Alexander Wrabetz hat am Donnerstag im Allianz Stadion erstmals auf einer Pressekonferenz seine Ziele als künftiger Rapid-Präsident skizziert. An oberster Stelle stehe ein möglichst rascher sportlicher Erfolg, betonte der ehemalige ORF-Generaldirektor. Gelingen soll dies unter anderem durch eine Budget-Erhöhung und eine Verbesserung im Scouting-Bereich.

Keine konkreten Ansagen gab es im Personalbereich.
Die Bestellung eines neuen Geschäftsführers Wirtschaft könnte noch bis März auf sich warten lassen. Welche Rolle der aktuelle Sportchef und Trainer Zoran Barisic in Zukunft einnehmen wird, ist ebenfalls offen.

Wrabetz steht an der Spitze einer Liste, die am 26. November im Rahmen der Rapid-Hauptversammlung gewählt wird. Eine Kampfabstimmung wie vor drei Jahren wird diesmal vermieden.

Zum etwa 80-minütigen Pressetermin erschienen rund 40 Medienvertreter. "Bei meinen drei Wahlen zum ORF-Generaldirektor waren in Summe nicht so viele Journalisten wie heute da", meinte Wrabetz. Das große Interesse zeige die Bedeutung, die Rapid in der Öffentlichkeit habe. "Für mich ist das der wunderbarste Fußball-Verein der Welt." Auch international sei Rapid "der anerkannteste und bekannteste österreichische Fußball-Verein", so Wrabetz.

"Alles dem sportlichen Ziel untergeordnet"

In den vergangenen Jahren konnten die Erfolge allerdings nicht mit der Popularität Schritt halten. Seit 2008 wartet Rapid auf einen Titel, derzeit liegen die Hütteldorfer in der Bundesliga auf Platz vier, die Teilnahme an der Conference-League-Gruppenphase wurde im Sommer gegen Vaduz verspielt. Die darauffolgenden Fan-Proteste führten zum Abgang des aktuellen Präsidiums. Nun übernimmt Wrabetz, dem unter anderem WU-Wien-Rektorin Edeltraud Hanappi-Egger als Vizepräsidentin und Ex-Rapid-Profi Michael Hatz zur Seite stehen.

Wrabetz zeigte sich zuversichtlich, mit seinem Team eine Trendwende einleiten zu können. "Das wichtigste Ziel ist der sportliche Erfolg. Alles hat sich dem unterzuordnen, dass wir möglichst rasch auf die sportliche Erfolgskurve kommen", erklärte der 62-Jährige. In diesem Zusammenhang spielen die Finanzen eine entscheidende Rolle. Folgerichtig soll das Budget, das sich zuletzt zwischen 40 und 50 Millionen Euro bewegte, auf 60 Millionen Euro angehoben werden. "Ein ambitioniertes Ziel, aber es ist notwendig, das zu verfolgen", meinte Wrabetz. Für den Sportbereich seien 30 Millionen Euro und damit fast doppelt so viel wie bisher vorgesehen.

Wer als Geschäftsführer Wirtschaft für den Etat zuständig sein wird, ist noch nicht geklärt. Laut Wrabetz soll demnächst ein Interims-Nachfolger für Christoph Peschek installiert werden, der neue Wirtschafts-Chef wird bis spätestens Ende März bestellt.

"Sport-Achse" mit Hofmann

Auch die sportliche Leitung ist vakant.
Hatz, im Präsidium für den Bereich Sport verantwortlich, meinte dazu: "Dass Barisic Trainer bleibt, ist eine mögliche Variante. Er hat in den letzten Spielen bewiesen, dass er einen guten Job macht und einen guten Draht zur Mannschaft hat." Es sei "wahrscheinlich und möglich", dass Barisic Trainer bleibt und der Sportchef-Posten nachbesetzt werde. Ein Engagement von Barisic ausschließlich als Geschäftsführer Sport sei ebenfalls denkbar.

Kein Kandidat für diesen Posten ist Steffen Hofmann. "Er strebt sicher nicht die Rolle des Sportdirektors an", berichtete Wrabetz. Rapids Rekordspieler fungiert derzeit offiziell als Sportkoordinator, er zieht am 26. November aber auch ins Präsidium ein - allerdings nur für kurze Zeit. "Er wird die Startphase im Präsidium begleiten und mit uns Weichenstellungen für die Zukunft treffen, aber nach dieser Startphase ins operative Geschäft zurückkehren", erklärte Wrabetz. Die künftige Job-Definition von Hofmann soll noch in diesem Jahr feststehen.

Michael Hatz ist die Stärkung des Scoutingbereichs ein Anliegen. 
- © apa / Tobias Steinmaurer

Michael Hatz ist die Stärkung des Scoutingbereichs ein Anliegen.

- © apa / Tobias Steinmaurer

Gemeinsam mit Hatz werde Hofmann die "Sport-Achse" bilden, erzählte der künftige Rapid-Präsident. Außerdem wird im Präsidium auch Michael Tojner für den Sport zuständig sein. Der Unternehmer gehört weiters mit Wrabetz, Hanappi-Egger, Stefan Singer und Christian Podoschek zum "Team Wirtschaft", das "Team Organisation" bilden Podoschek, Hanappi-Egger, Stefan Kjaer und Nurten Yilmaz.

Tojner steht derzeit im Chorherr-Prozess vor Gericht. "Er ist einer der erfolgreichsten Unternehmer des Landes und einer der größten Rapid-Fans, die es gibt", sagte Wrabetz. Keinen Platz im Präsidium nimmt aus Zeitgründen Andreas Treichl ein, der ehemalige "Erste Group"-Boss wird aber als eine Art Klub-Botschafter agieren.

"Zwischen Krammer und Bruckner"

Wrabetz betonte, man übernehme vom aktuellen Präsidium ein "wohlbestelltes Haus" und werde die operative Leitung den beiden Geschäftsführern überlassen. "Wir wollen keine Co-Geschäftsführung sein." Während sich der demnächst scheidende Präsident Martin Bruckner mit öffentlichen Ansagen eher zurückhielt, war dessen Vorgänger Michael Krammer sehr präsent. "Ich lege es genau in der Mitte zwischen Krammer und Bruckner an", verriet Wrabetz.

Krammer hatte bei seinem Amtsantritt den Vorstoß Rapids unter Europas Top 50 als Ziel ausgegeben. "Das war eine überambitionierte Ansage", sagte Wrabetz und nannte seine Erwartungen: "Rapid muss Top drei (in Österreich/Anm.) und in internationalen Bewerben sein. Das Ziel muss es immer sein, in die Nähe des Meistertitels zu kommen, ohne dass ich das ankündige."

Die sportlichen Misserfolge führten in der Vergangenheit immer wieder zu massiven Fan-Protesten samt Aktionen, die für Kopfschütteln sorgten. Dennoch verteidigte Wrabetz die organisierte Fanszene. "So etwas wie die Rapid-Fans gibt es im positiven Sinn weltweit nicht. Es hat sich in der Fanszene viel verändert - bestimmte Sprechchöre, die früher auch bei Rapid zu hören waren, habe ich im letzten Derby aus dem Austria-Sektor gehört." Er habe mit Ultras und Co. keine Vorgespräche geführt, ergänzte Wrabetz.

Hatz sieht sich als Brückenbauer

Sein künftiger Präsidiumskollege Hatz zog bereits Ende Juni ins Präsidium ein. Der Ex-Italien-Legionär stand ursprünglich auf der Singer-Liste und betätigte sich nach eigenen Angaben als "einer der Baumeister bei der Zusammenführung der Listen". Nun will Hatz unter anderem den Scouting-Bereich verbessern. "Der wurde lange ein bisschen vernachlässigt und unterschätzt. Mittlerweile haben wir ein gutes Team, aber das müssen wir ausbauen und auch neue Kooperationen suchen", meinte Hatz. Neue Märkte sollen erschlossen werden, eventuell auch in Afrika - Ghana ist angeblich in Rapids Blickpunkt gerückt.

Hatz wünscht sich eine durchgehende Spielphilosophie, eine vorausschauende Transferpolitik und sagte außerdem mit Blick unter anderem auf Taxiarchis Fountas: "Rapid darf keine Wohlfühloase sein und auch keine beiläufige Durchlaufstation. Es darf nie wieder vorkommen, dass abwanderungswillige Spieler das Mannschaftsklima vergiften und eine ganze Saison kaputt machen."

So wie Hatz freut sich auch Hanappi-Egger, Schwiegertochter der verstorbenen Rapid-Legende Gerhard Hanappi, auf die bevorstehende Aufgabe. Sie habe die Hoffnung, ihren Schwiegervater stolz zu machen, erklärte die Uni-Rektorin. "Rapid steht für Solidarität, Gemeinsamkeit, soziales Engagement, Vielfalt und Offenheit. Das sind Werte, die auch mir wichtig sind", sagte Hanappi-Egger. (apa)