Cristiano Ronaldo ist zweifelsohne ein Glückskind, in seiner Karriere hat er - mit Ausnahme des Weltmeistertitels - alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt, mit seinem Elfmetertor bei Portugals 3:2-Auftaktsieg gegen Ghana ist er der erste Mann, der bei fünf WM-Turnieren ein Tor geschossen hat. Und doch hat Ronaldo auch ein bisserl Pech, dass einfach jede Wortmeldung oder Geste von ihm auf die Waagschale geworfen wird. Waren es zunächst sein kritisches Interview über Manchester United und dann sein unvermeidlicher Abgang von dort, über das mehr gesprochen wurde als über seine Rekorde, so ist es nun ein Griff in die Hose während des Spiels gegen Ghana, der in der Öffentlichkeit Ärgernis und Häme erregt. Ronaldo wird’s verkraften können, vor allem, falls sein großer Traum, Portugal bei seiner wohl letzten WM zum Titel zu führen, aufgeht. Falls nicht, wird er indessen als "großartiger Fußballer - aber halt nicht Weltmeister" in die Geschichte eingehen; ein Schicksal, das er freilich mit vielen anderen Granden des Sports teilen würde. Auf dem allerbesten Weg dorthin ist nämlich auch sein Dauerrivale Lionel Messi, der mit Argentinien nach der Blamage gegen Saudi-Arabien am Samstag gegen Mexiko gehörig unter Druck steht. Für einen dritten Superstar, der noch nie Weltmeister war, lief es zwar sportlich besser, doch Brasiliens Neymar hat andere Sorgen. Im Auftaktspiel der Selecao musste er mit einer Knöchelverletzung vom Platz, nun wurde bekannt, dass er in den Gruppenspielen nicht mehr zum Einsatz kommen kann. Ob er überhaupt noch während der WM fit wird, ist unklar. Wenn, dann könnte sich das sogar noch als Vorteil erweisen. Mit einem fitten Neymar im Achtelfinale ist Brasilien wohl noch stärker als mit einem ausgelaugten. Trotzdem wiegen die Erinnerungen an sein Heim-Turnier 2014 schwer, als er im Viertelfinale von Kolumbiens Juan Zuniga brutal niedergestreckt wurde, einen Wirbelbruch erlitt und das desaströse 1:7 gegen Deutschland nur als Zuschauer miterlebte. Aktuell hat auch Weltmeister Frankreich tragischen Figuren: Karim Benzema, nach einer Zwangspause wegen einer Erpressungsaffäre wieder rehabilitiert und in der Form seines Lebens, trug sich im Training in Katar in die lange Ausfallsliste ein; im ersten Spiel erwischte es dann auch noch Lucas Hernandez. Statt WM-Rasen in Doha hieß es Operationstisch in Innsbruck; aus der Traum für den Bayern-Profi.

WZ Tamara Arthofer - © WZ

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Noch mehr mit seinem Schicksal hadern musste vor der WM Deutschlands Marco Reus, dessen Geschichte mit Großveranstaltungen sowieso eine äußerst unglückliche ist. Schon sein Debüt vor mehr als zehn Jahren musste aufgrund von Verletzungen mehrfach verschoben werden; bei Deutschlands Titelgewinn 2014 konnte er nicht mitwirken, auch kurz vor der EM 2016 verletzte er sich, auf die Endrunde vor einem Jahr verzichtete er freiwillig, und heuer wurde er nicht rechtzeitig fit, um in den Kader aufgenommen zu werden. So gesehen könnte Reus aber vielleicht auch unter den Siegern dieser WM sein. Immerhin wird er sich den Spott im Fall, dass Deutschland wie 2018 in der Gruppenphase ausscheidet - am Sonntag geht es gegen Spanien schon um die Wurscht -, ersparen.

Manchmal verbirgt sich im vermeintlichen Unglück halt doch auch ein bisserl Glück - und umgekehrt.