Das nächste Spiel ist immer das wichtigste, heißt es im Fußball, und auch bei den Deutschen bedient man sich dieses Mantras vor dem WM-Auftakt in Gruppe E am Mittwoch gerne. Zwar ist die DFB-Elf gegen Japan (14 Uhr/ORF 1) haushoher Favorit. Dennoch oder gerade deshalb hängt das Damoklesschwert des frühen Scheiterns über der Mannschaft von Hansi Flick. Über seinen Vorgänger Joachim Löw war es bei den jüngsten beiden Großereignissen mit voller Wucht als Fallbein heruntergerasselt. Vor vier Jahren in Russland war schon in der Vorrunde für den damals amtierenden Weltmeister das Aus gekommen, bei der EM vor einem Jahr im Achtelfinale. "Für mich ist das Auftaktspiel wirklich die wichtigste Partie im ganzen Turnier", sagt daher Kapitän Manuel Neuer vor dem Treffen mit den Asiaten.

Wirklich an eine Niederlage denken wollen der Tormann, um dessen Fitness es zuletzt einige Fragezeichen gegeben hatte, und seine Teamkollegen aber nicht. "Man holt sich mit einem guten Turnierstart Selbstsicherheit, hat mit drei Punkten schon einen kleinen Puffer und kann mit breiter Brust in die nächsten Spiele gehen." Und das wird auch nötig sein. Immerhin wartet in Gruppe E als nächster Gegner am Sonntag mit Spanien eine hohe Hürde. Und auf das letzte Spiel gegen den vermeintlichen Außenseiter Costa Rica will man sich nicht verlassen - Südkorea sendet freundliche Grüße aus Russland 2018.

Seither beziehungsweise seit der EM 2021 hat sich vieles getan. Flick übernahm den Posten als Teamchef und veränderte den Kader an einigen Positionen. Nach einem äußerst erfolgreichen Beginn samt Startrekord als DFB-Chefcoach ließen die Leistungen in der jüngeren Vergangenheit nach. Aus den jüngsten acht Länderspielen ging die DFB-Elf nur zwei Mal als Sieger hervor, bei der Generalprobe gegen den Oman (1:0) überzeugte das Team nicht. In das Auftaktspiel gegen Japan geht Deutschland als Favorit, dennoch ist eine Leistungssteigerung notwendig, um den gewünschten Erfolg einzufahren. Seit 1934 verlor Deutschland nur drei erste Spiele bei einer Weltmeisterschaft, bei allen vier Titeln gestaltete die DFB-Elf den Auftakt ins Turnier siegreich.

Personell musste Deutschland zuletzt aber einen Dämpfer hinnehmen. Offensivspieler Leroy Sane fällt aufgrund von Problemen am rechten Knie aus. Fraglich ist zudem, ob Thomas Müller direkt zum Turnierstart nach längerer Wettkampfpause in der Startelf steht. Im Mittelfeld ist zudem spannend, ob Ilkay Gündogan oder Leon Goretzka als Nebenmann von Joshua Kimmich aufläuft. Immerhin ist Abwehrchef Antonio Rüdiger nach einer Verletzungspause rechtzeitig wieder fit und einsatzfähig.

Japan mit hohen Zielen

Zum Schlüsselspieler könnte Jamal Musiala avancieren. Das 19-jährige Supertalent befindet sich seit Wochen in bestechender Form und hat die Fähigkeit, durch Geniestreiche Spiele entscheiden zu können. Für seine erste WM nahm er sich einiges vor. "Wir haben die Qualität, weit zu kommen. Wir gehen alle mit dem Mindset rein, dass wir die WM gewinnen können", sagte Musiala. Im Khalifa International Stadium kommt es erst zum dritten Länderspiel zwischen Deutschland und Japan. Kurz vor der WM 2006 gab es ein 2:2. Ende 2004 siegte die deutsche Mannschaft auf einer Asienreise mit 3:0. Im Rahmen einer Weltmeisterschaft treffen die beiden Nationen erstmals aufeinander. Japan nimmt zum siebenten Mal an einer WM-Endrunde teil. Drei Mal erreichte Samurai Blue bisher das Achtelfinale, unter anderem auch vor vier Jahren in Russland.

Vor dem Turnier riefen die Japaner angesichts der Gruppengegner Deutschland und Spanien durchaus ambitionierte Ziele aus. "Unser Ziel ist das Viertelfinale. Im Fußball weiß man nicht, was passiert", sagte Frankfurt-Legionär Daichi Kamada. Auch das werden die Deutschen unterstreichen können.(tamsl)