Erstmals wurde der Vorschlag bereits am 9. November in der "Wiener Zeitung" ventiliert - wenig später äußerte sich auch Sportminister Werner Kogler in diese Richtung: Dass nämlich ein externes Expertengremium die durchaus heftigen Korruptionsvorwürfe gegen ÖFB-Präsident Gerhard Milletich prüfen und aufklären möge. Nun kommt es tatsächlich dazu. Dies ist jedenfalls das Ergebnis einer fast fünfstündigen außerordentlichen ÖFB-Präsidiumssitzung am Feiertag im Wiener Hotel Courtyard by Marriott im Prater.

Konkret wird sich das Ethikkomitee der österreichischen Fußball-Bundesliga - unter dem Vorsitz von Wolfgang Pöschl - der brisanten Angelegenheit annehmen. Der pensionierte Richter ist Polit-Insidern als Verfahrensrichter im Ibiza-Ausschuss und im ÖVP-Untersuchungsausschuss bekannt. Dieser Beschluss erfolgte mit "überwiegender Mehrheit", wie der ÖFB in einem Pressestatement mitteilte. "Ich bin sehr froh, dass sich eine unabhängige Kommission dieser Causa annehmen wird. Ich habe immer alles transparent dargelegt und werde auch gegenüber dem Ethikkomitee der Bundesliga so auftreten", so ÖFB-Präsident Milletich. Nach einschlägiger Prüfung soll das Ergebnis dem Präsidium übermittelt werden - ein genauer Zeitrahmen wurde nicht kommuniziert.

Die Einsetzung dieser Ethikkommission ist nicht gerade ein Signal der Stärkung für den Burgenländer, der die leidige Causa am Donnerstag eigentlich mit einer Mehrheit vom Tisch haben wollte. Doch dabei hatte Milletich die Rechnung ohne seine Gegner gemacht, die in der Sitzung offenbar neues Material vorlegten - vor allem Oberösterreichs Verbandspräsident Gerhard Götschhofer: "Ich habe so viel an Sachverhalt präsentiert, dass die Kollegen der Bundesliga es wert finden, ihre Ethikkommission einzusetzen", sagte der Jurist nach der Marathonsitzung. Milletich habe aber weiter keine Einsicht zu möglichem Fehlverhalten gezeigt.

Dabei sind die Vorwürfe der Inseratenkorruption, erst recht im Lichte der jüngsten politischen Turbulenzen, schwerwiegend. So soll Milletich, im Brotberuf Verlagschef (unter anderem Bohmann), von ÖFB-Sponsoren Inserate gekeilt haben und dabei sein Ehrenamt als Chef des größten Sportverbandes Österreichs missbraucht haben.(may)