Für Timothy Weah war die Welt trotz des späten Waliser Ausgleichs am Montagabend in Ordnung - und der berühmte Vater freute sich im mit 43.418 Fans gefüllten Ahmad-bin- Ali-Stadion von Al Rayyan auf der Tribüne mit. "Es ist ein Traum, der wahr wird, für jeden Angreifer und jeden Spieler, der bei einer Weitmeisterschaft trifft", sagte der 22-jährige Angreifer nach seinem Tor zur Führung der USA beim 1:1 gegen Wales im Gruppenspiel der Weltmeisterschaft in Katar. In der 36. Minute hatte Weah, der Sohn des Weltfußballers von 1995 und jetzigen Präsidenten Liberias, George Weah, das 1:0 für die US-Amerikaner erzielt. "Er war hier heute Abend mit meiner Mutter und meinem Onkel", berichtete Weah nach dem ersten WM-Tor seiner Karriere. Auch andere Familienmitglieder seien dabei gewesen.

Weahs Vater, der in den 90er-Jahren des abgelaufenen Jahrhunderts für die europäischen Top-Vereine Paris Saint-Germain und AC Milan stürmte, war ein WM-Auftritt stets verwehrt geblieben. Noch nie hat Liberia, das bereits 1847 von befreiten US-Sklaven in Westafrika gegründet wurde, an einer Endrunde teilgenommen. Zwei Teilnahmen bei der Afrikameisterschaft beendeten die Lone Stars jeweils nach der Vorrunde. Zumindest das - und sogar ein Tor bei einer WM hat sein in New York geborener Sohn dem einstigen Superstar nun also schon voraus. Nur das späte 1:1 durch Gareth Bale per Elfmeter (82. Minute) verhinderte, dass der Stürmer des OSC Lille zum Matchwinner wurde. "Alles dreht sich wieder um Gareth Bale", meinte der walisische Trainer Rob Page. "Er hat uns noch nie im Stich gelassen."

George Weah, Vater von Timothy Weah, war Weltfußballer. - © afp / Anne-Christine Poujoulat
George Weah, Vater von Timothy Weah, war Weltfußballer. - © afp / Anne-Christine Poujoulat

64 lange Jahre hatte Wales immerhin auf den Moment gewartet. Der auch nach dem Engagement in der nordamerikanischen MLS beim Los Angeles FC mit nur wenig Spielpraxis ausgestattete Bale führte die Drachen bei ihrer Rückkehr auf die große Bühne aufs Feld. Sie vertrauten auf ihren Stamm, zehn der elf Akteure in der Startelf waren auch im März beim Sieg im WM-Play-off gegen Österreich (2:1) von Beginn an dabei. Einzig der angeschlagene Joe Allen fehlte. Das mit einem jungen Aufgebot angereiste US-Team wiederum setzte auf einige Spieler aus den europäischen Ligen, allen voran Chelsea-Star Christian Pulisic. Juventus-Legionär Weston McKennie wurde rechtzeitig fit.

Timothy Weah, George Weahs Sohn, kickt nun bei der WM in Katar. 
- © afp / Patrick T. Fallon

Timothy Weah, George Weahs Sohn, kickt nun bei der WM in Katar.

- © afp / Patrick T. Fallon

Der Ausgleichsheld war danach "ziemlich glücklich, besser hätte es kaum laufen können". Als Gefoulter verwertete er den eigenen Strafstoß sicher. "Keine Zweifel in meinem Kopf", berichtete Bale danach. Dass der frühere Real-Madrid-Star seit dem Gewinn der US-Meisterschaft mit Los Angeles seit September vor der Partie nur 28 Pflichtspielminuten in den Beinen hatte, war eine weitere besondere Note in Bales Erfolgsstory.

Niederlande souverän

Page hatte sich noch deshalb nach 75 Minuten bei seinem Leader erkundigt, ob er körperlich okay sei. "Und er sagte mir, es gehe ihm gut. Nach Spielende meinte er: ‚Deshalb habe ich gesagt, es geht mir gut‘." Der inzwischen 33-Jährige gehe geschickt mit seinem Körper um. "Wenn er vom Anpfiff weg Vollgas gegeben hätte, wäre er wahrscheinlich bis zur Halbzeit gekommen", so Page. Die nächste Herausforderung wartet für den Play-off-Bezwinger Österreichs am Freitag mit der bereits unter Druck stehenden iranischen Auswahl. Und am Dienstag geht es ins Spiel gegen den großen Nachbar England.

Die in der Gruppe A spielenden Niederlande wiederum haben am Montag im ersten Spiel einen großen Schritt Richtung Achtelfinale geschafft. Die Elf von Louis Van Gaal gewann im Al-Thumama-Stadium von Doha die Begegnung der beiden Aufstiegsfavoriten gegen Afrikameister Senegal mit 2:0. Mit späten Toren erlösten Cody Gakpo (84.) sowie Davy Klaassen (90+9.) das Oranje-Team. Die Niederlande und der Senegal lieferten sich ein ausgeglichenes Duell ohne viele Höhepunkte. Beide Teams verzichteten auf hohes Pressing und agierten defensiv diszipliniert.(rel/apa)