Vorschusslorbeeren freilich nicht. Doch Moukoko ließ sich weder von physisch stärkeren Gegnern, noch vom plötzlichen Rampenlicht oder negativer Begleitmusik wie rassistischen Anwürfen oder Zweifel an seinem Alter beirren. Seine Trainer attestierten ihm schon von Kindesbeinen an ein außergewöhnliches Maß an Professionalität, Disziplin und Ruhe. In dieser Saison bestritt er fast alle Spiele und erzielte sechs Tore in 13 Partien. "Er ist schnell, quirlig und hat einen guten Abschluss", sagt Flick, der aus der Not, Torjäger Timo Werner verletzt vorgeben zu müssen, eine Tugend machen will.

Der Schritt auf die WM-Bühne, auf der es Deutschland außerdem mit Spanien und Costa Rica zu tun bekommt, ist noch einmal ein anderer Sprung. Doch große Sprünge sind Youssoufa Moukoko mittlerweile nicht mehr allzu fremd.