Das in die Jahre gekommene belgische Nationalteam ist bei der Fußball-WM in Katar kaum wiederzuerkennen und läuft Gefahr, erstmals seit 1998 die K.o.-Runde zu verpassen. Die Roten Teufel kassierten am Sonntag in Doha gegen Außenseiter Marokko eine historische Schmach. Das verdiente 0:2 war die erste WM-Vorrundenniederlage seit 28 Jahren. Um es aus eigener Kraft noch ins Achtelfinale zu schaffen, muss Belgien (3) am Donnerstag gegen Vize-Weltmeister Kroatien (4) gewinnen.

Marokko mit ebenfalls vier Zählern winkt dagegen das erste WM-Achtelfinale seit 36 Jahren. "Das ist schwer zu akzeptieren. So ein Auftreten bin ich von meinem Team nicht gewohnt. Die vergangenen Jahre waren wir wesentlich selbstbewusster", meinte Belgiens Nationaltrainer Roberto Martínez. Wie beim mageren 1:0 zum Auftakt gegen Kanada konnte sich der Teamchef nicht auf seine Altstars verlassen. Die Führungsspieler Eden Hazard, Kevin de Bruyne und Welt-Torhüter Thibaut Courtois zeigten abermals maue Leistungen. "Was ist bloß los mit De Bruyne?", titelte etwa "Het Nieuwsblad" am Montag.

In der belgischen Hauptstadt Brüssel ist es indessen nach der 0:2-Niederlage zu Ausschreitungen unter Beteiligung marokkanischer Fans gekommen. Mehr als 100 Polizisten mit Wasserwerfern mussten gegen Randalierer vorgehen, die Stadtmobiliar zerstörten und die Beamten mit Gegenständen bewarfen, berichtete die Nachrichtenagentur Belga am Sonntag. Auch in den Niederlanden kam es in Amsterdam, Rotterdam und Den Haag zu Ausschreitungen.

Die Brüsseler Polizei forderte die Menschen via Twitter dazu auf, den Boulevard du Midi und angrenzende Straßen im Zentrum der Stadt zu meiden. "Die Polizei hat bereits energisch eingegriffen. Ich rate daher allen Fans davon ab, ins Stadtzentrum zu kommen", schrieb Brüssels Bürgermeister Philippe Close auf Twitter. Er habe angewiesen, Unruhestifter festzunehmen. Auf Verlangen der Polizei wurde der Nahverkehr in Brüssel teilweise eingestellt, wie der örtliche Verkehrsbetrieb ebenfalls auf Twitter mitteilte.