Fußball-Österreich trauert um Gerhard Rodax. Der ehemalige Teamspieler ist am Mittwoch auf der Südbahnstrecke von einem Zug erfasst worden. Nach übereinstimmenden Medienberichten wurde der APA der Tod des 20-fachen Internationalen, der nur 57 Jahre alt wurde, bestätigt.

"Der ÖFB wird ihn stets in dankbarer Erinnerung behalten", postete der österreichische Fußballbund auf Twitter.

Dabei stand Rodax im Nationalteam oft im Schatten von Andi Ogris und Toni Polster, ins Scheinwerferlicht drängte es ihn ohnehin nicht. Dorthin gelangte er ganz von selbst, als Torschütze bei der WM 1990, als Torschützenkönig in der Bundesliga 1989/90 mit 35 Treffern für seinen Stammverein Admira, und danach auch in Spanien: Nachdem er am 28. März 1990 beim 3:2-Erfolg über Spanien nach 0:2-Rückstand in Malaga zum Endstand getroffen hatte, wurde Atletico Madrid auf den schnellen Stürmer aufmerksam und holte ihn in die spanische Hauptstadt.

Dort spielte er Seite an Seite mit Bernd Schuster und wurde Vizemeister und Cupsieger. Im Finale gelangen Rodax zwei Treffer zum Sieg gegen Real Madrid, in der Liga kam er in seiner zweiten Saison wegen der Ausländerbeschränkung, der starken Konkurrenz und unglücklicher Umstände wegen Verletzungen zur falschen Zeit nicht mehr regelmäßig zum Einsatz.

Tennis statt Fußball

"Bei allem Glück, das ich in meinem Fußballer-Leben hatte, das war ein bisschen ein Pech – denn zwei Jahre später ist diese Ausländerregel gefallen", erzählte Rodax 2014 in einem Interview mit der "Wiener Zeitung". "Ich wäre dann sicher noch einige Zeit geblieben. So habe ich mich mit dem Verein zusammengesetzt und gesagt: ,Euch bringt es nichts, mir bringt es nichts, lassen wir es sein‘."

So ging er zurück nach Österreich und spielte in turbulenten Zeiten bei Rapid, ehe er 1993 bis 1996 eher unfreiwillig eine Pause vom Fußball einlegte und sich dem Betrieb seiner Tennisanlage in seiner Heimatgemeinde Traiskirchen widmete, wo er bis zuletzt als Geschäftsführer tätig war. Noch einmal kehrte er auf den Rasen zurück und ließ seine Karriere bei der Admira ausklingen. 2009 wurde er zum "Jahrhundert-Admiraner" gekürt. (tamsl)