England ist dem Ziel, den Fußball nach 56 Jahren wieder "nach Hause" zu bringen, ein Stück näher gekommen. Die "Three Lions" mühten sich im WM-Achtelfinale gegen Außenseiter Senegal knapp 40 Minuten, ehe der schnelle Doppelpack vor der Pause das Spiel komplett veränderte. Harry Kane sprach nach dem souveränen 3:0-Erfolg von einer "großartigen Nacht", wusste aber auch, dass im Viertelfinal-Kracher am Samstag (20 Uhr) mit Frankreich nun "echte Champions" warten.

Englands Kapitän, der nach seiner Torflaute in der Gruppenphase den ersten Treffer bei dieser WM erzielte, lobte vor allem Einstellung und Effizienz seiner Mannschaft. "3:0 ist ein wirklich gutes Ergebnis. Die Mentalität war absolut top. Wir haben unsere Chancen genutzt", sagte Kane, der mit seinem bereits elften Tor bei großen Turnieren auch den ehemaligen Toptorjäger Gary Lineker (10) überflügelte. "Es war ein wirklich guter Tag. Als Torjäger bin ich glücklich."

Ein Mann stellte an diesem Abend sogar Kane, den auffälligen Phil Foden und den starken Bukayo Saka in den Schatten. Der erst 19-jährige Jude Bellingham blühte in der Rolle des Spielmachers richtig auf, eroberte früh Bälle, setzte zu Dribblings an und überzeugte durch kongeniale Pässe. Nach dem Spiel überschütteten ihn seine Mitspieler mit Lob. "Er ist einer der besten Youngsters. Er ist ein fantastischer Spieler und hat alles, was es braucht", sagte Kane. Foden setzte sogar noch einen drauf: "Ich denke, er kann der beste Mittelfeldspieler der Welt werden."

Vor allem in der Anfangsphase, als Senegal das Spielgeschehen über weite Strecken bestimmte, war Bellingham der mit Abstand auffälligste Engländer. Die Abwehr des Vize-Europameisters hatte mächtig zu kämpfen, da die zuvor starken Innenverteidiger Harry Maguire und John Stones leichte Abspielfehler fabrizierten. Das Spiel hätte nach einem Maguire-Patzer durchaus eine andere Richtung einschlagen können, Senegals Ismaila Sarr vergab allerdings leichtfertig. Einige Minuten später konnte sich Tormann Jordan Pickford mit einer starken Parade auszeichnen.

Mbappé in Topform

Großen Respekt hat Southgate nun vor Kylian Mbappé, der am Sonntag beim 3:1 gegen Polen zwei Tore erzielte und in absoluter Topform agiert. "Er ist ein Weltklassespieler. Er hat bei dieser WM schon große Momente geliefert." Auch Antoine Griezmann und Olivier Giroud seien phänomenale Akteure. Eines steht allerdings fest: Mit einem Erfolg gegen das französische Starensemble könnten die "Three Lions" den Fußball ein gewaltiges Stück weiter in Richtung "Heimat" bringen.

Die Viertelfinalhürde könnte allerdings größer nicht sein - erst recht mit dem vielleicht besten Mbappé aller Zeiten, der auch Weltfußballer Robert Lewandowski zum Nebendarsteller degradierte. "Das ist das Turnier meiner Träume. Ich habe mich die ganze Saison körperlich und mental darauf vorbereitet", sagte Mbappé. "Bisher läuft es ganz gut. Aber wir sind noch lange nicht am Ziel." Ob sein Ziel der Ballon d’Or sei, die Auszeichnung als Weltfußballer oder bester WM-Spieler wurde Mbappé danach gefragt. "Nein", versicherte er: "Mein einziges Ziel ist, die WM zu gewinnen. Das ist das, weswegen ich hier bin. Ich bin nicht hierhergekommen, um den Ballon d’Or oder den Goldenen Schuh zu gewinnen. Wenn ich es gewinne, okay, aber deswegen bin ich nicht hier."

Für den Sender RMC ist der 23-Jährige, der mit nun schon fünf Treffern bisher der größte Star des Turniers ist, "jetzt schon eine WM-Legende". Und auch Frankreichs nicht zum Überschwang neigender Teamchef Didier Deschamps konnte angesichts einer Vorlage für Rekordtorschütze Olivier Giroud (44.) und zwei Treffern (74., 91.) Superlativen nicht mehr ausweichen. Auf die Frage, ob der Torjäger von Paris Saint-Germain aktuell der beste Spieler der Welt sei, antwortete der Coach: "Ich bin nicht objektiv. Ich bin Franzose und sein Trainer. Aber ganz offensichtlich ist er das."