Dass Bayern-Star Sadio Mané von seinem senegalesischen Trainer trotz Verletzung für die am Sonntag in Katar startende Fußball-WM nominiert wurde, hat für Überraschung gesorgt. Mittlerweile sind auch die Kader der letzten Teams fixiert. Die "Wiener Zeitung" hat die jüngsten Einberufungen auf einen Blick zusammengefasst.

Frankreich: Teamchef Didier Deschamps hat im Kader des Titelverteidigers mit Marcus Thuram nachgeschärft. Der Angreifer von Mönchengladbach erhielt zu Wochenbeginn den letzten Platz im 26-Mann-Kader des Weltmeisters. Thuram komplettiert eine durchaus beeindruckende Offensivabteilung, die Deschamps aufbieten kann. Im Angriff sind auch Karim Benzema, Kylian Mbappe, Antoine Griezmann, Christopher Nkunku, Ousmane Dembele, Kingsley Coman und Olivier Giroud dabei. Einzig Superstar Paul Pogba fehlt verletzungsbedingt.

Mexikos Goalie Guillermo Ochoa zeigte schon bei der WM 2018 in Russland auf. 
- © APA / AFP / BENJAMIN CREMEL

Mexikos Goalie Guillermo Ochoa zeigte schon bei der WM 2018 in Russland auf.

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Mexiko: Die Routiniers Guillermo Ochoa und Andrés Guardado führen Mexikos Kader für die Fußball-WM an. Der 36-jährige Mittelfeldspieler und der ein Jahr ältere Torhüter stehen im 26-köpfigen Aufgebot für das Turnier, das Trainer Gerardo Martino am Montagabend bekannt gab. Ebenfalls mit dabei ist Stürmer Raúl Jiménez, der seit August wegen einer Leistenverletzung nicht mehr gespielt hatte. Der 31-Jährige hatte sich vor fast zwei Jahren in einem Premier-League-Spiel einen Schädelbruch zugezogen und musste anschließend rund neun Monate pausieren.

Kanada:Das nordamerikanische Land zählt zu den markantesten Außenseitern bei der Weltmeisterschaft 2022. Für Kanada handelt es sich um die erst zweite WM-Teilnahme nach 1986, standen die Ahornblätter doch so gut wie immer im Schatten der regionalen Supermächte Mexiko und USA. In der Qualifikation für Katar ließen Les Rouges im Sog von Alphonso Davies und Jonathan David hingegen beide hinter sich und großes Potenzial erkennen. Der aktuelle Aufschwung verdankt sich nicht zuletzt dem Aufkommen zweier Talente, wie sie der Fußball in Kanada davor nicht erlebt hatte: Davies, mittlerweile 22, Bayern-München-Fixgröße auf der linken Seite, und David, 22, Offensivwaffe des OSC Lille. Davies wurde im ghanaischen Flüchtlingslager Buduburam geboren, seine Eltern hatten Liberia wegen des dortigen Bürgerkriegs verlassen. Als er fünf Jahre alt war, ließ sich die Familie in Kanada nieder. David kam in New York als Kind haitianischer Eltern auf die Welt, die Familie wanderte sechs Jahre später von Haiti nach Ottawa aus.

Iran: Sardar Azmoun steht im Kader der iranischen Fußball-Nationalmannschaft für die WM in Katar. Der Leverkusen-Stürmer hat seit Oktober wegen eines Muskelfaserrisses in der Wade kein Spiel mehr absolviert. Zuletzt waren Gerüchte aufgetaucht, der 27-jährige Topstar seines Landes könnte vom iranischen Verband nicht nominiert werden, weil er sich mit den Protesten in seiner Heimat solidarisiert hatte. Der Iran trifft in WM-Gruppe B auf England, die USA und Wales.

Wales: Der walisische Fußballstar Gareth Bale kommt nach eigenen Angaben mit 100-prozentiger Fitness zur Fußball-WM nach Katar. "Ich bin völlig fit und einsatzbereit. Wenn ich drei 90er (Minuten, Anm.) spielen muss, werde ich drei 90er spielen", sagte der 33-jährige Kapitän, der viel mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Wales startet am kommenden Montag in Gruppe B mit der Partie gegen die USA ins Turnier. Weitere Gegner sind der Iran und England. Die walischen Drachen sind erstmals seit 1958 wieder bei einer WM dabei, auf dem Weg nach Katar eliminierten sie unter anderem Österreich im Play-off-Semifinale im März mit 2:1, Bale schoss damals beide Tore.

Die großen Abwesenden

Allerdings glänzen bei der WM auch einige Top-Stars, die sich mit ihren Nationalteams nicht qualifizieren konnten, mit Abwesenheit. Ägyptens Mohamed Salah (Liverpool) etwa hat das Ticket denkbar knapp verpasst, nachdem man im afrikanischen Play-off-Rückspiel gegen Senegal im Elfmeterschießen scheiterte. Zum zweiten Mal in Folge nicht mit dabei ist Italiens Gianluigi Donnarumma, der Italien im vergangenen Jahr als Kapitän zum EM-Titel geführt hatte und zum Welttorhüter 2021 gewählt worden war. Die Squadra Azzurra war im März im Play-off-Halbfinale zu Hause gegen Nordmazedonien mit 0:1 blamabel ausgeschieden.

Ebenfalls vorm Fernseher zuschauen muss Schwedens Altstar Zlatan Ibrahimovic. Das skandinavische Land schied im Play-off gegen Polen aus, zudem muss der 41-Jährige seit einer Kreuzbandoperation im Mai pausieren und wäre ohnehin nicht rechtzeitig fit geworden. Wieder weitgehend fit, aber nicht für die WM qualifiziert ist Erling Haaland aus Norwegen. Dies hat nun dem Manchester-City-Star ein ungewöhnliches Angebot des englischen Siebentligisten Ashton United eingetragen. Der Verein will Haaland für 28 Tage ausleihen, weil er nicht an der WM in Katar teilnimmt. Dies hat unter anderem im Netz für Erheiterung gesorgt.

Aus anderen Gründen verzichtet wiederum Ecuadors Nationalteam bei der WM in Katar auf seinen umstrittenen Verteidiger Byron Castillo. Der 24-Jährige wurde nicht für den am Dienstag veröffentlichten Endrunden-Kader nominiert, nachdem um ihn ein juristisches Tauziehen stattgefunden hatte. Chile und Peru hatten wegen Zweifeln an der Staatszugehörigkeit Castillos gegen Ecuadors WM-Teilnahme geklagt. Ecuador bestreitet am Sonntag das Eröffnungsspiel gegen Katar, weitere Gegner in Gruppe A sind Senegal und Holland.(rel/apa)