Die Stimmung in Belgiens Nationalelf war schon einmal besser gewesen. Nach dem 0:2 gegen Marokko war von schweren Spannungen innerhalb der belgischen Auswahl die Rede gewesen, sollen in einem Meeting harsche Worte gefallen sein. "Es war wichtig, ein paar Dinge auszusprechen", sagte Mittelfeldspieler Timothy Castagne. "Wir haben im Training direkt gesehen, dass einige Sachen danach besser liefen." Zuversicht schöpfte man immerhin aus der Startelf-Rückkehr von Romelu Lukaku. Der Goalgetter absolvierte gegen Marokko im Finish seinen ersten WM-Einsatz nach überstandener Muskelverletzung. "Romelu ist ein sehr wichtiges Element in unserem Team." In diese Kerbe schlug auch Trainer Roberto Martinez und meinte: "Wenn wir nicht gewinnen, sind wir draußen."

Und so kam es auch. Belgiens in die Jahre gekommene Goldene Generation ist gescheitert. Der Weltranglisten-Zweite, erneut als Mitfavorit ins Turnier gegangen, ist bei der Fußball-WM in Katar bereits in der Gruppenphase ausgeschieden. Die Belgier kamen am Donnerstag in ihrem Schicksalsspiel gegen Vize-Weltmeister Kroatien nicht über ein 0:0 hinaus. Ein Sieg wäre nötig gewesen. So zogen die Kroaten als Gruppenzweiter hinter dem Überraschungsteam Marokko ins Achtelfinale ein.

Nach enttäuschenden Leistungen in den ersten beiden WM-Partien hatten Berichte über interne Spannungen bei den Belgiern die Runde gemacht. Die roten Teufel, kommendes Jahr Österreichs Gegner in der EM-Qualifikation, wollten sie in einer Krisensitzung ausgeräumt haben. Das Duell mit den Kroaten vor 43.984 Zuschauern im ausverkauften Ahmad-bin-Ali-Stadium in Al Rayyan verlief über weite Strecken ausgeglichen. Der erlösende Treffer gelang aber auch dem zur Pause eingewechselten Lukaku nicht.

Marokko im Achtelfinale

Im Vergleich mit den Belgiern hatte Marokko von vornherein die besseren Chancen gehabt, sich zum zweiten Mal nach 1986 für die K.o-Runde einer Fußball-Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Etwas, das vor einigen Monaten die wenigsten für möglich gehalten hätten. Nur noch das letzte Gruppenspiel gegen die rechnerisch bereits ausgeschiedenen Kanadier am Donnerstag stand dazwischen. Die Atlas-Lösen wussten: Ein Remis würde zum Aufstieg reichen. Es wurde ein verdienter Sieg.

Das Team von Nationaltrainer Walid Regragui bezwang am Donnerstag zum Abschluss von Gruppe F Kanada mit 2:1 und stieg als Gruppensieger vor Kroatien in die Runde der letzten 16 Teams auf. Dort treffen die Nordafrikaner am kommenden Dienstag (16 Uhr) auf den Zweiten von Pool E, wo Spanien gegen Japan sowie Costa Rica gegen Deutschland (nach Redaktionsschluss) ums Weiterkommen kämpften.

Hakim Ziyech (4.) und Youssef En-Nesyri (23.) sorgten vor 43.102 frenetischen Fans im Al Thumama Stadium von Doha früh für klare Verhältnisse. Ein Eigentor von Nayef Aguerd (40.) machte die Partie jedoch wieder scharf. Die Marokkaner brachten den Sieg aber über die Zeit und qualifizierten sich somit erstmals nach 1986 wieder bei einer WM für die K.o.-Phase - und das mit sieben Zählern aus drei Partien bei nur einem Gegentreffer. Kanada fährt hingegen nach Hause.