Das 2:0 zum Jahresabschluss am Sonntag gegen Italien soll dem österreichischen Nationalteam laut Cheftrainer Ralf Rangnick auch in Zukunft als Orientierung dienen. Der Deutsche sprach vom besten Spiel seiner mittlerweile halbjährigen Amtszeit. "Was wir die ersten 70 Minuten gespielt haben, war schon ein Fußball, der dem sehr nahe kommt, wie ich mir das auch in Zukunft vorstelle von unserer Mannschaft", sagte der Deutsche. Für die Tore sorgten Xaver Schlager (6.) und David Alaba per Freistoß (35.).

Rangnick durfte nicht nur mit dem Ergebnis gegen den Europameister, sondern auch mit der Leistung "sehr zufrieden" sein. "Die ersten 70 Minuten haben mir großen Spaß gemacht beim Zuschauen." Man sei proaktiv gewesen, habe mit und gegen den Ball die Dinge kontrolliert und - auch unter Einbeziehung von Torhüter Heinz Lindner - von hinten herausgespielt. "Es war ein guter Schritt in die richtige Richtung", betonte Rangnick. "Daran müssen wir uns auch immer wieder orientieren für die zukünftigen Spiele."

Schon in der Nations League habe man phasenweise den Fußball, den er sehen will, gespielt. "Diesmal haben wir es aber wirklich durchgezogen." Nur in den 15 bis 20 abschließenden Minuten habe man - "verständlicherweise", wie Rangnick anmerkte - nicht mehr so viel Druck auf den Ballführenden bekommen. "Das Ziel ist, irgendwann einmal 90 Minuten das Spiel komplett zu kontrollieren. Das ist das, was ich mir wünsche."

Für die im kommenden Jahr angesetzte EM-Qualifikation gab sich Rangnick sehr zuversichtlich. "Wenn wir alle Mann an Bord haben und mit so einer Einstellung und so viel Mut ein Spiel bestreiten, dann haben wir sicherlich eine Chance auch gegen die starken Gegner, die wir in der Gruppe haben." Das sind Belgien und Schweden. Verpasst das ÖFB-Team das Fixticket für die zwei Gruppenbesten, müsste es auf das Play-off hoffen.

Rangnick hofft auch auf die Unterstützung der Zuschauer. Zum Test gegen den Europameister waren nur 18.000 Fans in den kalten Wiener Prater gekommen. "Für die Qualifikationsspiele wünsche ich mir schon, dass wir in Stadien spielen, die ausverkauft sind." Der Auftakt, ein Doppel gegen Aserbaidschan (24. März) und Estland (27. März), dürfte in Linz über die Bühne gehen. Das dort noch in Bau befindliche neue Stadion wird rund 20.000 Menschen Platz bieten.

Arnautovic passt ins System

Vier Monate sind es bis dahin. Die Pause will Rangnick ab Jänner mit wiederkehrenden Videokonferenzen mit seinen Teamspielern überbrücken, um seine Ideen in deren Köpfen zu halten. "Nicht immer alle zusammen, aber in Gruppen werden wir taktische Dinge besprechen, auch Videos durchgehen", erklärte der 64-Jährige. Dazu wolle er mit seinem Team die Spieler regelmäßig besuchen, sich nicht nur Spiele, sondern auch Trainings bei deren Klubs anschauen. Der Trainerstab sei dafür "ausreichend gut besetzt".

Gut zurechtzukommen scheint Marko Arnautovic mit dem, was Rangnick von ihm will. Der 33-Jährige war gegen Italien einer der stärksten Spieler auf dem Platz. "Was Marko die erste Stunde gespielt hat, war schon auf sehr hohem Niveau. Viel besser kannst du das nicht spielen - auch gegen den Ball", lobte Rangnick. Als er das ÖFB-Team übernommen hatte, habe es auch kritische Stimmen gegeben, die hinterfragt hätten, ob die Art und Weise, wie er spielen lassen will, zu Arnautovic passe. "Heute hat er gezeigt, dass es sehr, sehr gut passt." Sonderlob wollte Rangnick eigentlich keines verteilen, beispielhaft nannte er aber Junior Adamu, der erstmals in der ÖFB-Startformation gestanden war. Der 21-Jährige habe in Salzburg eine sehr gute Entwicklung genommen und ein "richtig gutes Spiel gemacht". Es hätten aber auch noch "Spieler gefehlt, die ich durchaus zum engsten Kreis zähle". Der verletzte Leipzig-Mittelfeldspieler Konrad Laimer etwa. Auch Kevin Danso hätte laut Rangnick gespielt. Der Lens-Verteidiger musste aber wegen muskulärer Probleme passen.

Seine Torhüter-Entscheidung für die Qualifikation hat Rangnick noch nicht getroffen. Lindner habe gut gespielt - "auf der Linie, in der Strafraumbeherrschung und auch als Mitspieler". Alexander Schlager habe ihm im Training gefallen, mit Patrick Pentz habe er sich in Wien im Hotel getroffen. Der Reims-Legionär wurde von seinem Klub nicht abgestellt. Ab Jänner müsse Pentz wieder zu Einsätzen kommen. "Wenn es ein Dauerzustand ist, dass er gar nicht spielt, wird es schwierig, auch für mich, ihn zu nominieren."

Begeistert zeigte sich Rangnick vom Engagement, der Laufarbeit und der Intensität, die sein Team auch im letzten Länderspiel des Jahres noch an den Tag legte. "Ich mache mir, was die Einstellung dieser Truppe angeht, überhaupt keine Sorgen." Viele Spieler hätten die Anforderungen, die der Spielstil mit sich bringe, aufgrund ihrer Red-Bull-Vergangenheit ohnehin "in ihrer DNA und ein Stück weit im Blut". Nun gehe es noch ums Finetuning - und darum, in den entscheidenden Spielen auch alle Kicker zur Verfügung zu haben. "Wir haben jetzt nicht eine Breite wie England, Deutschland, Italien oder Frankreich", betonte Rangnick. "Deswegen wäre schon gut, dass wir möglichst alle an Bord haben, wenn es dann darauf ankommt."

Schon in der Nations League hätte man mehr Punkte holen können, zog der Teamchef auch eine kleine Jahresbilanz. Er hätte seinen Spielern vor der Italien-Partie gesagt, er wolle danach nicht hören, dass man gut gespielt habe, aber nicht gewonnen hätte. "Wir müssen das Wort ‚aber‘ streichen, so sind wir auch aufgetreten."