Auf die Frage, ob ihn die Zahlen nervös machen, muss Rudolf Laudon nicht nachdenken. Laudon ist Obmann des SV Horn, die Zahlen, die gemeint sind, sind nicht die Punkte, die sein Team in der Herbstrunde eingefahren hat, sondern die aus der Bilanz des Vorjahres. Einen Verlust von 681.000 Euro haben die Waldviertler da zu verzeichnen, schon im Vorjahr verbuchten sie ein Minus von 390.000 Euro. "Mich beunruhigt das überhaupt nicht", sagt Laudon. "Nächstes Jahr wird sich das wieder ausgleichen."

Der SV Horn ist nicht der einzige Zweitligist, der in der Vorsaison rote Zahlen schrieb — im Gegenteil. Bis auf Aufsteiger Vienna, Absteiger Admira und den FC Liefering, der als Ableger von Red Bull Salzburg Finanzsorgen nicht kennt, bilanzierten alle Klubs der zweithöchsten Spielklasse negativ. Das geht aus den Kennzahlen hervor, die die Bundesliga am Dienstag veröffentlichte. Die spektakulärsten Schuldenstände weisen die Austrias aus Wien und Klagenfurt aus, doch auch in der zweiten Liga sind einige Klubs in Bedrängnis geraten. Nicht alle Klubverantwortlichen sind so entspannt wie Laudon, einige weisen auf die gesamtwirtschaftliche Lage hin, die sich durch Inflation und die Corona-Pandemie verschlechtert habe, andere sehen den Bewerb aber auch mit strukturellen Problemen konfrontiert.

Schulden in Steyr

Die rotesten Zahlen hat der Kapfenberger SV zu verzeichnen. Fast eine Million Euro Schulden machte er im Vorjahr. Die Zukunft des Traditionsvereins aus der Obersteiermark ist ohnehin offen, er liegt abgeschlagen auf dem letzten Tabellenrang, wie lange Präsident und oberster Geldbesorger Erwin Fuchs noch weitertun will, ist offen. Der Klub ist einer von fünf Vereinen der Liga, der ein negatives Eigenkapital — also Schulden — aufweiset. Belaufen sich diese bei den Kapfenbergern auf 1,2 Millionen Euro, sind es bei Vorwärts Steyr knapp 750.000. Die Oberösterreicher wurden in der Vorsaison Zehnter, aktuell liegen sie auf Rang 14. "Wir haben nicht mehr Einsparungspotenzial", sagt Kassier Lukas Haidinger. "Wenn wir halbwegs konkurrenzfähig sein wollen, müssen wir Geld in die Hand nehmen." Die Summe, die die Steyrer ihren Spieler zahlen, hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Die Personalkosten stiegen seit 2019 von 700.000 Euro auf 1.2 Millionen im Vorjahr.

Demgegenüber kommt die Einnahmenseite nicht mit. Zwar haben die Corona-Hilfen in den Vorjahren die Ausfälle durch die Geisterspiele kompensiert, doch nach dem Ende der Beschränkungen kommen noch nicht so viele Zuschauer ins Stadion wie davor.

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Mit dieser Entwicklung sind die Steyrer nicht allein. Vergleicht man die Zahlen jener acht Vereine, die seit 2019 ununterbrochen in der zweiten Liga spielen (der FC Liefering ist wiederum ausgenommen), haben sich die durchschnittlichen Personalkosten auf 1,36 Millionen Euro fast verdoppelt, die Bilanzgewinne sich aber in Verluste verwandelt.

Etwas kleinere Brötchen bäckt der FAC. Die Wiener, die im Vorjahr überraschenderweise Zweiter wurden, geben mit einem Etat von 902.000 Euro am zweitwenigsten Geld für die Spieler aus, das Minus war im Vorjahr mit 45.000 Euro fast schon glimpflich. "Das Vorjahr für uns war eine Sensation", sagt Geschäftsführer Wirtschaft Stefan Krainz. "Mit so viel Punkteprämien haben wir nicht kalkuliert, aber man zahlt sie verhältnismäßig gerne."

Am anderen Ende der Ausgaben-Tabelle liegt der GAK. Mit 2,2 Millionen Euro ist der Tabellenvierte Ligakrösus. "Aber wir zahlen auch ein Frauenteam und eine U19, die mittlerweile am Ligabetrieb teilnimmt", sagt Kassier Harald Hochleitner. "In der ersten Mannschaft machen wir, wenn überhaupt, ganz kleine Sprünge."

Auch die Grazer kämpfen mit gesunkenen Zuschauereinnahmen, die noch nicht das Niveau von vor der Pandemie erreicht haben, Hochleitner appelliert dennoch an die Liga. "Wenn sich nichts grundlegend ändert, wird das Umfeld des Bewerbs extrem herausfordernd bleiben", sagt er. "Uns hilft jeder Euro, aber die Summen, die wir von der Liga bekommen, überschaubar." Etwa fünf Prozent des jährlichen Budgets würden die Zuwendungen ausmachen.

Bundesliga erhöht Beihilfe

Zumindest ein Stück weit wird ihm die Bundesliga den Wunsch erfüllen: Der Bewerbszuschuss, also der Betrag, den die Klubs aus der höchsten Spielklasse den Zweitligisten überweisen, erhöht sich ab der aktuellen Saison von 2,8 auf 3,4 Millionen Euro. Dazu kommt ein größerer Betrag aus dem Verkauf von Wettdaten. Das heißt konkret: Wettfirmen kaufen bei den europäischen Ligen im Block das Recht, zu jedem Spiel Vertreter entsenden zu dürfen, die Informationen — wie Tore, Auswechslungen und Karten — live an die Zentralen übermitteln. Die Wettfirmen kaufen im Endeffekt diesen Mittelsmännern und -frauen also Eintrittskarten. Der Erlös davon habe sich erhöht, eine halbe Million mehr fließe ab kommender Saison an die Zweitligisten, heißt es von der Bundesliga.

Die Liga hilft

Ohnehin ist man dort von der wirtschaftlichen Lebensfähigkeit der Liga überzeugt, man sehe keine strukturellen Probleme. Sobald die Nachwehen der Pandemie weniger würden, würden die Bilanzen wieder positiver ausfallen, ist man sich sicher.

Schon jetzt steht aber fest, dass mit Kapfenberg, Steyr, der Admira, St. Pölten und Dornbirn fünf Klubs mit Jahreswechsel einen Liquiditätsplan vorlegen müssen. Dieser Automatismus ist in den Lizenzkritierien festgeschrieben. Er greift, weil sich das Eigenkapital der Klubs im negativen Bereich bewegt und sich im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert hat. "Wir legen uns in Zeug", sagt Vorwärts-Kassier Haidinger. "Wir intensivieren die Sponsorensuche und schauen, wie wir mehr Geld lukrieren können."

Horn-Obmann Laudon hat diese Sorgen nicht. Trotz der hohen Verluste im Vorjahr verfügt der Klub noch über ein Polster in Form von fast 400.000 Euro an Eigenkapital. "Das Problem war letztes Jahr, dass Corona-bedingt einige Sponsoren nicht bezahlt haben", sagt er. "Nächstes Jahr wird besser. Das weiß ich schon."