Wenn amtierende Fußball-Weltmeister und Vizeweltmeister bei einer WM ihren ersten Auftritt haben, sind gewöhnlich alle Augen der Welt auf sie gerichtet. Bei der laufenden WM in Katar standen nun der Champion von 2018, Frankreich, und der WM-Zweite Kroatien im Rampenlicht. Den Fluch des Titelverteidigers endlich abgelegt und als erster amtierender Weltmeister seit Brasilien 2006 sein WM-Auftaktmatch gewonnen hat Frankreich, das in der Gruppe D am Dienstagabend in Al Wakrah einen 4:1-Triumph gegen Australien feierte. Adrien Rabiot, Olivier Giroud und Kylian Mbappe hatten die Partie noch gedreht, nachdem Australiens Stürmer Craig Goodwin den Underdog früh in Führung gebracht hatte.

Im ersten Schocks sah es fast danach aus, dass die Elf von Trainer Didier Deschamps der Fluch doch ereilen und das Schicksal Argentiniens einer Auftaktniederlage teilen könnte, allerdings konnte das Team aus Down Under die Führung nicht in Zählbares ummünzen. Stattdessen bekam der Favorit das Spiel in den Griff und schlug zurück. Wie vor vier Jahren in Russland heimste die Equipe Tricolore somit zu Turnierbeginn drei Punkte gegen die Socceroos ein, damals stand ein 2:1-Erfolg zu Buche. In der Tabelle führen die Franzosen vor Dänemark und Tunesien, die sich beim 0:0 am Nachmittag immerhin die Punkte geteilt hatten. Die Australier sind nun am Samstag gegen die Nordafrikaner unter Zugzwang, während der Titelverteidiger auf die Dänen trifft. Gegen die Skandinavier setzte es zuletzt für die Bleus in der Nations League gleich zwei Niederlagen.

Eine schlechte Nachricht ereilte die Franzosen mit Blick auf Lucas Hernández, der die WM in Katar beenden muss. Wie der französische Verband in der Nacht auf Mittwoch mitteilte, erlitt Hernández im Spiel gegen Australien einen Riss des vorderen Kreuzbandes im rechten Knie. Der Rekord-Einkauf des FC Bayern, der diese Saison auch schon mehrere Wochen wegen eines Muskelbündelrisses gefehlt hatte, erlitt die Verletzung in der 9. Minute.

Achtungserfolg für Marokko

Vizeweltmeister Kroatien wiederum ist mit einem leistungsgerechten Unentschieden gegen Marokko in die WM gestartet. Die Mannschaft von Teamchef Zlatko Dalic kam am Mittwoch im ersten Spiel der Gruppe F gegen kompakt verteidigende Marokkaner nicht über ein torloses Remis hinaus. Es war die bereits dritte Nullnummer bei der laufenden Weltmeisterschaft. Im zweiten Gruppenspiel trafen Belgien und Kanada aufeinander (nach Redaktionsschluss).

Bei Temperaturen um etwa 28 Grad Celsius in der katarischen Mittagssonne wurde das Al Bayt in Al Khor dank der installierten Klimaanlage ein wenig runtergekühlt. In einer vorsichtigen Anfangsphase überließ Marokko den Kroaten den Ballbesitz und machte in einem 4-1-4-1 gut die Räume dicht. Während den Kroaten um Mittelfeldregisseur Luka Modric die Ideen fehlten, zeigte Marokko sein Potenzial im Angriff. Ein Versuch von Chelsea-Legionär Hakim Ziyech und ein abgefälschter Ball von PSG-Profi Achraf Hakimi waren nicht von Erfolg gekrönt.

Die gefährlichste Aktion in der ersten halben Stunde gelang aber Kroatien. Ein Weitschuss von Ivan Perisic aus 30 Metern senkte sich erst knapp hinter der Latte. Strafraumszenen blieben aufgrund der aggressiven Spielweise der Nordafrikaner lange Mangelware, der Dalic-Truppe fiel gegen die kompakt stehenden Atlas-Löwen nicht viel ein. Kroatien schaffte es erst unmittelbar vor dem Pausenpfiff gefährlich in den Marokko-Strafraum. Nach Seitenwechsel sahen die 59.407 Zuschauer im Stadion mehr Torchancen. So musste Kroatien-Tormann Dominik Livakovic bei einem Kopfball von Bayern-Profi Noussair Mazraoui aus kurzer Distanz erstmals eingreifen. Mazraoui verletzte sich allerdings dabei und musste vom Rasen getragen werden.

Die Schlussphase verlief ausgeglichen mit viel Geplänkel im Mittelfeld. Am Samstag bekommt es Marokko mit Belgien zu tun (14 Uhr/ORF1), Kroatien trifft auf Kanada (17 Uhr/ServusTV).