Frankreich hat bei der Fußball-WM in Katar den
Fluch des Titelverteidigers vorerst ad acta gelegt und als erster amtierender Weltmeister seit Brasilien 2006 sein WM-Auftaktmatch gewonnen. Die Elf von Teamchef Didier Deschamps feierte in der Gruppe D am Dienstagabend in Al Wakrah einen 4:1-(2:1)-Sieg gegen Australien. Adrien Rabiot (27.), Olivier Giroud (32./71.) und Kylian Mbappe (68.) drehten die Partie, nachdem Craig Goodwin (9.) den Underdog früh in Führung gebracht hatte.

Wie vor vier Jahren in Russland heimste die "Equipe Tricolore" somit zu Turnierbeginn drei Punkte gegen die "Socceroos" ein, damals stand ein 2:1-Erfolg zu Buche. In der Tabelle führen die Franzosen vor Dänemark und Tunesien, die sich beim 0:0 am Nachmittag die Punkte geteilt hatten. Die Australier sind nun am Samstag gegen die Nordafrikaner unter Zugzwang, während der Titelverteidiger auf die Dänen trifft. Gegen die Skandinavier setzte es zuletzt für "Les Bleus" in der Nations League gleich zwei Niederlagen.

Giroud statt dem verletzten Benzema

Deschamps stellte Giroud für den verletzten Stürmerstar Karim Benzema, der die WM verpasst, zentral auf. Mbappe stürmte über links, Ousmane Dembele über rechts, während Antoine Griezmann mehr als Zehner agierte. Der Ex-Salzburger Dayot Upamecano erhielt in der Innenverteidigung den Vorzug vor dem zuletzt angeschlagenen Raphael Varane und bildete hinten mit Lucas Hernandez und Benjamin Pavard einen Bayern-München-Block, den Ibrahima Konate komplettierte. Aussie-Coach Graham Arnold setzte beim Außenseiter auf ein 4-3-3.

Die Partie startete vor 40.875 Zuschauern im Al Janoub Stadium verhalten und nahm nach gut zehn Minuten gehörig Fahrt auf. Ein langer Ball landete bei Mathew Leckie, weil Hernandez ohne Fremdeinwirkung zu Boden ging. Der Australier legte flach auf den im Strafraum alleingelassenen Goodwin auf, dieser machte seinem Namen alle Ehre und nagelte den Ball unter die Querlatte. Hugo Lloris war dabei ohne Chance. Für den Weltmeister kam es noch schlimmer: Hernandez erlitt bei der Aktion offenbar eine Knieverletzung und musste ausgewechselt werden. Für ihn kam sein Bruder Theo ins Spiel.

Nach dem Schock der Ausgleich

Die Deschamps-Truppe war kurzzeitig im Schockmodus, was das Team aus "Down under" allerdings nicht in Zählbares ummünzen konnte. Stattdessen bekam der Favorit das Spiel in den Griff und schlug zurück. Nach einer bereits abgewehrten Ecke holten die Franzosen den zweiten Ball, Hernandez fand per Flanke in der Mitte Rabiot, der zum Ausgleich einköpfelte.

Damit nicht genug, die Grande Nation legte umgehend nach: Verteidiger Nathaniel Atkinson verlor hinten leichtfertig den Ball, Mbappe brachte Rabiot per Ferserl in Position. Der Torschütze bediente Giroud, der mühelos zum 2:1 ins leere Tor einschob. Erneut der 36-Jährige (37.) sowie Antoine Griezmann (42.) und vor allem Mbappe aus kurzer Distanz (45.) ließen vor der Pause teils Hochkaräter auf den dritten Treffer aus. Auf der anderen Seite köpfelte Jackson Irvine das Leder bei einem der seltenen Gegenstöße an die Außenstange (45.+2).

In der zweiten Hälfte sorgte wieder Giroud für Spektakel. Der Milan-Stürmer veredelte beinahe eine Hernandez-Flanke per Seitfallzieher (50.), der Ball ging jedoch knapp am Tor vorbei. Griezmanns Schuss wurde eine Viertelstunde später von Aziz Behich von der Linie gekratzt, dafür legte Mbappe per Kopf nach Dembele-Vorlage zum 3:1 nach.

Den Sack zu machte schlussendlich Giroud, der nach Mbappe-Assist ebenfalls mit dem Kopf traf. Es war sein 51. Treffer im Nationalteam, womit er mit Frankreichs Rekordtorschützen Thierry Henry gleichzog. Seine Teamkollegen feierten im Anschluss den hochgewachsenen Angreifer und wenig später den guten Start in die WM-Endrunde. (apa)