Glaubt man dem Wetterbericht, wird der Sonntag ein sonniger Tag. Kalt soll es werden, aber absolut wolkenlos. Es ist nicht davon auszugehen, dass sich das Wetter also in irgendeiner Form auf das Länderspiel zwischen Österreich und Italien (20.45/ORF 1) im Ernst-Happel-Stadion auswirken wird.

Es ist aber zumindest kein gutes Omen. Denn während Österreichs Frauen erst vergangene Woche gegen Italien gewannen, trug sich der letzte Sieg der Männer bei strömendem Regen zu. Intensiv wurde am 10. Dezember 1960 darüber diskutiert, ob man das Spiel nicht doch verschieben sollte. "Ein Wolkenbruch mit Sturmböen war über die Stadt am Vesuv niedergegangen und auf dem Spielfeld stand das Wasser stellenweise zentimeterhoch", berichtete die APA damals aus Neapel. Doch ÖFB-Teamchef Karl Decker war strikt gegen einen späteren Spieltermin. Mit 2:1 gewann seine Mannschaft dann das Freundschaftsspiel, die Tore für Österreich machten Erich Hof und Ernst Kaltenbrunner. Es war die Hochphase von "Deckers Wunderteam", das im Jahr darauf auch England, die Sowjetunion und zwei Mal Ungarn schlagen würde.

Bittere Niederlagen bei WM und EM

Gegen Italien gab es seither zwei Unentschieden und elf Niederlagen. Dazu zählt das 0:1 in der zweiten Runde der WM 1978, Paolo Rossi erzielte nach einer Viertelstunde das einzige Tor, Österreich war damit ausgeschieden, konnte sich mit einem 3:2-Sieg gegen Deutschland drei Tage später aber immerhin geschichtsträchtig vom Turnier verabschieden. 1990 verlor Österreich gleich das WM-Auftaktspiel gegen die Italiener, der spätere Torschützenkönig Salvatore Schillaci besorgte den 0:1-Endstand, Österreich schied als Gruppendritter aus. Die bitterste Niederlage gegen Italien ist aber wohl die jüngste: das 1:2 in der Verlängerung im Achtelfinale der EM 2021.

Das Spiel am Sonntag bietet wohl nicht die richtige Gelegenheit für eine Revanche, dafür ist das Match zu unwichtig. Österreichs Team will dennoch beweisen, dass es mehr kann als zuletzt beim mühseligen 1:0 gegen Andorra gezeigt. Vermutlich werden die Routiniers David Alaba und Marko Arnautovic von Beginn an spielen, die taktische Ausrichtung könnte aber die gleiche bleiben.

Beim Spiel gegen das Fürstentum in Malaga experimentierte Rangnick erstmals mit einer Dreierkette, um die Schwäche in der Außenverteidigung zu kaschieren. Das größere Ziel besteht für Rangnick aber ohnehin darin, dass sich seine Spielanlage in den Köpfen der Spieler festsetzt. Bis zum Auftakt der EM-Qualifikation im März gegen Aserbaidschan und Estland sollen die Abläufe verinnerlicht sein. Die Spieler "sollen dann schon ganz genau wissen, wovon wir reden", sagte Rangnick im Trainingslager in Marbella, wo das Team noch bis Samstag bleibt. Nach dem Abschlusstraining in der Früh folgt am Nachmittag der Flug nach Wien.

Mancini will Generationswechsel

Die Italiener bereiten sich hingegen in der Heimat auf das Spiel vor. Sie bezogen schon Ende der vergangenen Woche das Trainingszentrum in Coverciano bei Florenz, am Mittwoch konnte sich das Team von Coach Roberto Mancini mit 3:1 gegen Albanien durchsetzen. Dabei stach Freiburgs Vincenzo Grifo heraus. Den Ausgleich durch Giovanni Di Lorenzo legte er per Maßflanke auf, die anderen beiden Treffer erzielte der gebürtige Pforzheimer selbst. Es waren in Grifos siebten Länderspiel die Tore drei und vier. "Für mich ist es etwas Wunderbares, in diesen Farben zu spielen", sagte Grifo, der in der Bundesliga bei neun Saisontoren hält, nach der Partie. "Zurzeit läuft alles großartig. Ich hoffe, dass es so weitergeht."

Die Zukunft ist ohnehin ein großes Thema in Italiens Nationalteam. Mancini baut wieder einmal um und bastelt nach der gescheiterten WM-Qualifikation nicht zum ersten Mal in seiner Amtszeit an einem Generationswechsel. Stützen aus jener Mannschaft, die im Vorjahr Europameister wurde, fehlen: Innenverteidiger Giorgio Chiellini gab im April seinen Rücktritt bekannt, Flügelspieler Lorenzo Insigne wechselte im Sommer zum Toronto FC in die MLS und fehlt ebenso wie Außenverteidiger Emerson und der angeschlagene Stürmer Ciro Immobile. Der Kader der Italiener ist dadurch um einiges jünger geworden.

Auch Simone Pafundi zerrt den Altersschnitt ganz ordentlich nach unten. Der offensive Mittelfeldspieler wurde im März 16 Jahre alt und debütierte bei der Partie gegen Albanien im Team. Eine Minute vor Abpfiff wechselte Mancini ihn ein. Pafundi wurde damit zum jüngsten italienischen Teamspieler seit April 1911, als Rodolfo Gavinelli in einem Freundschaftsspiel gegen Frankreich debütierte. Zumindest glaubt man das, einige Quellen schätzen ihn vier Jahre älter. Fest steht, dass er sich kurz nach der Partie gegen die Franzosen verletzte und nie wieder ein Länderspiel bestritt.

Für Pafundi muss das kein schlechtes Omen sein. Er hat sich bisher allerdings auch noch nicht wirklich in die Geschichtsbücher gespielt. Bei seinen Verein, Udinese Calcio, spielte er in der aktuellen Saison nur für die U19, im Mai kam er zum bisher einzigen Mal in der Serie A zum Einsatz. In der U17-Nationalmannschaft hat er sein Talent allerdings schon eindrucksvoll unter Beweis gestellt: In der laufenden EM-Qualifikation erzielte er in den jüngsten drei Partien vier Tore und legte zwei weitere auf. "Es war wirklich emotional. Davon habe ich geträumt, seit ich ein Kind bin", sagte er über seinen Einsatz am Mittwoch. Pafundis Eltern sind aus Neapel. Dort wo Österreich zuletzt gegen Italien gewann - und wo es das ganze Wochenende über regnen soll.