Immer irgendwie dabei, aber nie wirklich mittendrin, wenn es bei Weltmeisterschaften ans Eingemachte geht, nie wirklich gefährlich für die Topnationen: So könnte man den Status der australischen Nationalmannschaft bei Weltmeisterschaften in der jüngeren Vergangenheit umreißen. Nun sind die Socceroos, seit 2006 für jede WM qualifiziert, aber nach dem Achtelfinaleinzug in Deutschland noch jedes Mal in der Vorrunde ausgeschieden, aber wild entschlossen, diesen zu ändern. Setzen sie sich am Mittwoch (16 Uhr/Servus-TV) in ihrem abschließenden Gruppe-D-Spiel gegen Dänemark durch, steigen sie in die K.o.-Runde auf - und kegeln gleichzeitig eine Mannschaft aus dem Turnier, die viele vor Anpfiff gar auf der Liste der Geheimfavoriten gehabt hatten. Im Parallelspiel trifft der bisher makellose Titelverteidiger Frankreich, der nach zwei Siegen bereits fix weiter ist, auf Tunesien. Gewinnen die Nordafrikaner das Spiel nicht, reicht den Socceroos auch ein Unentschieden für den Aufstieg. Frankreichs Teamchef Didier Deschamps hat bereits angekündigt, angesichts des weiteren Turnierverlaufs "kleine Änderungen" vorzunehmen - spekuliert wird, dass Superstar Kylian Mbappe geschont wird -, man werde das Spiel "aber sicher nicht auf die leichte Schulter nehmen".

Damit beschäftigen will sich die australische Mannschaft von Trainer Graham Arnold ohnehin nicht. Zu groß ist der Antrieb, nach dem ersten Sieg bei einer WM seit 2010 beziehungsweise sieben Spielen, nachzulegen und aus eigenen Stücken "Geschichte zu schreiben", wie Mitchell Duke betont. Der Siegtreffer gegen Tunesien, der diese Chance erst ermöglichte, sei "der schönste Moment" seiner Karriere gewesen, weitere sollen nun folgen. "Einmal noch für Australien." "Dafür spielen wir Fußball, für die großen Momente", meint auch Innenverteidiger Harry Souttar. "Jedes australische Team ist in der Geschichte noch unterschätzt worden", merkt Flügelspieler Craig Goodwin an.

Dynamit soll
wieder explodieren

Tatsächlich hatten in dieser Gruppe wohl nur wenige die Socceroos auf der Rechnung. Der Kader setzt sich zwar aus vielen Legionären in europäischen Ligen - davon auch zwei in Dänemark - zusammen, über einen echten Star verfügt Graham, selbst in seiner Trainerlaufbahn nie außerhalb seiner Heimat in Erscheinung getreten, aber nicht. Der Marktwert der Mannschaft wird vom Branchenportal transfermarkt.de auf 37,3 Millionen Euro geschätzt - jener Dänemarks auf 353 Millionen Euro. Selbst bei Tunesien kommt man auf mehr als 60 Millionen.

Dennoch ist der Respekt auch bei Dänemark groß. Eine Leistung wie in den ersten beiden Spielen gegen Frankreich (1:2) und Tunesien (0:0) wird man sich nicht erlauben können, dabei plagen Teamchef Kasper Hjulmand Verletzungssorgen. Kapitän Simon Kjaer soll zwar rechtzeitig fit werden, dennoch wirkte Danish Dynamite ungewöhnlich undynamisch.

Hjulmand setzt darauf, dass sich seine Spieler im entscheidenden Moment noch steigern können. Schließlich stand sein Team bei der EM 2021 nach zwei Spielen auch noch ohne Punkt da - und spielte sich dann ins Halbfinale. Die Ausgangslage sei auch für Australien nicht ungefährlich, meint er: "Nur ein Unentschieden zu brauchen, aber gleichzeitig zu wissen, dass man auf diesem Niveau nicht auf Unentschieden spielen kann. Es würde mich sehr wundern, würden sie nicht aus dem Strafraum herauskommen und uns nicht angreifen." Danach klingen auch die martialischen Töne der Australier nicht. "Ich ziehe mit diesen Burschen in den Krieg", sagt Duke.(tamsl)